Ja, warum eigentlich?

Es ist Montagmorgen, gleich geht die Arbeitswoche los. Aber in mir brennt noch immer ein Gedanke, der mich das Wochenende รผber begleitet hat. Woher eigentlich kommt der Anspruch, dass jeglicher Content nichts kosten darf?

Ich muss erlรคutern. รœber die Jahre, in denen ich blogge, Rezensionen schreibe, Social Media-Content erstelle, Podcasts produziere und das alles sowohl mit anderen als auch in Eigenregie, beobachte ich immer wieder, dass das Produzieren von Inhalten scheinbar keinen Wert hat. Zumindest keinen, der es auch wert wรคre, dass dafรผr gezahlt werden wรผrde. Es ist sogar verpรถnt, teils wird es als Bettelei empfunden, wenn irgendjemand auch nur ausspricht, dass man sie/ihn unterstรผtzen kรถnnte. Immer freiwillig natรผrlich.

Dabei meine ich ausdrรผcklich nicht, dass Inhalte IMMER bezahlt werden sollten. Podcasts und Beitrรคge hinter eine Paywall mรผssten – keineswegs! Es geht mir darum, dass es eine Haltung zu geben scheint, die Texte, Bilder, Audios und auch Videos, die in den Abendstunden, an den Wochenenden oder wann auch immer die Kreativen es erstellen, kostenlos sein mรผssen. Und zwar, weil es ja SpaรŸ macht, weil es nicht der Job ist und man es sozusagen ja sowieso macht.

Warum mich das so sehr bewegt?

Frรผher habe ich viele Handarbeiten gemacht, viel gestrickt, gehรคkelt, gebastelt. Viele von euch werden das selbst kennen. Bewunderer der Ergebnisse gibt es viele und dann kommt auch immer mal:

Strick mir doch auch mal einen Pulli.

Klar – wรคren dann Eur 300, Freundschaftspreis, inklusive Material.

Hรค? Du machst das doch so gerne. Nee, lass mal.

Und? Schon mal erlebt? Nur weil ich in meiner Freizeit Pullis gestrickt habe, war das Ergebnis nichts wert. Ich wette, wenn ich das Angebot in einem hippen Wollgeschรคft gemacht hรคtte, wรคre es manchen vielleicht etwas teuer gewesen, aber es hรคtte sicher niemand daran gezweifelt, dass es eben GELD kostet, wenn die Stricker*in Zeit, Material und Kreativitรคt aufwendet.

Warum also ist es verpรถnt, wenn Menschen, die beim Erzeugen von Inhalten SpaรŸ haben, die wiederum von anderen mit Freude konsumiert werden, mit (kleinen) finanziellen Gesten unterstรผtzt werden? Warum wird das von einigen konsequent ausgeschlossen? Warum wird kritisiert, dass manche Werbung in ihren Podcasts schalten oder Werbe-Pop-Ups auf ihren Webseiten haben?

Foto Frau mit Brille vor Bรผcherregal

Ich selbst mag keine Werbung, ich mag sie weder im TV, noch in Podcasts oder auf Blog-Seiten. Aber ich respektiere die Entscheidung, Werbung einzusetzen und verstehe den Hintergrund sehr gut.

Vor allem … was wรคre die Konsequenz, wenn Dinge, bei denen man SpaรŸ hat, nichts kosten dรผrfen? Darf also niemand bei bezahlter Arbeit SpaรŸ haben? Was fรผr ein dystopischer Gedanke, kรถnnte glatt ein Plot-Bunny sein. Aber hey, falls ich dies jetzt als Grundlage fรผr eine Kurzgeschichte hernehme, MUSS ich die natรผrlich kostenlos anbieten. SchlieรŸlich wird mir das Schreiben sicher SpaรŸ machen. Ebenso wie dieser Beitrag und das stundenlange Planen des neuen Podcasts-Projekt am letzten Wochenende.

Fast vergessen – ich habe gerade auch noch einen bezahlten Auftrag, an dem ich in meiner Freizeit arbeite. Ich sollte dringend aufhรถren, dabei SpaรŸ zu haben!

Das hier hรคtte deutlich lรคnger werden kรถnnen, aber so viel (unbezahlte) Zeit habe ich gerade nicht. Fรผhlt euch herzlich willkommen in den Kommentaren, freue mich auf eure Meinungen.

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