Sonora Band 1: Die Rache =Rezension=

Sonora Band 1 mit einem Kaktus
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Nachdem in Paris der Juniaufstand niedergeschlagen wurde lockte die Nachricht über große Goldfunde in Kalifornien auch viele Europäer an. So machten sich neben vielen anderen auch Revolutionsflüchtlinge aus Frankreich auf den Weg in den Westen Amerikas. Dort wollten sie reich werden, ihr Glück versuchen und ein neues Leben anfangen. Maximimilien ist einer der Männer, die im Jahr 1851 in San Francisco ankommen. In der Küstenstadt herrscht Goldgräberstimmung, jeder ist sich selbst am nächsten. Ein wirkliches Rechtssystem gibt es nicht, zumal Kalifornien zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal ein US-Bundesstaat ist. Aber er ist nicht hierher gekommen, um nach Gold zu suchen. Sein Ziel ist ein ganz anderes: Er will Rache für den Mord an seinem Bruder und Vater. Den Tätern ist er den weiten Weg über den Atlantik hinweg gefolgt …

Doch (nur) ein Western

Ich probiere gerne für mich Ungewohntes aus, das gilt auch für meine Comicauswahl. Das Sonora-Cover mit dem von Geiern besetzten (Galgen)baum und dem mit einem blutbeschmierten abgebrochenen Säbel bewaffneten düsteren Mann im Vordergrund hat mich angesprochen. Auch die Leseprobe hat mich neugierig gemacht. Warum also nicht auch mal einen Comic, der einem Western ähnelt? Erwartet hat mich dann aber doch eine recht klassische Western-Story.

zeigt eine Landschaft darin ein Pferdewagen

Sonora Band 1 Ausschnitt Seite 6

Anfangs nimmt uns Autor Jean-Pierre Pécau in Rückblenden noch mit nach Frankreich mitten in die Aufstände im Jahr 1848. Mit fortschreitender Story fokussiert sich die Handlung aber auf den eigentlichen Schauplatz – den “Wilden Westen” und den dort herrschenden zügellosen Zuständen. Maximilien wird von einem “Machthaber” angeheuert, spielt den jungen, leicht unerfahrenen Mann vor, den dieser in ihm sehen möchte, bleibt im Grunde aber seiner eigenen Mission treu. So richtig konnte ich mich mit keinem der Charaktere anfreunden, auch nicht mit dem Jungen, der sich Max anschließt, um endlich selbst ein großer Held zu werden. Leider hat mich die Story daher auf der Strecke verloren. Die von Maximilien plötzlich ausgeübte Brutalität und Skrupellosigkeit ließ mich zwischendrin kurz aufhorchen, dann aber eher verwundert zurück. Ich hatte anderes erwartet, hatte gehofft, dass der Funke überspringt. Dass mindestens eine der Personen mich mitnimmt und interessiert. Auch hätte mich das Artwork begeistern können. Aber besonders positiv sind mir nur die ungewöhnlichen Panelaufteilungen aufgefallen. Oft schmal im Hoch- oder Querformat, dabei niemals mononton gleich, sondern sehr abwechslungsreich.

Sonora Band 1 Ausschnitt Seite 11 - 4 über die gesamte Breite gehende Panel untereinander

Sonora Band 1 Ausschnitt Seite 11

Leider hat das aber nicht gereicht und der Funkenflug ist bei mir nicht angekommen. Max ist mir zu eindimensional – zu versessen. Vielleicht ändert sich das im weiteren Verlauf der Reihe? Ich bin noch nicht sicher, ob ich das erfahren möchte. Aber die Western gebe ich damit noch nicht auf. Ich bin sicher, dass da irgendwo noch besserer Stoff auf mich wartet. Ganz sicher!

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Sonora Band 1: Die Rache

Geschrieben und gezeichnet von

Jean-Pierre Pécau und Benoît Bellac

Übersetzt

aus dem Französischen von Harald Sachse
Originaltitel: Sonora Volume 1: La Vengeance

Genre und Leseprobe

Comic. Western.
Eine Leseprobe gibt es beim Splitter Verlag: Leseprobe Sonora Band 1

Noch ein paar Details

Erschienen am 22.06.2018 im Splitter Verlag, ISBN 978-3-96219-135-1, 56 farbige Seiten, Hardcover.

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Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten.
Meine Meinung ist davon völlig unbeeinflusst.

Sonora Band 1 Cover

Sonora Band 1 Cover

Booknapping Backstage II – Rund ums Rezensieren. My way.

Booknapping Backstage II - Titelbild zeigt ein Notebook und Notizbücher
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In meinem Beitrag Booknapping Backstage nahm ich euch mit hinter die Kulissen meines Blogs und berichtete davon, wie ich meine Blogarbeit organisiere. Welche Listen ich führe, wie ich plane, was ich dafür nutze und einiges mehr. In den Beitrag passte allerdings nicht mehr, wie ich ans Rezensieren herangehe. Da ich auch davon gerne erzählen möchte, ist es nun Zeit für diesen zweiten Teil von Booknappings Backstage. Ok – wo fange ich am besten an?

Lesequeue und Rezensionsstapel

Neben der Liste, die ich für Rezensionsexemplare führe (s. Booknapping Backstage), haben auch die physikalischen Besprechungsexemplare einen festen Platz bei mir. In der Nähe meines Leseplatzes im Wohnzimmer steht ein kleines weißes Regal, in dem sich neben den Blog-Orgamaterialien, Notizbüchern, Malbüchern und einem Köfferchen mit Kabelsalat auch meine Lesequeue und der Rezensionsstapel tummeln.

Die Lesequeue steht ordentlich aufgereiht und sortiert nach Comics und Romanen beziehungsweise Sachbüchern oben auf dem Regalsims. Der Rezensionsstapel mit den bereits gelesenen Titeln befindet sich ein Fach drunter. Die Fotos sind übrigens authentisch, was soll ich extra aufräumen – ich möchte euch doch die Realität zeigen und nichts für den Artikel künstlich Konstruiertes.

