Aus dem Leben einer Berufspendlerin

Ich pendle. Nicht täglich, aber stetig. Im Normalfall pendle ich vier Mal die Woche zwischen Hannover und Bremen. Werde ich danach gefragt, wo ich arbeite und erzähle ich dann von meinem gute 100 Kilometer entfernten Arbeitsplatz, höre ich oft: „Achje, du arbeitest in Bremen? Boah, und da fährst du jeden Tag? Obwohl … ist ja auch nur ’ne Stunde Fahrt, oder?“. Theoretisch stimmt das, praktisch kann das aber nicht richtig sein, wenn man bedenkt, dass ich natürlich weder direkt am Bahngleis wohne, noch im Hauptbahnhof Bremen arbeite. Praktisch steige ich morgens in den Bus, steige dann um in die Stadtbahn (die hier in Hannover offiziell so heißt, da sie unter- und oberirdisch fährt, also zugleich U-Bahn als auch Straßenbahn ist), am Hauptbahnhof kaufe ich dann oft noch einen Kaffee und eventuell auch andere Dinge, die ich noch brauche, gehe zum Bahnsteig, steige in den Zug und habe dann noch Zeit bis dieser abfährt. Nach einer Stunde kommt dieser dann in Bremen an, wo ich wiederum in die Straßenbahn steige, um zu meinem Arbeitsplatz in Uni-Nähe zu kommen. Insgesamt sind dann, wenn es gut läuft, etwas über zwei Stunden vergangen. Wenn ich diese Zahl nenne und dazu noch sage, dass mir das Pendeln durchaus auch gefällt, bekommt meine Gesprächspartner*in meist den Mund vor Schreck nicht mehr zu. „Über zwei Stunden?“ :-O

Anzeige am Bahnsteig

Zeit für mich

Wer nur diese über vier Stunden am Tag sieht, die ich pendelnd zurücklege, stellt sich oft vor, dies wäre völlig verlorene Zeit. Selbstverständlich bin ich oft kaputt und erledigt, wenn ich endlich abends wieder zu Hause ankomme. Ich habe meine Stunden etwas reduziert, sodass ich nach dem Nachhausekommen noch Zeit habe, bevor ich schlafen gehe. Aber ich habe mich auf all das nur eingelassen, weil ich mindestens eine Stunde der Strecke als „Zeit für mich“ ansehe und diese auch meistens so nutze. Da ich die Langstrecke in einem ICE oder IC zurücklege, kann ich relativ ungestört zum Beispiel an Geschichtenprojekten schreiben, mir Notizen machen, bloggen, Bücher und Comics lesen, Musik hören, Hörbücher hören, YT-Videos schauen, Podcasts lauschen, im Internet surfen, twittern, chatten, den Tag Revue passieren lassen … der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Es hat einige Monate gedauert, bis ich entsprechend ausgerüstet war, um mich in dieser einen Stunde entspannen zu können. Aber das ist geschafft.

Überlebensnotwendig: die passende Ausrüstung

Es gibt einige Dinge, die nicht fehlen dürfen, wie ich mit der Zeit herausgefunden habe. Dazu gehören bei mir:

  • immer Lesestoff dabei haben (analog und/oder digital)
  • gute Kopfhörer (meine sind die Airy von Teufel – keine noise-cancelling headphones, da ich dann Durchsagen und das Drumherum nicht mehr mitbekomme)
  • Kaffeebecher, der nicht ausläuft
  • Müslibecher, der dicht hält und einen Löffel (ich schwöre auf Kinderkunststofflöffel – mit Monster drauf übrigens)
  • faltbare Tasche für Einkäufe
  • Tablet mit separater Tastatur (nehme ich nur mit, wenn ich unterwegs digital schreiben möchte)
  • kleine Faulenzertäschchen für Ladekabel, Akkupack, Creme, Stift etc. – am besten mehrere Täschchen für die verschiedenen Kategorien, ich habe zwei
  • einen guten Rucksack, der nicht zu schwer ist, trotzdem alles unterbringt und auch nicht zu groß, damit er unterwegs nicht zu sperrig ist
  • Notizbuch / Kalender

Tablet auf Tisch im ICE

Und die Vorteile?

Es gibt Tage an denen bin ich sauer, erschöpft, genervt von der Fahrerei. Meist sind dies solche, an denen die Bahn mal wieder verspätet ist, gar nicht fährt oder die Öffis vollgepfropft sind mit lauten Menschen. Ich könnte übrigens auch jedes Kind, das morgens mit seinem sperrigen Scooter in eine total überfüllte Stadtbahn steigt direkt mit einem Tritt wieder rausbefördern. Nur in Gedanken natürlich …

Aber es wird genug immer über die Nachteile des Pendelns gesprochen und geschrieben. Gemeckert und sich aufgeregt. Es gibt auch einige Vorteile. Denn in dieser einer Stunde im IC/ICE bin ich nicht abgelenkt vom Haushalt oder anderen Dingen, die vielleicht noch zu erledigen sind. Ich KANN im Zug nichts anderes tun als mich um meine Dinge zu kümmern. Und so habe ich diese Zeit zum Ankommen und abends zum Herunterfahren regelrecht vermisst, als ich vor Kurzem in meiner neuen Heimatstadt einen Bildungsurlaub wahrgenommen habe und nach weniger als einer halben Stunde Autofahrt schon zu Hause war. Damit bin ich gar nicht mehr zurechtgekommen, mir hat die Zeit zum Abschalten gefehlt.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln des Nahverkehrs lese ich im Übrigen nicht, da mir die Atmosphäre dort nicht gefällt. Ich schaue lieber die Gegend an, denke vor mich hin, beobachte Menschen oder starre vor mich hin. Auch im Zug lese ich immer weniger und nutze eher das Internet, schaue YouTubes, höre Podcasts oder mache mir Notizen. Demnächst möchte ich es mal wieder mit Hörbüchern probieren, das klappt unterwegs sicher auch sehr gut. Vielleicht dann auch in den Öffis :-)

Seid ihr auch Pendler und wie sind eure Erfahrungen? Habe ihr weitere Überlebenstipps? Ich freue mich über eure Kommentare. Wer Lust hat, schaut auf Instagram und twitter immer mal nach #pendelnmitbuch Unter dem Hashtag gibt es immer mal Inhalte von meinen Pendeltouren.

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