Seit meiner Kindheit lese ich, habe nie damit aufgehรถrt. Romane, Sachbรผcher, Comics. Mit groรer Begeisterung tauche ich ab in Bรผcher, erlebe Abenteuer, lerne Neues รผber das Leben und die Welt. Erfreue mich an der Fantasie der Schreibenden, an ihrer Kunst mich auf eine Reise mitzunehmen. Jeder hat dabei seinen ganz eigenen Stil, ich sauge die Sprache in mich auf, freue mich, wenn die „Erzรคhlstimme“ etwas in mir anklingen lรคsst. Mich berรผhrt. Tief. Mich zum Lachen, Weinen, Nachdenken bringt.
Aber eines hat noch keiner dieser unzรคhligen Texte geschafft. Noch nie habe ich vor meinem inneren Auge Bilder gesehen. Filme schon gar nicht. Niemals hatten die Figuren in Bรผchern ein bestimmtes Aussehen, das ich „sehen“ konnte.
Ich sehe keine Bilder
Ihr seid รผberrascht? Schlieรlich wusstet ihr auch vor den Harry Potter-Verfilmungen genau wie Harry, Hermine und Ron aussahen? Womรถglich habt ihr sogar die Strecke des Hogwarts-Express vor euch gesehen und das Haus der Weasleys. Nur eins von vielen Beispielen. Aber vielleicht geht es euch ganz รคhnlich wie mir und ihr habt stets gedacht, alle wรผrden sich die Figuren nur abstrakt vorstellen. Und ihr seht keine Bilder.
Ich bin wahrlich nicht die Erste, die davon berichtet, da ich aber immer wieder Menschen begegne, die davon noch nie etwas gehรถrt haben, schreibe ich heute ein paar Zeilen darรผber.
Wie ist das so ganz ohne Bilder beim Lesen?
Zuallererst, ich habe viele Jahre lang gedacht, dass es den meisten Menschen so geht, dass sie Schwรคrze sehen, wenn sie die Augen schlieรen. Wenn mir beispielsweise jemand sagt, ich solle mir eine Blumenwiese vorstellen, dann sehe ich – schwarz – und stelle mir aber abstrakt vor, wie eine Blumenwiese aussehen wรผrde. Ich sehe sie allerdings niemals, es ist eher ein „Verstehen“. Dass sich das bei anderen anders verhรคlt und diese tatsรคchlich eine Blumenwiese sehen kรถnnen, hat mich umgehauen. Damit habe ich wirklich niemals gerechnet! :-o
Zwar wusste ich, dass es Lesende gibt, die beim Lesen den Text nicht mehr als solchen wahrnehmen und direkt einen Film ablaufen sehen (ich kenne so jemanden), jedoch habe ich das stets fรผr ein besonderes Extrem gehalten. Und ich gebe zu – ich war immer ein wenig neidisch auf diese Fรคhigkeiit.
Wie ist das jetzt also, wenn ich lese?
Im Grunde genommen, ganz simpel: Ich sehe den Text. Die Schrift, die Buchstaben. Wort fรผr Wort. Immer. Wenn der vor mir liegende Text Fehler enthรคlt, fรคllt es mir schwer, diese zu รผbersehen. Neben schlechtem Stil einer der Faktoren, die mich aus dem Lesefluss reiรen kรถnnen.
Figuren entstehen nicht bildhaft in meinem Kopf, sondern formen sich anhand ihres Verhaltens, ihres Charakters, ihrer Emotionalitรคt. Es fรคllt mir ziemlich schwer, das zu beschreiben. Es ist eher ein Gefรผhl denn ein Bild. Die Figuren in einem Roman kรถnnen fรผr mich trotzdem lebendig, authentisch und mir nahe sein. Aber sie haben eben nie ein Gesicht, keine Augenfarbe – oft weiร ich noch nicht einmal, ob sie dick, dรผnn, groร oder klein sind. Wenn eine Autor*in ihre Figur beispielsweise so schreibt, dass ich sie als groร und weiblich empfinde, sie in Worten aber als klein und mรคnnlich beschreibt, ist dies fรผr mich eine spรผrbare Diskrepanz. Entweder breche ich den Roman dann ab oder wenn er mich trotzdem packt, bleibt die Figur fรผr mich einfach groร und weiblich. Was soll’s :-D Und es ist auch nicht immer so, die Ausnahmen bestรคtigen bekanntermaรen die Regel.