Lesequeue - mehrere Bücher und Comics nebeneinander auf einem Regal

Meine Lesequeue: Comics links, alles andere rechts davon

Geht es darum, auszuwählen, was ich als nächstes lese, geht mein Blick immer erst zur Lesequeue. Dort stehen nicht ausschließlich Rezensionsexemplare, sondern auch Titel, die jetzt ganz einfach dran sind. Beispielsweise, weil sie zu einer Aktion gehören oder weil wir sie in unserem Offline-Lesekreis lesen.

Den ein Fach tiefer lagernden Rezensionsstapel “arbeite” ich ganz einfach nach und nach ab, dabei halte ich mich an keine Reihenfolge. Ich schaue einfach, worauf ich gerade Lust habe und berücksichtige dabei auch, wenn Rezensionen dringend sind oder einfach schon länger warten. *räusper* – ja, auch das kommt mal vor. Ich lasse mich von der Lesequeue und dem Rezensionsstapel niemals stressen, beide “Institutionen” üben keinerlei mentalen Druck auf mich aus. Ich halte auch nichts davon, Rezensionen und Beiträge übers Knie zu brechen. Meine Devise lautet Qualität vor Quantität und da kann es schon mal passieren, dass eine Besprechung länger braucht. Alle, die selbst schreiben, werden das vermutlich kennen. Es gibt ganz einfach Stunden, Tage, Zeiten in denen man nichts zustande bringt. Es wäre unfair den Titeln gegenüber und würde sich für mich unehrlich anfühlen, in solchen Momenten Besprechungen zu schreiben. Mir selbst würde es auch nicht gut tun. Also lasse ich es dann lieber.

Rezensionsstapel zeigt ein Buch und einen Comic, die aufeinander liegen

Mein Rezensionsstapel (der ist nicht immer so klein)

Vorbereitungen während des Lesens

Ich liebe Page Marker, diese kleinen Klebezettelchen, die während des Lesens fast immer in meiner Nähe sind. Denn damit markiere ich für mich relevante Stellen in den Büchern, die ich lese. Sehe ich ein Panel in einem Comic, das mich besonders beeindruckt, kommt ein Page Marker an die Seite. Bewirkt ein Text etwas in mir, darf ein Page Marker diese Stelle markieren. Muss ich weinen oder lachen, bin ich mitgerissen oder fasziniert, bin ich gelangweilt oder ekle ich mich – in allen Fällen kann es sehr gut sein, dass ich zu meinen kleinen Post-its greife. So sieht eigentlich jeder Titel, den ich lese am Ende ähnlich aus. Es gucken ein oder mehrere kleine bunten Fähnchen an der Seite raus. Die Motive und Farben haben dabei keine besondere Bedeutung, sie markieren ganz einfach. Eine süße Eule sitzt auf ihrem Page Marker neben einer Stelle in der Gedärme aus einem Körper drängen. Ein feuerrotes Zettelchen markiert eine ruhige Szene in sanften Farbtönen, die sich über zwei Comicseiten erstreckt. Ein Pinguin lugt aus einem Buch, das in der Wüste spielt. Ich bin da gnadenlos wie tolerant. Im Falle von E-Books muss ich auf digitale Markierungen oder separate Notizen ausweichen. Das gefällt mir nicht so gut.

Ein Buch und ein Comic aus denen an der Seite Page Marker herausschauen

Page Marker überall

Notizen. Spontan. Emotional. Direkt.

Selten mache ich mir Notizen während des Lesens. Es kommt vor, dann klebe ich mir aber meist mit Washi-Tape einen Notizzettel vorne ins Buch oder ich nehme einen größeren Klebezettel (mit Katze oder Zombie – völlig egal) für diesen Zweck. Immer aber mache ich mir direkt nach dem Schließen des Buches Notizen. In diese fließen dann all die Emotionen, die ich nach dem Lesen loswerden muss. All die Gefühle, Nachwirkungen, Begegnungen, Gedanken. Schwierig wird es, wenn ein Text mich gar nicht berührt hat, weder positiv noch negativ. Wenn ich gar keine Empfindungen dem Gelesenen gegenüber habe. Das kommt selten vor, aber in so einem Fall versuche ich dann eben genau dieses “Gefühl” der Leere zu beschreiben. Immer aber helfen mir meine gesetzten Zettelmarkierungen. Anhand dieser kann ich zu diesen Stellen zurückgehen und sie in meinen eigenen Text einfließen lassen.

Zwei Notizbücher auf denen Bücherregale abgebildet sind

Aktuelle Lesenotizbücher. Rechts Coimcs. Links alles andere.

Diese Notizen mache ich ausschließlich handschriftlich. Dafür nutze ich zwei Notizbücher, eines für Comics, eines für alle anderen Bücher. Ich notiere Titel, Datum, Autor_innen und schreibe drauflos … Einfach so. Ich habe festgestellt, dass ich Texte vor allem emotional wahrnehme. Ich reagiere auf guten und auch auf schlechten Stil – natürlich ist das subjektiv. Ich reagiere auf Situationen, auf Farben, auf Szenen, auf Bilder. Wenn ich keinerlei emotionale Reaktionen spüre, weiß ich, dass etwas nicht stimmt. Das beispielsweise das Buch nicht zu mir passt oder der Stil mir nicht liegt. Texte mit vielen Fehlern in Grammatik und Rechtschreibung verstören mich beispielsweise so sehr, dass ein flüssiges Lesen für mich nicht möglich ist. Dabei spreche ich nicht von einem Fehler hier und da, sondern von gröberen Schnitzern, von vielen Fehlern. Ich habe dann das Gefühl, die Autor_in hat sich die Mühe nicht machen wollen. Geht halt nicht für mich. Das gilt übrigens für Texte aller Art. Aber ich schweife ab.

