Nachdem ich beim Comic-Salon Erlangen 2026 mal wieder viel zu wenige der angebotenen Ausstellungen besucht hatte, gab es am 5. Juli eine Gelegenheit ganz in meiner Nähe. In Zusammenarbeit mit unter anderem der Medienagentur DRIVE luden der Kunstverein Wunstorf und Agenturchef Stephan Probst zur ersten Comic-Ausstellung in den Räumen des Vereins ein. Bis zum 26. Juli ’26 sind Werke von über 30 Künstler*innen in der Abtei zu betrachten. Und ich sage euch, der Besuch lohnt sich.

Am Tag der Eröffnung waren einige Comickünstler*innen selbst vor Ort. Ich ergriff die Möglichkeit den Ausstellungsbeitrag von Gernod Gayk in eigens dafür auf lose Seiten gedruckter Form mitzunehmen und gleich mit einer persönlichen Signatur und Zeichnung versehen zu lassen. Danke, Gernod :-)
Einige der ausgestellten Comics sind im Rahmen des jährlich in Erlangen stattfindenden Comicseminars entstanden. Teils wurden aber auch Werke ausschließlich für UTOPIA erstellt.
Arbeiten der folgenden Künstler*innen sind in Wunstorf zu sehen:
Andreas Wehrheim
Bela Sobottke
Bernd Frenz
Dagmar Gosejacob
David von Bassewitz
Jürgen Speh (Geier)
Georg von Westphalen
Gernod Gayk
Hannah Kronen
Hatiye Garip
Heiner Bade
Jan Bintakies
Jan Thüring
Jennifer Daniel
Josephine Mark
Jörg Hartmann
Julia Briemle
Mamei
Matthias Lehmann
Matthias Vogel
Michael Vogt
Miguel Fernandez
Moritz von Wolzogen
Olaf Brill
Ralf Marczinczik
Timo Würz
Ron DMC Kruse
Stephan Probst
Susanne Kuhlendahl
Thilo Krapp
Thomas von Kummant
Uli Oesterle
Xu JingRu
Zoe Tschöke
Mediendesign Student*innen der HochSchule Hannover — University of Applied Sciences and Arts

Begleitet wird UTOPIA durch Workshops und Signierstunden. Wer am Eröffnungstag sofort etwas mitnehmen wollte, fand etwas auf dem vielfältigen Büchertisch. Hier ließen sich nicht nur signierte Comics finden, sondern die anwesenden Künstler*innen zeichneten auch persönliche Sketches (kleine Zeichnungen) in die ausgesuchten Bücher.



Barrierefreie Comics

Spannend war auch das Gespräch mit Hatiye Garip, die barrierefreie Comics erstellt. Und deren Werk als einziges in der gesamten Ausstellung ohne schützende Glasscheibe ausgestellt war. Denn es lädt ausdrücklich zum Ertasten ein. Inspiriert von einer kleinen Begegnung mit einem Marienkäfer, von dem sie dachte, er hätte seine Punkte verloren, und den Möglichkeiten der Braille-Schrift, erzählt die Künstlerin in ihrem Werk „Finding the Dots“ eine Geschichte in neun mit dem Tastsinn erlebbaren Bildern. Faszinierend und für mich eine völlig neue Erfahrung.
Wer tiefer in die Thematik der barrierefreien Comics einsteigen möchte, sollte einen Blick auf das in englischer und türkischer Sprache verfügbare Projekt Accessible Lines werfen. Dort wird unter anderem mit Audio-Transkriptionen, Collagensounds und Texten experimentiert. Das Künstlerinnengespräch war eine echte Horizonterweiterung der mir bisher bekannten Möglichkeiten im Comic.

Wie Menschen auf Comics neugierig gemacht werden
So unterschiedlich wie wir alle sind, so verschieden waren auch die ausgestellten Beiträge. Die Stimmung beim Opening der Ausstellung war durchweg angenehm. Generationen vermischten sich, ich lauschte Geprächen neben mir, in denen Menschen von ihrer Begeisterung für Comics sprachen. Und solche, von Besucher*innen, die nie oder sehr lange keinen Kontakt mit der bebilderten Literatur hatten und überrascht waren von der gebotenen Bandbreite. Ganz wundervoll und ich hoffe, die Ausstellung wird nach dieser leider nur sehr kurzen Zeitspanne, noch in anderen Räumen Platz finden.



Einen umfassenden Einblick in die Biographie der ausgestellten Comickünstler*innen gibt es auf der Ausstellungs-Webseite des Kunstvereins Wunstorf. Unbedingt reinschauen!
Ich kann nur sagen – mehr davon bitte, mehr Ausstellungen, mehr Comic-Präsenz in der Öffentlichkeit, mehr Aktionen rund um Comics.
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