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Buch neben einer schwarzen Brille

“Der Reisende” von Ulrich Alexander Boschwitz. Eine Rezension.

The Man Who Took Trains Unter diesem Titel wurde Boschwitz’ Roman 1939 in England erstmals veröffentlicht. In einer vom Originalmanuskript ins Englische übertragenen Fassung erzählt der Autor die Geschichte von Otto Silbermann. Einem jüdischen Kaufmann, der im Zuge der Novemberpogrome seine Wohnung, sein eigenes Haus, seine Familie und damit im Grunde sein gesamtes Leben zurücklässt, um dasselbige zu retten. Um nicht deportiert zu werden. Und dann wahrscheinlich niemals zurückzukehren – ins Leben. Mit Der Reisende erscheint im Jahr 2018 die allererste deutschsprachige Fassung. “»Aber das kann doch nicht sein! Man holt doch keine unbescholtenen Bürger aus seinen Wohnungen heraus! Das kann man doch nicht!« Er schwieg. Doch, kann man, dachte er dann, man kann.” Der Reisende, S. 25 Silbermann macht sich notgedrungen auf den Weg seiner Flucht und bewegt sich in Zügen quer durch Deutschland. Dabei sind seine Aktentasche mitsamt eines fünfstelligen Betrags in Geldscheinen. Seine Angst. Seine Gedanken. Sein in den Grundfesten erschüttertes Vertrauen in Freunde, Bekannte, Geschäftspartner, sogar der Familie und in das Land, das seine Heimat ist. Das Land, dem er im ersten Weltkrieg …

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