Mein Text – switch: analog => digital

Den eigentlichen Blogbeitrag schreibe ich meist erst einige Zeit nach dem Lesen. Und somit auch mit einigem Abstand zu den handschriftlich verfassten Notizen, die in letzter Zeit immer häufiger bereits vorgeschriebenen Rezensionen ähneln. Zwischen der analogen und der digitalen Fassung können schon mal Tage oder auch (seltener) Wochen vergehen. Mithilfe der Notizen und der vielen Klebezettelchen-Markierungen kann ich aber direkt wieder zu dem erlebten Text zurück kehren. Ich setze mich dann wahlweise an mein Notebook oder auch mal an mein Tablet, das ich für diesen Zweck mit einer Bluetooth-Tastatur ausstatte, und schreibe die Rezension direkt im Blogbereich. Außerdem mache ich Fotos, bearbeite diese, suche Leseproben, Cover und die bibliografischen Daten heraus. Hübsche alles ein wenig auf, sodass es mir gefällt. Dass dies nicht in einer halben Stunde getan ist, ist offensichtlich. Auch das Gegenlesen meines eigenen Textes gehört noch dazu. Ich versuche dafür meinen Beitrag mit “fremden” Augen zu lesen. Lese Wort für Wort, Satz für Satz – manchmal sogar Buchstabe für Buchstabe. Ich finde ganz sicher nicht jeden Fehler, aber manch groben Unsinn stöbere ich auf.

Handschriftliche Notizen

Handschriftliche Notizen

Ich schreibe nun seit über zehn Jahren Rezensionen, habe außerdem längere Zeit in einem Rezensionsportal (und auch zwei Romane) “lektoriert”. Dadurch habe ich ganz sicher keine Expertise im Lektorieren oder Korrigieren, das was ich mache, ist alles auf “habe ich mir irgendwie selbst beigebracht”-Niveau. Aber mein Sinn für Sprache begleitet mich seit meiner Kindheit. Oft kann ich gar nicht sagen, warum eine Stelle so oder so heißen muss. Ich spüre dann ganz einfach, wie es sein muss. Ich spüre, dass etwas komisch klingt, dass ich mich damit nicht wohlfühle. Welche Regeln dahinter stehen weiß ich nur selten. Besser kann ich das leider nicht erklären, im besten Falle, versteht ihr vielleicht, was ich damit meine.

Ganz sicher weiß ich aber, dass …
… ich es liebe, zu schreiben.
… ich es liebe, zu lesen.
… ich es liebe, übers Lesen und Schreiben zu sprechen.
Und das alles so, wie ich es mag. Ganz persönlich und authentisch.

Außerdem bin ich verrückt nach Feedback. Erzählt ihr mir davon, wie ihr eure Rezensionsarbeit organisiert? Wie geht ihr vor? Habt ihr Rituale, besondere Macken oder Vorgehensweisen? Bitte verlinkt mir auch eure Beiträge, sie müssen nicht brandaktuell sein, gerne auch aus eurer Blog-Backlist.

Und wie machen es die Blogkolleg_innen?

Nastrand. Eine Geschichte aus der Edda von Søren Glosimodt Mosdal =Rezension=

Nastrand Titelbild zeigt die Rückseite des Buches auf dem Deirdre abgebildet ist
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Deirdre und Thorkel gelangen nach ihrem Tod an den titelgebenden Leichenstrand Nastrand. Nur war das eigentlich nicht ihr Ziel. Keiner von beiden will sich diesem Schicksal ergeben, schließlich wollten der magiebegabte große Krieger und seine Begleiterin ins segenreiche Walhalla. Mit jammernden Leichen und gefräßigen Monsterhunden (die Totengöttin Hel hetzt ihr monströses “Schoßhündchen” Glamr auf die zwei) hatten sie nun wahrlich nicht gerechnet. Doch kann Thorkels Magie sie ins Leben zurückführen? Dies wäre der einzige Weg Nastrand zu entkommen. Bisher aber ist Hel noch nie jemand “abhanden” gekommen.

Warum eigentlich Nastrand?

Die Vorlage für diese Graphic Novel ist die Sage “Weissagung der Seherin”. Eine eher unbekannte Geschichte aus der Edda und da kam bei mir sofort die Frage auf, warum der Autor Søren Glosimodt Mosdal diese ausgewählt hat. War er selbst in einer “schlechten” Phase? Schließlich ist der Schauplatz – der Leichenstrand – nicht gerade paradiesisch und seine Charaktere auch nicht unbedingt gut gelaunt. Oder wollte Mosdal eine Art Gleichgewicht herstellen, in dem er sich der wenig heldenhaften und auch selten adaptierten Seite des nordischen Totenreichs zuwandte? Diese Fragen bleiben leider unbeantwortet. Sollte ich dem Autor jemals begegnen, weiß ich, was ich ihn frage.

Nastrand Seite 26 ganz in schwar-weiß

Nastrand Seite 26

Optisch ist der Band schon bei der ersten Begegnung ein Hingucker. Mit der Halbleinenbindung und dem in matt gehaltenen Cover ist er zugleich robust wie hochwertig und erinnert damit an eine klassische Bindung, die auch eine bibliophile Ausgabe der Edda haben könnte.

Die Originalgeschichte kenne ich nicht – noch nicht. Denn jetzt nach der Lektüre von Nastrand möchte ich sie unbedingt kennenlernen. Mosdals Entscheidung in diesem Comic ausschließlich mit schwarz und weiß zu arbeiten war gut. Seine konturenstarken Zeichnungen reichen völlig aus, um die besondere und bedrückende Atmosphäre zu schaffen, die das Szenario benötigt. Farben hätten hier einen zu großen Schockfaktor, da doch einiges an Blut fließt und auch die Leichen dürften farblich eine Menge Potenzial bieten. Aber genau auf solchen Effekten soll hier nicht der Fokus liegen. Vielmehr auf der Verzweiflung der Seelen – der Verstorbenen. Denen, die ihr jenseitiges Dasein im Meer und am Strande der Göttin Hel verbringen müssen. Ihrem Schicksal niemals werden entringen können. Am Beispiel Thorkels, der es trotz seiner immensen Kraft und seinen magischen Fähigkeiten nicht schafft, sich und seine Begleiterin Deirdre zu befreien, wird dies überdeutlich. Dem Totenreich entkommt niemand. Schließlich wähnt nicht jedem ein freudiges Schicksal in Walhalla …

Zeigt den großen Krieger in Frontansicht, wie er durch einen Wald geht

Nastrand Ausschnitt Seite 25 (Thorkel)

Nastrand erzählt einen klassischen Stoff auf angemessene Weise in ansprechendem Gewand – sogar mit einer Portion Humor in den breitstrichigen Zeichnungen. Nach der Lektüre der Vorlage werde ich das Buch gerne wieder in die Hand nehmen. Empfehlenswert für alle am Thema Interessierten, wer noch unsicher ist, sollte aber besser vorher reinschauen.