Ein Beispiel
Kรผrzlich haben Stefanie (von Bella’s Wonderland) und ich parallel den gleichen Roman gelesen: Der Untergang der Kรถnige von Jenn Lyons. Dieser erste Band der Drachengesรคnge-Reihe erschafft eine komplexe Fantasywelt mit vielen Figuren, darunter auch Nichtmenschliche, Drachen, Dรคmonen – es ist eine ganze Menge los. Nachdem ich fast mit den gut 860 Seiten durch war, es lagen noch 200 vor mir, fragte ich Stefanie, ob sie ein Bild von zwei der Hauptfiguren hรคtte und wรผsste, wie diese aussehen. Ich war sehr gespannt, denn fรผr mich waren und sind diese zwei nur durch ihre Handlungen charakterisiert. Ich hatte aber รผberhaupt keine Ahnung, wie sie aussehen kรถnnten. Es war mir รผbrigens auch nicht wichtig, die Story funktionierte auch so fรผr mich perfekt.
Ihr werdet vermutlich nicht รผberrascht sein, dass Stefanie mir sehr gut beschreiben konnte, wie die zwei genannten Figuren aussahen. Damit ich diese Bilder verstehen konnte, schickte sie mir Fotos von Schauspielern, die den Personen รคhnelten. Absolut faszinierend fรผr mich, die Figuren mit Stefanies Augen zu sehen.
Endlich habe ich die Gefรคhrten GESEHEN
Fรผr manche mag das komisch klingen, aber als ich damals die Herr der Ringe-Verfilmungen von Peter Jackson gesehen habe, war das fรผr mich eine Offenbarung! Endlich habe ich die Gefรคhrten SEHEN kรถnnen! Und sie entsprachen meiner abstrakten Vorstellung der Vorlage so wunderbar. Dabei war es gar nicht so wichtig, wie diese aussahen, sondern dass sie sich fรผr mich richtig „anfรผhlten“. Es fรคllt mir wirklich schwer, das zu beschreiben.
Bei (fรผr mich) guten Texten kommt es vor, dass Szenen in meinem Kopf entstehen, die ich zwar nicht sehe, aber auf eine andere Weise erfasse. Ich weiร dann einfach, was dort geschieht, wie die Ablรคufe sind usw. Zuletzt hat das der erste Band der Hexer-Reihe von Andrzej Sapkowski bei mir erreicht (Das Erbe der Elfen). Hรคtte ich nicht schon Bilder des Hexers Geralt in Games, Comics und auf dem TV-Bildschirm gesehen, wรผsste ich รผbrigens noch immer nicht, wie er eigentlich aussieht. Und wieder wรคre es fรผr mich auch nicht relevant, wenn die Bilder aber einmal von auรen zu mir kommen, gefรคllt mir das als zusรคtzliches Goodie zum Gelesenen.
Mittlerweile bin ich รผbrigens davon รผberzeugt, dass ich Bรผcher mit Illustrationen und Comics auch deshalb sehr gerne lese, weil mir gleich ein Bild der Figuren und Kulissen mitgeliefert wird. Vielleicht geht es euch รคhnlich? Kommen wir zu euch:
Wie ist eure Lesewahrnehmung?
Wie nehmt ihr Texte wahr? Seht ihr Bilder, Filme, Szenen vor euch? Hรถrt ihr die Texte als wรผrde sie jemand vorlesen? Haben die einzelnen Figuren unterschiedliche Stimmen? Seht ihr nur die Schrift auf dem Papier und habt aber abstrakte Vorstellungen von den Geschehnissen?
