Vor wenigen Stunden habe ich die letzte Seite in einem Buch umgeblättert, das sich nach kurzer Lesezeit direkt an die Spitze meiner gelesenen Bücher in diesem Jahr gesetzt hat. Denn Die Legende von Una Everlasting ist ohne Zweifel der bisher beste Roman, der mich dieses Jahr mit seiner Geschichte begleitet hat.

Warum ich das schon nach den ersten Kapiteln wusste? Weil es vieles anders macht als andere Fantasy-Romane. Weil es auf neue Weise erzählt ist, Und weil es mich so sehr bewegt hat, dass ich auch an die Protagonist*innen denken musste, als ich das Buch gar nicht in Reichweite hatte. Und ja – in dem Roman von Alix E. Harrow gibt es gleich zwei erzählende Personen, zwei Hauptfiguren, daher spreche ich ausnahmsweise von zwei Protas.

Die Legende

Nachdem ihre Väter bei einem Überfall brutal ermordet wurden, geht ein Mädchen zielgerichtet auf das in einer alten Eibe steckende, legendäre Schwert zu und zieht es heraus. Sie wird zur Heldin, zur Roten Ritterin des Dominion im Dienste der Königin. Fast ein Jahrtausend später ist Una Everlastings Bildnis noch immer überall präsent. Schon in Kinderbüchern wird über ihre fast übernatürlichen Kräfte berichtet. Ihr wallendes weißblondes Haar, ihre strahlenden Augen und ihre glänzende Rüstung sind jedem im Reich bekannt und Una wird verehrt.

Owen Mallory verbindet seit seiner Kindheit eine Sehnsucht und Faszination für die legendäre Ritterin und seine Forschungen beschäftigen sich mit ihrem Leben und Werden. Bis eines Tages ein Traum in Erfüllung zu gehen scheint, denn ihm wird ein altes in Holz gebundenes Buch vorgelegt, dass seit jeher als verschollen galt Der Tod der Una Everlasting. Der Wissenschaftler beginnt mit der Übersetzung in die moderne Sprache, es wird eine Sensation werden, wenn diese veröffentlicht wird. Doch das Buch birgt ein Geheimnis, das ihn näher an Die Legende führen wird, als er sich jemals hätte vorstellen können …

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Titel: DIE LEGENDE VON UNA EVERLASTING
Autorin: Alix E. Harrow
Übersetzung aus dem Englischen: Peter Beyer
Erschienen: 19. August 2026
Verlag: Goldmann (zur Leseprobe auf der Verlagswebseite)
Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag, silberner Farbschnitt, 512 Seiten, 24 Euro, ISBN: 978-3-442-30275-8

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«Um eine Zukunft zu haben, für die es sich zu kämpfen lohnt», fuhr sie fort, «muss es eine Vergangenheit geben, an die es sich zu erinnern lohnt.»

DIE LEGENDE VON UNA EVERLASTING, S. 259 von Alix E. Harrow © 2026 Goldmann

Legenden, Märchen, Kriege, Königreiche und … Liebe

Wenn dieser Roman einem Genre zugeordnet werden soll, dann würde ich ihn am ehesten der historischen Fantasy zuordnen. Aber wer den Klappentext liest, wird bemerken, dass hier auf verschiedenen Zeitebenen erzählt wird und diese von den Figuren sogar selbst beschritten werden. Ich bin durch Empfehlungen anderer Fantasy-Leserinnen auf diesen Roman aufmerksam geworden, denn aufgrund der Omnipräsenz von Romantasy auf dem deutschsprachigen Markt, wäre ich bei der Schlagzeile „Eine Legende. Eine Lüge. Eine unsterbliche Liebe.“ skeptisch geworden. Aber was wäre mir für ein wunderbares Buch entgangen, wenn ich mich von der bloßen Erwähnung des Wortes „Liebe“ hätte abschrecken lassen.

Denn Die Legende von Una Everlasting ist ein überaus intensives, besonderes und vor allem fantastisch gutes Buch, da wäre mir ein wahres Schmuckstück entgangen. Ich hätte Una und Owen nicht kennengelernt, nicht mit ihnen geweint, vor Trauer und Rührung. Sie nicht begleitet auf ihrem Weg, ich hätte nicht erfahren, wie Owen die Kriegerin in all ihrer schroffen Schönheit sieht. Ihre Narben, ihre Stärke und wie er die Verbundenheit zu der Frau tief im Inneren spürt, als wäre es eine vergessene Erinnerung …

Und auch Unas Sicht auf den schlacksigen Mann mit der Kriegsnarbe am Hals, die ihm eine seltsame Dohlenstimme verleiht und der dennoch niemals zu reden aufzuhören scheint. Der sich für ihre Erlebnisse, Schlachten und Taten interessiert und diese sogar aufschreibt. Während sie eigentlich allein sein wollte, immer allein war und jetzt doch (irgendwie) Gefallen daran gefunden zu haben scheint, dass er sie auf der Suche nach dem Gral begleitet. All das hätte ich verpasst.

Und was wäre mir da für ein Meisterwerk der phantastischen Literatur entgangen.

Ich kann das Lesen des Romans am besten über Emotionen an einem bildhaften Beispiel erläutern, das sicher jeder kennt. Es fühlte sich in etwa so an, als würde man eine schroffe verschmutzte Kruste langsam von einer alten Wunde entfernen und die darunter liegende rosafarbene und noch sensible neue Hautschicht freilegen. Manchmal reißen solche Wunden wieder auf, dann bildet sich neuer Schorf, der dann wiederum, irgendwann, vielleicht sogar von selbst, abfällt.

Die Legende von Una Everlasting war für mich ein äußerst intensives Leseerlebnis, das mich sicher noch lange gedanklich begleiten wird. Was hat dieses Buch nur mit mir gemacht, was viele andere Romane nicht geschafft haben? Was auch immer es war, ich möchte mehr davon!

Meine Stimme brach und senkte sich zu einem rauen Flüstern. «Ja. Ich verstehe.» Ich dachte, dass es wohl niemanden auf der Welt gab, der das besser verstand. «Die Liebe macht uns alle zu Feiglingen.»

DIE LEGENDE VON UNA EVERLASTING, S. 408 von Alix E. Harrow © 2026 Goldmann

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