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Nastrand

Geschrieben und gezeichnet

Søren Glosimodt Mosdal

Übersetzt

Aus dem Englischen von Christoph Schuler

Genre, Reihe und Leseprobe

Graphic Novel. Klassiker. Sage.
Eine Leseprobe gibt es beim Verlag Edition Moderne (Link).

Noch ein paar Details

Im April 2018 erschienen, ISBN 978-3-03731-175-2, 64 schwarz-weiße Seiten, Hardcover.

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Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten.
Meine Meinung ist davon völlig unbeeinflusst.

Nastrand Cover in schwarz-weiß mit blauem Leinenrand

Nastrand Cover

 

Cloak & Dagger – Ein Licht in der Finsternis =Rezension= [Gastbeitrag von geek-whisper]

Cloak and Dagger Cover Titel
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Vor kurzem meldete sich Andi aus dem Team von Geek-Whisper mit einer Bitte an einige Blogkolleg_innen. Aus gesundheitlichen Gründen könnten auf der Seite derzeit keine Rezensionen veröffentlicht werden. Da das kreative Team der Seite aber mit seiner Arbeit natürlich nicht aufgehört hat, wurde nach Unterstützung gesucht. Da habe ich gerne zugesagt und veröffentliche hier nun den ersten Gastbeitrag aus dem Autorenteam von Geek-Whisper.de [Werbung]. Die Rezension stammt aus der Feder von Nina, an die ich hiermit übergebe. Viel Spaß mit ihrer Besprechung von Cloak & Dagger!

Anfang Juni startete die Serie Cloak & Dagger, basierend auf den gleichnamigen Figuren der Comicschmiede Marvel. Am 17. Juli ist bei Panini der Sammelband Cloak & Dagger – Ein Licht in der Finsternis erschienen, der anhand von fünf Geschichten die Herkunft und Entwicklung der beiden Figuren erzählt.

Handlung

Der Sammelband enthält fünf voneinander unabhängige Geschichten, die Cloak und Dagger als Figuren, ihre Herkunft und Motivationen kurz und knackig präsentieren. Die erste Story stammt aus dem 1982 erschienenen The Spectacular Spider-Man 64. Dort feierten die beiden (Anti-)Helden ihr Debüt. Außerdem erzählt der Sammelband wie Cloak und Dagger engagiert werden, um die Runaways – eine Gruppe Kinder, die vor ihren Superschurken-Eltern geflohen sind – zu finden.

Bewertung

Dadurch, dass Cloak & Dagger – Ein Licht in der Finsternis verschiedene Geschichten enthält, die zu verschiedenen Zeitpunkten spielen und unterschiedliche Storys erzählen, könnte man schnell den Anschluss verlieren. Erst kämpfen sie gegen Spider-Man, dann mit den X-Men zusammen. Eine der Storys wird nicht mal aus der Sicht der beiden erzählt. Die einzelnen Teile wurden aber sehr gut ausgewählt, sodass man die Entwicklung von Cloak und Dagger gut nachvollziehen kann. Das betrifft nicht nur ihre charakterliche Entwicklung, sondern allgemein ihre Entwicklung innerhalb der Welt der Marvel Comics. Von 1982 bis 2011 bekommt man Einblicke in verschiedene Epochen der Comics und dadurch auch einen schönen Überblick, wie Comics damals und heute gezeichnet und geschrieben werden. Vor allem die unterschiedlichen Herangehensweisen der verschiedenen Autoren und Zeichner sind sehr spannend zu verfolgen. Sie alle haben den beiden Helden etwas Eigenes hinzugefügt, sind aber immer den Figuren und deren Motivationen treu geblieben.

Was aber besonders auffällt – und mir persönlich gar nicht gefällt – ist die Entwicklung von Daggers Kostüm. Sie hatte schon von Anfang an den weißen Overall mit dem tiefen Ausschnitt, der ein bisschen an einen Dolch erinnern soll. Im Laufe der Jahre wurde ihr Ausschnitt aber immer größer und weiter, sodass beispielsweise der Ausschnnit ihres X-Men-Kostüms mehr oder weniger nur ihre Nippel verdeckt. Man könnte das als Produkt seiner Zeit abtun, aber um das zu untermalen hätte man eine neuere Story einbauen können, wo Dagger ein etwas besseres Outfit bekommt (wie z. B. im Ultimative Universum). Wenn man aber davon absieht, macht die Lektüre Spaß, denn die einzelnen Teile sind in sich sehr spannend erzählt. So spannend, dass die Leser am Ende eigentlich mehr davon wollen, es aber leider nicht bekommt. Man ist aber nicht verärgert, sondern hat einfach nur Lust auf mehr.

Fazit

Der Sammelband ist, was der Name schon verrät: Eine Sammlung verschiedener Storys, die eine Art Zeitreise durch die Geschichte von Cloak & Dagger ist. Das Einzige, was mich gestört hat, ist die Entwicklung von Daggers Kostüm. Was aber eher an ihrer Darstellung in den Comics liegt und wofür der Sammelband nichts kann. Cloak & Dagger – Ein Licht in der Finsternis ist meiner Meinung nach eine ganz gute Einführung in die Geschichte der beiden Charaktere und eine spannende Sache, vor allem wenn man die neue Serie gucken will oder schon geguckt hat.
4 von 5 Punkte

Diese Rezension stammt aus dem Autorenteam von Geek-Whisper.de und wurde exklusiv für booknapping.de geschrieben. Sollte sie euch gefallen haben, schaut doch mal bei uns vorbei.

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Cloak & Dagger – Ein Licht in der Finsternis

Geschrieben und gezeichnet

Bill Mantlo, Nick Spencer
Ed Hannigan, Alex Maleev, Emma Rios, Mark Brooks

Genre, Reihe und Leseprobe

Comic. Superhelden.

Noch ein paar Details

Am 17. Juni 2018 erschienen, ISBN 978-3741608612, 188 farbige Seiten, Softcover.