Ich bin sehr gespannt auf eure Berichte! Schreibt mir, kommentiert hier, antwortet auf den Social Media-Kanรคlen.
Eines noch zum Abschluss: Ich genieรe das Lesen und Lektรผre sehr und sehe keinerlei Abstriche darin, dass ich eben keine Bilder sehe. Es ist einfach meine Art der Wahrnehmung und keinesfalls ist diese schlechter oder besser als andere. Sie IST einfach nur. Bekannt ist dieses „Phรคnomen“ auch unter dem Namen Aphantasie / Afantasie und liest man Berichte darรผber, wird stellenweise von einem „Leiden“ gesprochen. Das halte ich fรผr Unsinn, ich leide nicht darunter und sehe auch nicht, warum das irgendjemand sollte.

wir hatten es ja schon auf instagram darรผber, aber wie krass ey, ich dachte wirklich immer es gehe einfach allen menschen so :D
die „anderen“ haben einfach eine unfassbar lebhafte fantasie.
„Wenn eine Autor*in ihre Figur beispielsweise so schreibt, dass ich sie als groร und weiblich empfinde, sie in Worten aber als klein und mรคnnlich beschreibt, ist dies fรผr mich eine spรผrbare Diskrepanz. “ ja, genau das :D auch in diskussionen รผber bรผcher nach dem lesen, wenn dann jemand sagt „er sieht so und so aus“, und ich denke mir nee, sieht er nicht. „doch so wurde er doch beschrieben“ ja, mag sein, aber er WIRKT nicht so auf mich :D also ohne dass das jetzt so n ding ist von wegen weiblich/mรคnnlich auszusehen, anhand von merkmalen. es ist eher eine homogene masse, eine abstrakte gebildet aus empfindungen, die ich beim lesen habe. ich hoffe du versteht was ich meine.
wir kรถnnen gern bei insta weiter quatschen, wenn du zeit & lust hast :D
lg <3
Hallo,
ich habe selbes bei mir festgestellt. Vor einiger Zeit war ich wieder mal verรคrgert, dass meine Frau das nรคchste Buch fertig hatte und ich gerade mal bei der Hรคlfte war. Ich musste feststellen, dass ich Sรคtze, Absรคtze und Seiten Teilweise doppelt lese, weil ich mit Gedanken abgeschweift bin. Nachdem ich ein bisschen gesucht habe, wie man schneller lesen kann bin ich auch auf das Thema mit der Inneren Stimme gestoรen.
Ich lese mit meiner inneren Stimme mit. Meine Frau sagt, sie hรถrt keine Stimme und bei ihr lรคuft ein Film im Kopf ab.
Seither beneide ich sie dafรผr, ich versuche seit eigen Wochen, diese Stimme abzustellen und auch diesen Zustand zu erreichen. vor 2 Wochen dachte ich, ich hรคtte es in einem Absatz geschafft, bin mir aber nicht sicher, ob es nicht daran lag, dass ich zu dem Franchise schon einen Film gesehen habe und mein Kopf daher vorgeprรคgt war.
Das was du zu den Charakteren sagst, kenne ich auch. Es war mir nie wichtig wie genau die aussehen ich hatte eher eine Ahnung, ein Gefรผhl.
Ich wรผrde auch gerne einen Film sehen (& schneller Lesen), mal sehen ob es irgendwann gelingt.
Hallo Dennis,
jede*r liest anders und eine Vorlesestimme zu haben, ist doch auch eine tolle Sache :-D Ich mรถchte dich nicht enttรคuschen, aber die Lesewahrnehmung lรคsst sich meiner Erfahrung nach nicht „trainieren“. Daher wรผrde ich mich einfach darรผber freuen, was du hast und nicht dem Hinterherjagen, was du gerne hรคttest. Es kann sein, dass du es nicht erreichen kannst. Echte Bilder vor dem inneren Auge zu erzeugen ist nichts, das man lernen kann. Zumindest ist das der Status, den ich รผberall gefunden habe, der mir berichtet wurde und den ich aus eigener Erfahrung kenne.
