Es war Ende des 20. Jahrhunderts, als Sy Montgomery sich auf den Weg in das Amazonasgebiet machte, um die Botas zu suchen. Bota – das ist der Name der rosafarbenen Delfine, die ausschließlich dort zu finden sind und um die sich unzΓ€hlige Legenden ranken. Sie sollen in Menschengestalt auftauchen und Frauen wie MΓ€nner mit sich in das dunkle Wasser nehmen. Einmal dem Ruf gefolgt, wΓΌrden diese nie wieder auftauchen und fortan mit ihren Bota-MΓ€nnern oder -Frauen in den Tiefen leben.

Sicher ist, dass die rosa Delfine sich kaum sehen lassen und daher deren Leben und Verhalten nur sehr schlecht erforscht werden konnten. Montgomery wollte mehr ΓΌber sie erfahren und folgte dem Ruf der rosafarbenen Bota.

Erschreckend und faszinierend

Meine erste Begegnung mit der Naturforscherin Sy Montgomery war ihr Buch Einfach Mensch sein (Link zur Rezension), in dem sie darΓΌber schrieb, was wir von Tieren lernen kΓΆnnen. Mit Der Ruf der rosa Delfine bin ich mit ihr auf Reise in den Amazonas gegangen. Gleich zu Beginn erinnert sie in einem aktualisierten Vorwort an die erschreckenden Vorkommnisse in dem Gebiet.

Mittlerweile brennt der Amazonas nicht bloß. Er stirbt vielleicht.
Knapp achtzig Prozent des Amazonas-Regenwaldes sind noch erhalten. Jedes Jahr wird dem Dschungel durch Bergbau, Landwirtschaft und Viehzucht mehr Land gestohlen. Und das Tempo der Abholzung nimmt zu.
Sy Montgomery – Der Ruf der rosa Delfine (2020 Eden Books), S. 9

Im Vorwort zur Γ€lteren Ausgabe, das sie 2008 verfasste, klang das noch etwas hoffnungsvoller. Alleine diese einleitenden Worte machen deutlich, wie schnell der Raubbau an der Natur fortschreitet. Und die Autorin weist noch mehrfach im Buch auf die entsetzliche Situation hin.

Aber in diesem Erlebnisbericht geht es nicht nur um die Bedrohung unserer lebensnotwendigen Umgebung. Vielmehr steht die Suche nach den rosa Delfinen – den Botas – im Vordergrund. Sy Montgomery hat mir einen Γ€ußerst faszinierenden Einblick in diese mir bislang so unbekannte Welt des Amazonasgebietes beschert. Ich begegnete mir zuvor fremden Tier- und Pflanzenarten in unglaublicher Vielfalt, lernte die Menschen, die im Gebiet leben, kennen und erfuhr einiges ΓΌber deren Mythen, die sich nicht selten um die Botas ranken. Dank der ehrlichen und geradezu intimen Schilderungen, habe ich auch ein GefΓΌhl fΓΌr den harten Alltag der Forscherinnen gewonnen, den ich mir so schwer nicht vorgestellt hΓ€tte.

Die Lektüre von Der Ruf der rosa Delfine brachte mich zur Ruhe, ließ mich versinken in den Tiefen des vor Leben lÀrmenden Amazonasdschungels. Ich habe die mit Zeichnungen gespickte, humorvolle, unverklÀrte und zugleich aufrüttelnde Dokumentation sehr genossen.

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DER RUF DER ROSA DELFINE
Wie die schlauen SΓ€uger uns in die letzten Geheimnisse des bedrohten Amazonas einweihen
Sy Montgomery
ΓΌbersetzt von Gertrud Bauer
Neuausgabe, erschienen im August 2020 im Verlag Eden Books
272 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag und LesebÀndchen, schwarz-weiß illustriert
ISBN 978-3-95910-294-0
24 Euro

Link zum Buch beim Verlag

Das Krakenkissen auf dem Titelbild ist von der KΓΌnstlerin Nicole Pustelny (gezeichnet und genΓ€ht)


Weitere Rezensionen zum Buch findet ihr hier:
Buchperlenblog
Bella’s Wonderland

Der Ruf der rosa Delfine
Cover zeigt den Kopf eines rosa Delfins
Der Ruf der rosa Delfine Β© Sy Montgomery / Eden Books

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