Comic in einem Buchladen kaufen

Die Rezension stammt von Nina aus dem Autorenteam von geek-whisper.de und ist hier auf Booknapping als Gastbeitrag erschienen.

Cloak and Dagger Cover

Cloak and Dagger Cover

Helena und die Ratten in den Schatten von Christoph Marzi + Monika Parciak

Helena und die Ratten in den Schatten Titelbild. Buch auf einem roten Kissen
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In den Schatten ist es gefährlich. Dorthin darf niemand gehen, denn es lauern dort Ratten. Die Ratten in den Schatten. Was ihnen nicht alles nachgesagt wird … Ganze Gruppen von Kindern seien von ihnen “verschlungen” worden. Haustiere und auch Erwachsene wurden nie wiedergesehen, nachdem sie sich in die Schatten getraut haben. Helena kennt diese Geschichten und hat wie alle anderen Angst vor den dunklen Ecken, in denen die kleinen Monster mit den glühenden Augen hocken und nur darauf warten, sie zu schnappen.

Dann aber geschieht etwas, das Helenas Mut herausfordert. Ihr heißgeliebter Freund, der Stoffaffe Chico, stürzt am Abend aus dem offenen Fenster in den stockfinsteren Garten. Helena ist entsetzt. Die Vorstellung, dass Chico nun ganz allein dort unten sitzt, nicht weiß, wo er hin soll und … der Garten so unheimlich dunkel ist, lässt sie nicht lange warten. Helena muss ihren Freund vor den Ratten in den Schatten retten. Chico muss doch unfassbar große Angst haben! So zögert das Mädchen gar nicht erst und nimmt allen Mut zusammen. Natürlich hat sie Angst vor den Ratten, aber es ist doch Chico, der dort alleine ist! Und ihre Hilfe braucht. Wie könnte sie denn ihren Freund alleine lassen …

Geschichte zum Gruseln?

Ein Blick auf das Cover des Buches lässt vermuten, es könnte sich um eine gruselige Geschiche handeln. Schließlich sind dort ganz viele leuchtende Augen zu sehen, die der kleinen Helena aus dem Dunklen entgegen starren. Aber Helena und die Ratten in den Schatten entpuppt sich als zauberhafte Geschichte über ein mutiges Mädchen, das sich ihren Ängsten stellt. Allen Gerüchten zum Trotz wagt sie sich für einen Freund hinaus in die Gefahr und findet dort ein Geheimnis, das sie nicht erwartet hätte.

Die sehr schön erzählte und liebevoll farbig illustrierte Geschichte erinnert in einzelnen “Bildern” an Neil Gaimans Coraline, was vielleicht gar kein so großer Zufall ist, da schon Christoph Marzis Debüt Lycidas von dem britischen Autor inspiriert war (es gibt dort unter anderem deutliche Parallelen zu Gaimans Roman Neverwhere, der ebenfalls im unterirdischen London spielt).

Helena und die Ratten in den Schatten ist bereits die zweite gemeinsame Arbeit von Marzi und Parciak, die im Arena Verlag erschienen ist. Gespensterfenster war der erste Titel, den ich zwar nicht kenne, der aber auf den ersten Blick einen ähnlich zauberhaften Eindruck macht. Die Geschichte um Helena und ihren Affen Chico ist durchgehend farbig auf jeder Seite illustriert, manchmal wird sogar im Hochformat über zwei Seiten erzählt. Im Grunde handelt es sich um ein vollbebildertes Buch in dem auch erzählender Text zu finden ist. Und dieser Text ist nochmal in ganz besonderer Weise “lebendig”. Mal tanzen die Buchstaben geradezu über die Seiten. Schmiegen sich Wörter zwischen die Balken eines Dachbodens. Sie werden groß und klein, fett und schräg. Die Buchstaben wirken wie eine Art eigene Bildsprache.

Insgesamt ein ganz wundervolles Buch, das beim Vorlesen oder auch gemeinsamen Lesen sicher strahlende Augen hervorruft. Und auch für groß gewordene Liebhaber_innen von Bilderbüchern kann es einiges bieten. Ich fand es sehr kurzweilig und besonders die Auflösung sehr charmant und einfühlsam. Ein tolles Buch über Mut, Freundschaft, Toleranz und Gerüchte.

Helena und die Ratten in den Schatten

Geschrieben und illustriert von

Christoph Marzi und Monika Parciak

Genre und Leseprobe

Kinderbuch. Bilderbuch.

Noch ein paar Details

Im Juni 2018 erschienen im Arena Verlag (Softcover, ISBN 978-3-401-51097-2, 80 Seiten, laut Verlag ab 10 Jahren)

Gelesen …

… im Lesesessel zu Hause.

Buch in einem Buchladen kaufen

Cover des Buches in blau mit einem kleinen Mädchen in einem weißen Kleid im Vordergrund und vielen Augen im Dickicht

Booknappings Picklist: Comic-Neuerscheinungen Juli / August 2018

Titelbild zeigt einen weißen Sessel mit Chrom auf dem ein Krümelmonster sitzt, dahinter ein Regal mit Comics
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Es steht bereits der Monat August vor der Tür, was mich aber nicht daran hindert (erst) jetzt meine Picklist der Comic-Neuerscheinungen aus den Monaten Juli und August mit euch zu teilen. Abgesehen davon, dass ich etwas später dran bin, gab es im Juli im Vergleich zu anderen Monaten auch relativ wenige Neuerscheinungen. Einige Verlage haben genau so viel rausgehauen wie sonst. Andere wiederum hatten wesentlich weniger beziehungsweise sogar gar keine Neuveröffentlichung im Sommermonat. Der Juli scheint also so eine Art Comic-Sommerloch zu sein. Weshalb ich den August jetzt gleich mit dazu nehme für meine persönliche Comic-Picklist.

Auf welche Neuerscheinungen der Monate Juli und August habt ihr ein Auge geworfen? Welche könnt ihr besonders empfehlen? Lasst mir Kommentare da, ich bin immer neugierig Neues zu entdecken und eure Meinungen zu hören.

Aus den Ankündigen und Vorschauen der Verlage habe ich die folgenden für mich als besonders beachtenswert herausge”pickt” – natürlich völlig unbeeinflusst. Leseproben und Verlag sind ganz unten in einem Kasten markiert.