Schneller lesen geht ja z. B. mit dem sogenannten Speedreading, falls du das unbedingt mรถchtest. Fรผr mich ist das nichts, ich bin lieber langsam und genieรe in meinem Tempo. Wenn ich schnell lese, ist es fรผr mich keine Entspannung mehr. Aber auch das ist absolut verschieden und ganz individuell.
Ich wรผnsche dir weiterhin viel Freude beim Lesen und Genieรen, ganz so, wie es dir Spaร macht!
Viele Grรผรe
Sandra
Ich bin heute das erste Mal auf den Begriff Afantasie gestoรen…. Bรคng,… So geht es mir. Ich habe das Nichtssehen immer als Sehen in Worten bezeichnet.. Ich kann Szenen beschreiben, aber ich sehe rein gar nichts.
Schรถn, dass du hergefunden hast :-) „Sehen in Worten“ ist auch eine sehr schรถne Beschreibung. Tatsรคchlich ist mir das letztens passiert. Ich habe im Kopf ein Wort vor mir gesehen – also nicht als Bild, sondern hatte die Vorstellung von einem gedruckten Wort. Schwer zu erklรคren :-D
Hallo, Vielen Dank fรผr deinen Einblick in das Gelese ;-)
Ich habe mir bereits Gedanken gemacht, weil ich das noch ein kleines bisschen anders wahrnehme, da ich zwar ganze Welten und Kreaturen in meinem Kopf erschaffe, aber nicht als Film sehe sondern selbst teil der Geschichte bin. Es sind zwar viele Bรผcher aus einer Beobachter-Position geschrieben, trotzdem nehme ich selbst oft die Stelle des Hauptprotagonisten ein und erlebe die Geschichte aktiv. Ich vergesse dann die Welt um mich herum vรถllig und nehme auch die einzelnen Seiten nicht mehr richtig wahr, bis ich 2-3 Sunden spรคter auf die Uhr schaue oder mรผde werde.
Allerdings nehme ich leider Rechtschreibfehler oder kompliziert formulierte Sรคtze direkt wahr, was mich jedes mal wie ein Schlag ins Gesicht aus meinem Abenteuer reisst.
Vielen Dank und ein schรถnes Wochenende wรผnsche ich :-)
MFG Simon
Hallo Simon
Danke, dass du deine Leseeindrรผcke hier teilst. Und es klingt fantastisch, was du beim Lesen erlebst! Wir sind alle so einzigartig in unseren Lesewahrnehmungen und ich werde immer wieder aufs Neue รผberrascht. Viel Freude auch weiterhin bei deinem Lesehobby und liebe Grรผรe
Sandra
Hallo, ich bin gerade รผber diesen Beitrag gestolpert. Ich beschรคftige mich gerade sehr mit dem Thema. Denn wenn ich lese ist es fรผr mich wie Film schauen. Alles ist lebendig und die Geschichte lรคuft vor meinen geistigen Auge ab. Ich bin die einzige in der Familie der es so ergeht. Ich finde es mega genial, und bin traurig das andere das nicht sehen. LG Manuela
Hallo Manuela,
bitte entschuldige die spรคte Antwort, ich habe eine Blogpause einlegen mรผssen.
Einen richtigen Film sehen nicht so viele, wie ich so aus Erzรคhlungen mitbekommen habe. Aber auch ohne Film, kann es fรผr die Lesenden ein supertolles Erlebnis sein – nur eben anders.
