Alle Artikel in: Literatur

Buch vor einem grauen Textilhintergrund

In Kalabrien von Peter S. Beagle =Rezension=

Claudio Bianchi gilt als Einzelgänger, als Sonderling. Vor langer Zeit soll dies einmal anders gewesen sein, erzählen sich die Dorfbewohner, aber das muss sehr lange her sein. Was sollen sie auch denken von diesem “alten” Kerl, der allein mit ein paar Tieren abgeschieden auf seinem Hof in den Bergen Süditaliens lebt? Ihm selbst ist das recht so. Zur Außenwelt hat er fast keinen Kontakt, einzig der Postzusteller kommt unermüdlich die zum Ende hin ungepflasterte Straße hochgefahren. Erträgt sogar seinen merkwürdigen Ziegenbock Cherubino, dessen Hörner zu einer echten Gefahr werden könnten. Dass Bianchi Gedichte verfasst, er in der Poesie aufgeht, sie neben den Tieren sein Lebensinhalt ist weiß so gut wie niemand. Und auch keiner kann ahnen, Bianchi eingeschlossen, was ihn erwartet. Ein Einhorn steht plötzlich auf seinem Weinberg, wirkt völlig surreal. Und dieses mystische Wesen kann ja auch unmöglich real sein. Doch es erscheint immer wieder. Bis es schließlich sogar bleibt. Wäre dies nicht schon Aufregung genug für Claudio, stiehlt sich auch noch eine junge Frau in sein Leben. Giovanna. Und schon steht sein Leben …

Loading Likes...
Buch liegt neben einer schwarzen Brille und einem Tuch auf einem hellen Untergrund

“Der Reisende” von Ulrich Alexander Boschwitz. Eine Rezension.

The Man Who Took Trains Unter diesem Titel wurde Boschwitz’ Roman 1939 in England erstmals veröffentlicht. In einer vom Originalmanuskript ins Englische übertragenen Fassung erzählt der Autor die Geschichte von Otto Silbermann. Einem jüdischen Kaufmann, der im Zuge der Novemberpogrome seine Wohnung, sein eigenes Haus, seine Familie und damit im Grunde sein gesamtes Leben zurücklässt, um dasselbige zu retten. Um nicht deportiert zu werden. Und dann wahrscheinlich niemals zurückzukehren – ins Leben. Mit Der Reisende erscheint im Jahr 2018 die allererste deutschsprachige Fassung. “»Aber das kann doch nicht sein! Man holt doch keine unbescholtenen Bürger aus seinen Wohnungen heraus! Das kann man doch nicht!« Er schwieg. Doch, kann man, dachte er dann, man kann.” Der Reisende, S. 25 Silbermann macht sich notgedrungen auf den Weg seiner Flucht und bewegt sich in Zügen quer durch Deutschland. Dabei sind seine Aktentasche mitsamt eines fünfstelligen Betrags in Geldscheinen. Seine Angst. Seine Gedanken. Sein in den Grundfesten erschüttertes Vertrauen in Freunde, Bekannte, Geschäftspartner, sogar der Familie und in das Land, das seine Heimat ist. Das Land, dem er im ersten Weltkrieg …

Loading Likes...