Und nun viel Spaß mit meiner ganz subjektiven Auswahl :-)

Picklist Comics: Neuerscheinungen Juli / August 2018

Avant Verlag

Die Saga von Grimr - Cover des Comics zeigt einen Mann mit Pelzmantel vor einem GletscherMitte August erscheint die Graphic Novel Die Saga von Grimr, die jüngst den Preis als “Bester Comic” auf dem Festival in Angoulême 2018 erhalten hat.

Erzählt wird die Geschichte des verwaisten Jungen Grimr, der im Jahre 1783 durch Island reist und zu überleben versucht. Um nicht betteln zu müssen, hat er die Idee seine eigene Legende zu kreieren.

Der Hinweis auf der Verlagswebseite, dass im Besonderen die Darstellungen der Natur und des Lichts herausragen und eine zweite Ebene in der Erzählung bilden, hat mich diesen Comic auf die Picklist schreiben lassen. Hardcover, Farbe, 232 Seiten, Autor + Zeichner: Jérémie Moreau

Edition Moderne

Der Magnet - Cover, ganz in blau-schwarz gehaltenEine Art Architekturthriller scheint hinter Der Magnet zu stecken. Aufmerksam geworden bin ich aufgrund des klar strukturierten Covers – mit seinen geraden Linien und dem Einsatz von wenigen Farben. Kühl, fast steril, gleichzeitig geheimnisvoll mit den Bergen im Hintergrund. Als ich das sah war ich interessiert. Als ich las, dass es sich um einen Thriller handelt, der in einer Therme spielt und das Vorbild für das Gebäude von einem Schweizer Architekten stammt (Peter Zumthor), schrieb ich den Comic, der im August erscheint, auf meine Picklist. Hardcover, Farbe, 144 Seiten, Autor + Zeichner: Lucas Harari

Kult Comics

Aria Sammelband 1 Cover, zeigt die blonde Heldin in einem weißen Oberteil und einen Helm über den Kopf hebendAuf Aria habe ich bereits länger ein Auge geworfen. In den 1970ern erschuf der Autor Michel Weyland das “Aria”-Universum und dessen Heldin Aria. Klassische Fantasy mit einer Frau, die zu wissen scheint, was sie will. Ich habe noch nie ein Aria-Abenteuer gelesen, obwohl ich schon ein paar Alben im Regal stehen habe. Aber vielleicht fange ich doch noch einmal von vorne an zu sammeln … denn bei Kult Comics startet jetzt im Juli eine neue Reihe von Sammelausgaben. Hexen, Magier, Elfen, Monster – das hat mich neugierig genug gemacht, den Sammelband 1 auf meine Picklist zu setzen. Enthalten sind vier Alben (1, 2, 6, 7), die Reihenfolge richtet sich nach dem inhaltlichen Zusammenhang, nicht nach der chronologischen Erscheinungsweise. Hardcover, Farbe, 200 Seiten, Autor + Zeichner: Michel Weyland, Farben: Nadine Weyland

Splitter Verlag

Chaos Buch 1 - CoverMit dem ersten Band der Trilogie Chaos landet ein im August erscheinender Science Fiction-Comic auf meiner Liste. Und zwar aufgrund dieses Kommentars auf der Verlagswebseite:

“Diese Adaption dieses bislang nicht ins Deutsche übertragenen Sci-Fi-Romans »Ravage« von René Barjavel lotet die Untiefen des Menschlichen aus und ist zugleich ein einschneidender Kommentar zur modernen Technologiegläubigkeit”

Noch Fragen? Hardcover, Farbe, 48 Seiten, Autor: Jean-David Morvan, Zeichner: Rey Macutay

Kill or be Killed 2 - Cover in schwarzrotSchon Kill or be Killed gelesen? Falls die Antwort auf diese Frage Nein lautet, lohnt sich ein Blick auf meine Besprechung des ersten Bands hier im Blog (Kill or be Killed Band Eins). Falls die Antwort Ja lautet – im Juli kommt Band Zwei! Ich bin ganz aus dem Häuschen, weil mich besonders die Zeichnungen und Koloration umgehauen haben. Ich war anfangs skeptisch, dass die Reihe überhaupt was für mich sein könnte, aber nach dem Lesen des ersten Teils … kann mich jetzt niemand mehr davon abbringen weiterzulesen. Ab auf die Picklist! Hardcover, Farbe, 176 Seiten, Autor: Ed Brubaker, Zeichnungen und Farben: Sean Phillips + Elizabeth Breitweiser

Das Konzil der Bäume - Cover mit rotem Himmel und einem großen schwarzen BaumDas Konzil der Bäume verspricht eine steampunkige Horrorgeschichte in einem alten Waisenhaus. Mitten im Wald steht die Einrichtung und Nacht für Nacht wandeln die Kinder wie in Trance durch die Dunkelheit. Zwei Ermittler, ihres Zeichen Spezialisten für paranormale Begebenheiten, werden gerufen, um die unnatürlichen Vorgänge aufzuklären. Eindeutig ein Fall für die Picklist, ich mag solche Gruselgeschichten. Einzelband, der im August erscheint. Hardcover, Farbe, 64 Seiten, Autor: Pierre Boisserie, Zeichnungen: Nicolas Bara

Mermaid Project. Episode 2 - Cover in dunklen Farben mit Delphinen und den ProtagonistenMit der Story rund um die Inspektorin Romane Pennac geht es glücklicherweise schon im August weiter in Mermaid Project. Episode 2. Das Szenario spielt in einer nahen Zukunft, in der die westlichen “Mächte” die Menschheit und die Erde fast in einen totalen Kollapps geführt hatten. Die zuvor eher als “Entwicklungsländer” geltenden Bereiche haben das Ruder nochmal rumgerissen, sind dafür jetzt in den führenden Rollen. Romane ist einem geheimnisvollen Fall auf der Spur, der sie und ihren Kollegen von Paris nach New York führt. Und hinter dem sehr viel mehr zu stecken scheint, als nur das Verschwinden einer angeblich verstorbenen jungen Frau. Die Rezension zu Episode 1 habe ich hier im Blog veröffentlicht: Mermaid Project. Episode 1Hardcover, Farbe, 48 Seiten, Autor: Leo + Corine Jamar, Zeichnungen: Fred Simon

toonfish (Splitter Verlag)