Liebe Grรผรe
Sandra
Hi Sandra,
tatsรคchlich habe ich mir gar nicht so viele Gedanken รผber meine Lesewahrnehmung gemacht und muss darรผber erstmal nachdenken. Tatsรคchlich hรถre ich beim Lesen meine eigene Lesestimme, manchmal auch die der Figuren – zumindest so, wie ich sie mir vorstelle. Letzteres passiert nicht oft. Wenn ich sehr konzentriert lese und absolut im Buch bin, weiร ich gar nicht, ob ich meine Lesestimme hรถre. Wahrscheinlich eher nicht. Stattdessen sehe ich dann die Figuren vor meinem inneren Auge. Nicht so deutlich wie einen Film und auch nicht durchgehend, aber einige Sequenzen schon.
Es ist wirklich schwer zu erklรคren, was beim Lesen in einem vorkommt. Und mindestens genauso schwer, das fรผr sich selbst erstmal zu definieren.
Danke fรผr diesen sehr spannenden Beitrag!
Liebe Grรผรe und ein schรถnes post-#litnetzwerk
Nina
Liebe Nina,
herzlichen Dank fรผr deine Eindrรผcke und vielleicht magst du ja auch noch einmal vorbeikommen, wenn du deine Lesewahrnehmung weiter beobachtet hast. Ich beobachte auch immer noch weiter, horche, versuche Bilder zu sehen. Bisher ist es aber bei den Worten geblieben und manchmal, wie beschrieben, hรถre ich Musik, die aber gar nicht da ist :-)
Viel Spaร beim Lesen und liebe Grรผรe
Sandra
Moment, es gibt Mensch, die Figuren so richtig vor sich kรถnnen? Mit dem kompletten Aussehen?
Krass, das war und ist bei mir noch nie der Fall.
Ich vergesse schnell wie sie geschrieben werden und habe in meinem Kopf meine ganz eigene Vorstellung von ihnen, statt die Figuren zu sehen, habe ich das Gefรผhl, sie zu „fรผhlen“, also ich sehe sie schon vor mir, aber halt nicht richtig, sondern mit ihren Gefรผhlen, Emotionen, Handlungen… Bei Buchverfilmungen ist mir auch gerade wichtig, dass sie das Gefรผhl erzeugt, das ich beim Lesen hatte, wenn das รผbereinstimmt, kann ich รผber Plotรคnderungen eher hinwegsehen, statt wenn die Tonalitรคt nicht stimmt. Ansonsten weiร ich gar nicht ob ich sonst Bilder sehe, ich habe mir darรผber nie Gedanken gemacht, vielleicht ein Indiz, dass ich keine sehe? Also ich habe meine Erzรคhlerstimmen (wo ich vor kurzem รผberrascht war, das es Menschen ohne gibt). Und ein gutes Buch saugt mich auch in ihre Seiten, nur irgendwie alles ein wenig abstrakter. Vielleicht habe ich mich daher vor kurzem so in den Sci-fi Grafic Novel On a Sunbeam, weil ich neben der Erzรคhlstimme, den Gefรผhl der Figuren auch noch so fantastische Zeichnungen hatte.
Ein wirklich spannender Beitrag!
Liebe Grรผรe
Nadine
Hi Nadine
*lach* Den Aha-Moment hatte ich auch und ich musste laut lachen, als ich deinen Kommentar gelesen habe :-D Ja, es gibt sie wirklich und diese Menschen sind sogar in der Mehrheit.
Mir geht es ganz genau wie dir, der Text kรถnnte von mir stammen. Auch dieses Gefรผhl, nicht weiter lesen zu kรถnnen, wenn die „Tonalitรคt“ nicht stimmt – auja, das kann ich sooo gut nachvollziehen! Ich freue mich riesig รผber deine Gedanken und Eindrรผcke zum Thema. Immer wieder verrรผckt, was es alles gibt, ohne dass wir wissen, das es so ist, nicht wahr?
Auf jeden Fall muss ich mir jetzt On a Sunbeam anschauen und bin gespannt, ob ich ebenso drauf reagiere wie du.
