Etwas einigermaßen Gescheites über ein sehr kluges und besonderes Buch zu schreiben, fällt mir nicht leicht. Erst gestern Abend habe ich diesen Roman beendet, die letzte Seite umgeblättert, und so versuche ich mich direkt am Morgen danach an diesem Text. So konnte Oliver Plaschkas Roman etwas in mir nachwirken und ich habe dennoch einen recht frischen Eindruck vom Gelesenen und Erlebten. Es war eine wahrhaft fantastische Reise und so könnte meine Erinnerung und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen schon morgen ganz andere sein. Also los …

Auf der Suche

Mary Shelley, heute hauptsächlich bekannt für ihren Roman Frankenstein, verlor ihren Mann Percy Bysshe Shelley 1822 bei einem Unglück an das Meer. Er war ein Mann, der sich häufig mit Laudanum betäubte, war von Visionen getrieben und Geschehnisse in der Vergangenheit schienen schwer auf ihm, und auch seiner Frau Mary, zu lasten.

Ausgestattet mit fortschrittlicher Technologie, ist Pat Colombari beauftragt worden, den Ereignissen auf den Grund zu gehen. Es scheint eine Unregelmäßigkeit in der Historie zu geben, womöglich ein störendes Element, ein Derelikt? Sie reist durch die Erinnerungen, Schicht für Schicht, tiefer und tiefer. Begegnet Protagonisten des Schicksals, wie dem exzentrischen Lord Byron und kommt so der Wahrheit auf die Spur.

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Titel: DIE GEISTER VON LA SPEZIA
Autorin: Oliver Plaschka
Erschienen: 14. März 2026
Verlag: Hobbit Presse – Klett-Cotta (zur Leseprobe auf der Verlagswebseite)
Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-608-98885-7

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«Sind Sie mit den Prinzipien der Mnemoskopie vertraut?»
Mary Shelley schüttelte den Kopf. «Ist das eine wissenschaftliche Disziplin?»
«Aber ja.» Pat nickte nachdrücklich. «Sehr neu. Aber sehr wissenschaftlich.»
Mary versuchte, sie keine Regung anmerken zu lassen, doch Pat sah, wie es hinter ihrer Stirn arbeitete. «Der Begriff legt nahe, dass es sich um eine Betrachtung der Erinnerung handelt. Wie … das Studium eines Tagebuchs.»
«Genau», lobte Pat. «Absolut richtig!»

DIE GEISTER VON LA SPEZIA, s. 20 von Oliver Plaschka © 2026 Hobbit Presse

Phantastik trifft auf narrative Biografie

Ich wusste nicht viel über den Inhalt von Die Geister von La Spezia als ich mich entschied, es lesen zu wollen. Denn Klappentexte überfliege ich häufig nur, da ich Sorge habe, dass sie mir Teile des Romans vorwegnehmen, die ich lieber selbst entdecken möchte. Und wäre mein Interesse nicht bereits durch die Tatsache geweckt worden, dass der Roman von Oliver Plaschka verfasst wurde, wäre spätestens bei der Erwähnung von Mary Shelley der Funke übergesprungen.

Erzählt in Szenen, die den Geist der Zeit (für mich) perfekt einfingen, ging ich an der Seite der Ermittlerin Pat Colombari, auf eine tiefenpsychologische Reise durch Erinnerungen. Von einer in die andere zu springen, teils dabei die Personen und auch die Zeiten zu wechseln, versorgte mich mit Inception-Vibes. Losreißen war nicht immer leicht, da ich Gefahr lief, den gesponnen Faden zu verlieren, dem ich durch die Geschehnisse und auch Köpfe folgte. Aber dank der guten Strukturierung des Romans in einzelne Teile, Jahres- und Ortsangaben, genoss ich das Vor und Zurück, das Hin und Her, in vollen Zügen.

Wenn Pat in einer Szenerie der wagemutigen Männer, diese mit Leichtigkeit in die Tasche steckt, Mary Shelley großzügig Hilfe beim Schreiben ihres Romans angeboten wird, zwischendrin ein Meerschweinchen auftaucht und (vorwiegend) Männer im Salon ein Theaterstück aufführten, amüsierte ich mich köstlich und konnte die besondere Stimmung in den Momenten geradezu spüren.

Aber die geniale Idee, mittels einer gedankenreisenden Chronistin, vom Leben und Geschehnissen der Vergangenheit zu berichten, ist nicht das Einzige, das diesen Roman besonders macht. Die Geister von La Spezia gibt tiefe Einblicke in das von Schuldgefühlen geprägte Leben der Mary Shelley. Und, ohne jetzt zu viel zu verraten, nimmt es den Ton ihres eigenen großen Werkes, Frankenstein, auf.

Ich wünschte, ich hätte vor der Lektüre mehr von den Klassikern gelesen, die Oliver Plaschka hier hat mit einfließen lassen. Alleine die Kenntnis von Lord Byrons Der Korsar und Don Juan hätten mich sicher noch mehr von La Spezia beeindrucken lassen. Aber auch so bin ich hier einem Highlight der Phantastik begegnet, in dem ich immer wieder zurückgeblättert habe – bis hin zum Prolog. Dieser Roman verdient eine große Bühne.

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