Es war einmal der Mensch 2 CoverEs war einmal … der Mensch Band 2 reist mit uns ins Alte Ägypten. Ich bin schon sooo viele Jahre Fan der Zeichentrickserien Es war einmal …, dass ich schon Band 1 verschlungen habe (Rezension hier im Blog: Es war einmal … der Mensch Band 1: Die Urzeit). Das alte Ägypten reizt mich außerdem sehr, so hat es nun auch Band 2 der Reihe auf meine Comic-Picklist geschafft. Sicher wird auch dieser Comic wieder eine Freude für Kinder und Erwachsene sein. Ich bin zuversichtlich. Hardcover, Farbe, 48 Seiten, Autor: Jean-Charles Gaudin, Zeichnungen: Jean Barbaud, Afroula Hadjiyannakis

Erinnerung an die Ewige Gegenwart von Schuiten & Peeters =Rezension=

Erinnerung an die Ewige Gegenwart Titel
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Taxandria – so lautet der Name der Heimatstadt des Jungen Aimé, was Der Geliebte bedeutet. Ganz allein lebt er in einem mehrstöckigen einzelstehenden Haus, macht sich täglich auf einen langen Weg quer durch die Stadt zu seinem Lehrer Herr Bonze. Aimé ist Bonzes einziger Schüler und damit so etwas wie seine Existenzberechtigung in seiner Profession als Lehrender. Aber diese Konstellation ist nicht die einzige Besonderheit in dieser Stadt, auch Aimés stets haarloser Kopf gehört dazu.

Als der Junge ein echtes Buch mit Papierseiten findet, beginnt er sich intensiv Fragen zu stellen. So etwas hat er noch nie zuvor gesehen. Das kunstvoll gestaltete Buch erzählt die Geschichte der Katastrophe, die Taxandria zu dem machte, was es heute ist. Mit all den zerstörten Gebäuden, den Resten der seitdem auf strengste verbotenen Maschinen und … ihm selbst, Aimé, als einziges Kind unter den noch lebenden wenigen Erwachsenen.

Erinnerung an die Ewige Gegenwart Ausschnitt Seite 8

Erinnerung an die Ewige Gegenwart Ausschnitt Seite 8

Universum der geheimnisvollen Städte

Anfang der 1980er Jahre schufen die Künstler Benoît Peeters und François Schuiten ihr Universum der geheimnisvolle Städte. Die Bände sind voneinander unabhängig lesbar und erscheinen seit 2015 in einer Neuausgabe beim Verlag schreiber & leser. Erinnerungen an die Ewige Gegenwart ist jetzt erstmals in deutscher Sprache erschienen, das Original kam 2009 bei Casterman heraus.

Für mich ist es tatsächlich der erste Schuiten & Peeters und ich frage mich, warum ich bisher nie einen Comic der beiden in der Hand hatte. Denn ich kann mich in den surrealen und zugleich verträumten Bildern, den Elementen aus Märchen und phantastischen Geschichten ganz wunderbar verlieren. In Taxandria scheinen die Gesetze der Statik, die üblichen Gepflogenheiten in der Architektur außer Kraft gesetzt. Hier wölben sich Straßenpflaster wie Meeresoberflächen. Dort bestehen Gebäude aus den unterschiedlichsten und nicht regulär zusammengehörenden Komponenten. Ein Bett besteht nur aus einer Hälfte – scheint in der Mitte geradewegs zerrissen worden zu sein. Gebäude neigen sich, ohne komplett zu stürzen. Einige sind immens in den Himmel gewachsen und haben gar monströse Schmuckelemente.

Erinnerung an die Ewige Gegenwart Ausschnitt Seite 9

Erinnerung an die Ewige Gegenwart Ausschnitt Seite 9

Erzählt aus der Perspektive des kleinen Protagonisten Aimé erfahren wir von der Vorgeschichte dieser Stadt. Aimé, der einmal an der “Wahrheit”, die er auf den Buchseiten glaubt gefunden zu haben, geschnuppert hat, will sich seinem plötzlich sinnlos und langweilig gewordenen Dasein nicht mehr länger hingeben. In großen Panels, die dank Schuitens weichen Zeichnungen zum Verweilen einladen begleiten wir Aimé auf seiner kleinen “Rebellion”. Peeters Szenario glänzt mit einem wunderlich wirkenden und zugleich herzlichen Ende, dass ich mich nach der letzten Seite erneut frage: Warum nur habe ich noch nie einen Comic dieser Künstler gelesen?

Kein Buch?

Nach 65 Seiten endet der Comicteil in diesem Band, nicht aber der Bericht über Taxandria. Auf zwölf weiteren Seiten erfahren wir, dass Wiedersehen mit Taxandria eigentlich gar kein Buch werden sollte, sondern ein Film. Ein Film des belgischen Regisseurs Raoul Servais, der als ein Meister des Animationsfilms gilt. Welchen Weg die Pläne gingen und warum es schlussendlich nicht zu dem Projekt gekommen ist – zumindest nicht in der ursprünglich vorgesehenen Form -, erzählt dieser großzügig illustrierte Part am Ende des Albums.

Erinnerung an die Ewige Gegenwart ist ein Kunstwerk. Wie schön wäre es gewesen dieses in bewegten Bildern zu sehen. Wie schade wäre es aber gleichzeitig, in Konsequenz dann auf dieses Buch, auf diesen Comic hätten verzichten zu müssen. Nur aus diesem Grund bin ich froh, dass es keinen Film gab.

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Erinnerung an die Ewige Gegenwart

Geschrieben und gezeichnet

Benoît Peeters und François Schuiten

Übersetzt

Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
Originaltitel: Souvenirs de L’Eternal Present (2009)

Genre, Reihe und Leseprobe

Comic. Graphic Novel. Surrealismus. Gesellschaft.
Eine Leseprobe und weitere Informationen zur Reihe gibt es beim Verlag schreiber & leser

Noch ein paar Details

2018 erschienen, ISBN 978-3-946337-60-7, 80 farbige Seiten, Softcover.