Liest du eigentlich auch so gerne illustrierte Bรผcher? Ich liebe es ja, solche Bilder neben dem Text zu haben, dann ist es nicht nur abstraktes Lesevergnรผgen, sondern auch ein bildliches :-)
Ganz liebe Grรผรe
Sandra
Hallo Sandra,
bei mir ist es รคhnlich. Eigentlich ist es wie bei dir mit einer kleinen รnderung. Wenn man mir erzรคhlt wie zB eine Person aussieht. Welche Haar- und Augenfarbe diese hat, stelle ich sie mir bildlich vor. Vergesse es aber sehr schnell wieder und beginne mir mein eigenes AUssehen zu erstellen.
Das Beispiel mit der Blumenwiese finde ich gut beschrieben, so ist es auch bei mir. Ich schlieรe meien Augen und sehe schwarz und stelle mir vor wie die Blumenwiese aussehen kรถnnte. Ich kรถnnte noch nichtmal beschreiben welche Farbe die Blumen haben bevor ich diese Farbe benenne, oder aktiv daran denke.
Beim Lesen ist es genau sรถ (habs vorsichtshalber mal getestet) Wie du sehe ich auch nur die Wรถrter und Buchstaben vor mir.
Liebe Grรผรe
Jasmin
Hi Jasmin,
das ist wirklich sehr รคhnlich zu meiner Wahrnehmung. Du hast es gut beschrieben, wenn ich aktiv dran denke, kann ich mir Personen, Dinge etc. auch vorstellen, aber eben halt nicht sehen. Und das Bild verschwindet auch schnell wieder.
Danke dir sehr fรผr die Schilderung deiner Eindrรผcke :-*
Liebe Grรผรe
Sandra
Liebe Sandra,
ein spannendes Thema รผber das ich mir noch nie Gedanken gemacht habe. Fรผr mich ist das Lesen schon immer besser gewesen als jedes Fernsehprogramm oder jeder Kinofilm. Ich bin seit Kindertagen in meine bunte Welt der Bรผcher abgetaucht und konnte mich darin immer sehr gut verlieren. Ich finde es gerade spannend zu lesen, dass es auch anders sein kann. Doch im Prinzip verwundert es mich nicht, denn die Wahrnehmung in allen Lebenslangen ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.
Im Gegensatz zu dir war ich bei den ersten Harry Potter Filmen sehr enttรคuscht. Ich hatte ein ganz anders Bild von den Personen und den Orten und musste diese dann erst mal miteinander in Verbindung bringen. Das fand ich beim Lesen der letzten Bรคnde dann auch eher stรถrend, weil ich auf einmal Schauspieler im Kopf hatte und nicht meine lieb gewonnenen Personen. Aus dem Grunde mag ich auf den Covern von Bรผchern auch keine realen Personen, die kรถnnen in der Regel einfach nicht die Charaktere aus dem Buch vernรผnftig wiedergeben und so bleibt da immer eine kleine Diskrepanz zwischen den vorgegebenen Bildern und meinen erzeugten durch die Geschichte.
Ich danke dir, fรผr diesen neuen Blickwinkel. Ist dieses Bilder projizieren auch ein Grund, warum einigen das Kopfkino bei Unterhaltungen mehr zu setzt als anderen? Oder ist hier eher kein Zusammenhang zu sehen?
Ich freue mich gerade sehr รผber dieses Kommentierwochenende. Wie man doch mal ganz neue Dinge sieht und liest รผber die man sonst nicht stolpert.
LG Kerstin
Liebe Kerstin,
ich danke dir sehr fรผr die Schilderung deiner Leseeindrรผcke. Du gehรถrst zu denen, die richtige „Filme“ sehen, das finde ich schon ziemlich cool :-) In letzter Zeit, habe ich immer mal wieder die Augen geschlossen und geschaut, ob da mehr ist als schwarz – aber – nichts. Es bleibt einfach schwarz. Vorstellen kann ich mir trotzdem sehr viel, ich habe es ja im Beitrag erklรคrt, es ist eben etwas anders, abstrakter irgendwie.
Ob es einen Zusammenhang zum „Kopfkino“ gibt, kann ich nicht sagen. Wenn jemand aber direkt Bilder sieht und jemand anderes eine abstrakte Vorstellung hat, kรถnnte das schon unterschiedlich sein. Eine gute Frage. Ich habe eine blรผhende Fantasie und habe auch oft von „Kopfkino“ gesprochen, jedoch meinte ich damit nie Bilder. Vielleicht gibt es also keinen Zusammenhang mit der Intensitรคt der Wirkung von beispielsweise Gesprรคchen.
Schรถn, dass du vorbei geschaut hast und hab‘ noch viel Spaร beim Entdecken auf den vielen schรถnen Blogs.
Liebe Grรผรe
Sandra
Hej Sandra,
spannendes Thema. Ich sehe tatsรคchlich Figuren oder Orte vor mir.
Am krassesten fiel mir das auf als ich mir dann doch mal den Twilight-Film angesehen habe. Ich hatte ein ziemlich festes Bild vor Augen wie Carlisle aussieht. Und die Figur im Film entsprach diesem Bild รผberhaupt nicht.
Liebe Grรผรe
Melanie
Danke fรผr deine Eindrรผcke und dein Feedback, Melanie. Freut mich sehr, dass dir das Thema gefรคllt :-)
LG
Sandra
Hallo Sandra,
wow, das ist mal ein kniffeliges Thema.
Ich wรผrde schon sagen, dass ich Bilder vor dem inneren Auge habe. Aber was ist das innere Auge? Ist es wirklich so, dass ich die Figuren, Gebรคude und Landschaften sehe, wenn ich die Augen schlieรe? Ja und Nein, ich „sehe“ all die im Text beschriebenen Dinge auch in meinem Geiste, ich wรผrde es als das Kopfkino bezeichnen, wenn ich lese.
Sprich, so wie die/der AutorIn die Welt im Text aufbaut, entsteht sie in meiner Fantasie. Bรคume wachsen im Zeitraffer, genauso wie Gebรคude und Figuren erscheinen.
Das einzige, was ich nicht sehe, sind die Gesichter. Ja, wenn sie die Protagonistin umdreht und der Text mir erzรคhlt, dass sie grรผne Augen hat, dann sehe ich grรผne Augen. Aber der Rest des Gesichts ist verschwommen, es wabert um die grรผnen Augen herum. Und das ist absolut okay. Denn ein Gesicht ist primรคr nicht ausschlaggebend fรผr die Geschichte, die Figur fรคngt aber an, durch ihre Worte und Aktionen, farblich zu strahlen. Sprich, der Charakter prรคgt sich รผber die Seiten hinweg aus. Keine Ahnung, ob du nachvollziehen kannst, was ich versuche zu beschreiben. ;)
Fazit: Ja, ich sehe Bilder und dadurch bin ich dann bei Verfilmungen enttรคuscht oder positiv รผberrascht, inwieweit meine Fantasie denen der Filmemacher wider- und/oder entspricht.
Liebe Grรผรe,
RoXXie
Hi RoXXie
Und wow – ich hatte gerade richtig Gรคnsehaut, als du von dem farblichen Strahlen und dem Wachsen der Bรคume wie in einem Zeitraffer geschrieben hast. Ich glaube, ich kann mir das sehr gut vorstellen und danke dir sehr fรผr diese persรถnlichen Eindrรผcke! Ist es nicht groรartig, wie verschieden wir das alles wahrnehmen und wie sehr wir trotzdem alle das Lesen lieben? Mich fasziniert es ungemein. Auch wenn ich die grรผnen Augen niemals „sehen“ werde und auch schnell vergessen habe – wenn ich sie denn รผberhaupt im Text mitbekomme :-D
Ganz liebe Grรผรe
Sandra
Hallo,
also ich sehe zwar beim Lesen Bilder, aber das beschrรคnkt sich im Groรen und Ganzen auf Orte. Oft sind das aber leider Orte die ich wirklich kenne und das hat dann wiederum zur Folge das ich nun bestimmte Orte einfach mit bestimmten Bรผchern verbinde. Unwiderruflich.