Comic in einem Buchladen kaufen

Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten.
Meine Meinung ist davon völlig unbeeinflusst.

Erinnerung an die Ewige Gegenwart Cover

Erinnerung an die Ewige Gegenwart von Schuiten & Peeters

The Fall Band 1 von Jared Muralt =Rezension=

The Fall Band 1 - der Comic liegt auf einem dunkelroten Untergrund
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Es passiert mir immer mal wieder. Ich stöbere durch die Neuerscheinungen im Comicbuchladen und stoße dabei auf ein Cover, das mich sofort anspricht. Das mich so sehr neugierig macht, dass ich einen Blick auf den Klappentext werfe, in den Comic schaue, nachsehe, von wem Story, Zeichnungen und Koloration sind und schließlich auch ein paar Panels lese. Im Falle von The Fall Band 1 war es genau so. Der Künstler war mir unbekannt, das Szenario klang nach etwas, das mir gut gefallen könnte (postapokalyptisch), Farben und Zeichnungen packten mich sofort. Meine Entscheidung stand fest: Ich will diesen Comic lesen!

Die Grippe

In einer Realität, in der Rezession herrscht, eine Weltwirtschaftskrise ausgebrochen ist und in den USA das Kriegsrecht verhängt wurde, lebt Liam mit seiner Frau Maria und den Kindern Sophia und Max. Eine weitreichende Sommergrippe, die fast jeden erwischt hatte, scheint endlich abgeebbt zu sein. Maria, die im örtlichen Krankenhaus arbeitet, war das einzige Mitglied der Familie, das sich nicht angesteckt hatte.

Die Freude darüber, die Sommergrippe endlich abgeschüttelt zu haben, ergreift die Menschen der Stadt jedoch zu früh, denn ein hartnäckiger, offensichtlich resistenter Virenstamm setzt sich durch und breitet sich aus. Dieses Mal kommen die Erkrankten nicht mit dem Schrecken davon. Innerhalb kürzester Zeit eskaliert die Situation. Hunderte. Tausende Menschen sterben. Der Tod ist überall. Gebiete werden unter Quarantäne gestellt. Lebensmittel verknappen, Zonen werden nicht mehr versorgt. Der Überlebenswille drängt den Egoismus der Menschen an die Oberfläche. Wenige Tage reichen, um die gesamte Stadt im Chaos versinken zu lassen.

Und Maria kommt von ihrer Schicht im Krankenhaus nicht nach Hause …

Splashpage zeigt viele kleine Menschen in einer Stadtkulisse, überall Autos, alles ist verstopft. Chaos.

The Fall Band 1, Ausschnitt Seite 16-17

Es geht so schnell bergab. So unfassbar schnell.

Jared Muralts Setting ist in grau-, blau- und rosefarbene Töne getaucht. Mit dieser Farbwahl erschafft er so etwas wie eine zeichnerische Staubschicht, die sich auf die Stadt und die Menschen legt. Das Cover gibt darauf einen perfekten Vorgeschmack. The Fall ist angelegt auf insgesamt sechs Kapitel, von denen die ersten drei im Albenformat in diesem Band versammelt sind. Jedes Kapitel erscheint jedoch im Abstand von je einem halben Jahr zunächst in Heftform, wahlweise in deutscher oder englischer Sprache.

Als Leser_innen bewegen wir uns ganz nah an der Familie durch die von einer Pandämie geprägten Stadt. Es wirkt als wären sie in einer Art unsichtbarer Seifenblase unterwegs, die einen klitzekleinen Teil heiler Welt aufrecht zu erhalten scheint. Ein kleines Gefühl, dass alles in Ordnung ist, umgibt sie dabei. In diese Blase dürfen wir als Leser_innen eintreten, ohne dabei selbst bemerkt zu werden. Die Blicke auf die kleine Gruppe ist somit sehr intim und ruft eine gewisse Art von Normalität hervor, die jedoch umringt ist von Chaos, Tod und Zerfall. Es geht so unfassbar schnell zu Ende mit der Stadt, den Menschen, der Gesellschaft, die Muralt uns zeigt. Würde es tatsächlich so schnell gehen, wenn heute ein solches Szenario eintreten würde? Was passiert, wenn alles außer Kontrolle gerät, die “Normalität” abrutscht?

Diesen Gedanken hänge ich noch jetzt beim Schreiben dieser Rezension nach. Und dann fällt mir erneut auf, wie dünn und von kurzer Lebensdauer doch eine Seifenblase eigentlich ist …

The Fall Band 1 begeistert mit einer bedrückenden Story in fast verträumt farbigen Bildern. Ein feiner Strich mit einem Fokus auf die im Mittelpunkt stehenden und authentisch wirkenden Charaktere, das Ganze in Realität ausstrahlenden Stadtkulissen. Kapitel 4 erscheint im November 2018 und ich bleibe dran! Ich werde die Seifenblase nicht freiwillig verlassen.

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The Fall Band 1

Geschrieben und gezeichnet von

Jared Muralt

Genre und Leseprobe

Comic. Postapokalypse.
Eine Leseprobe gibt es beim Verlag Tintenkilby (shop.blackyard.ch)

Noch ein paar Details

2018 erschienen in drei Kapiteln und als Volume bei Tintenkilby, ISBN 978-3-906828-30-5, 64 farbige Seiten, Softcover.

Wer sich den Band kaufen möchte, kann dies in Comicbuchläden tun oder ihn hier online bestellen: blackyard.ch
Dort kann auch ein Abo für die gesamte Reihe geordert werden: Abo für The Fall
Poster gibt es auch noch …

Und … es gibt auch eine App-Version, die im App-Store zur Verfügung steht (APP-OCALYPSE NOW!)

Mehr über den Autor

Wer mehr über Jared Muralt und seine Kunst erfahren möchte, kann auf seine Autoren-Webseite schauen.

Im Podcast

The Fall Band 1 ist meine Empfehlung in Folge 3 unseres Podcasts 3 Frauen. n Comics. Der Comicklatsch

Geeignet auch für Comic-Einsteiger!

Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon völlig unbeeinflusst.

The Fall Band 1 Cover