Wenn ich die Miss/Doktor Maxwell Reihe von Jodi Taylor lese, sehe ich sie zum Beispiel immer in meiner alten Grundschule und das auch wenn zwischen den Bรผchern viel Zeit vergangen ist.
Von Menschen oder Figuren habe ich in der Regel immer nur eine sehr ungenaue Vorstellung.
Liebe Grรผรe
Rena
Hi Rena
Ganz lieben Dank fรผr deine Gedanken zum Thema und wieder ist es eine ganz neue Wahrnehmung. Genau das finde ich so groรartig an diesem Austausch hier, es gibt so unterschiedliche Lese“bilder“ und wir selbst wissen meist gar nicht, dass sie sich von denen anderer Menschen unterscheiden.
Hab‘ einen schรถnen Tag und liebe Grรผรe
Sandra
Wow. Ich bin gerade total รผberrascht, dass andere tatsรคchlich Bilder vor dem inneren Auge sehen. Ich dachte immer, das wรคre nur ein Ausdruck fรผr jene abstrakte Vorstellung, die ich z.B. von Dingen habe. Ja, mir geht es beim Lesen ganz genau wie dir – ich sehe keine Bilder und ich habe etwa bei Kampf-/Actionszenen immer ein groรes Problem, mir da รผberhaupt etwas vorstellen bzw. diesen Szenen folgen zu kรถnnen; daher finde ich die meistens total langweilig zu lesen. Ich weiร nicht, ob das auch damit zusammenhรคngt.
Das interessante ist, dass ich schon eine abstrakte Vorstellung von Figuren habe, auch wenn es kein konkretes Bild ist. Daher freue ich mich auch immer, wenn Verfilmungen mir konkrete Bilder liefern, wobei sich manchmal Schauspieler fรผr mich richtig anfรผhlen und manchmal eben falsch (z.B. war Jennifer Lawrence fรผr mich als Katniss komplett falsch, daher konnte ich auch die Filme nie genieรen) – ich nehme an, dass das schon mit meiner abstrakten Vorstellung von den Figuren zu tun hat.
Da ich selbst schreibe, brauche ich auch immer ein Vorbild fรผr meine Figuren, um mir diese optisch รผberhaupt vorstellen zu kรถnnen. Erst, wenn ich ein Portrรคt von ihnen gezeichnet oder sie mit Schauspielern „besetzt“ habe, werden sie fรผr mich so richtig greifbar.
Interessant auch, was Petrissa in dem Zusammenhang oben schreibt: Ich sehe nรคmlich alle Rechtschreibfehler und ich kann sie absolut nicht ausblenden. Daher nehmen mir Fehler auch wirklich die Freude beim Lesen.
Danke auf jeden Fall fรผr diesen interessanten Beitrag! Der hat mir einige neue Erkenntnisse geliefert.
Liebe Grรผรe
Neyasha
Liebe Neyasha
Ich danke dir so sehr fรผr deinen Kommentar! Bei den vielen Menschen, die Bilder sehen, kann man sich schon mal etwas seltsam fรผhlen, wenn man nun mal selbst keine solchen Bilder sehen kann. Du kannst das vermutlich nachvollziehen :-)
Mir geht es ganz รคhnlich, wie dir! Besonders viele Rechtschreibfehler machen mich echt fertig. Sie sind richtiggehend anstrengend beim Lesen, da sie mich immer und immer wieder aus dem Fluss reiรen. Selten habe ich jemanden getroffen, dem es รคhnlich ging.
Auch was du รผber die „nicht passenden“ Schauspieler*innen schreibst, kenne ich in gleicher Ausprรคgung. Immer wieder ein tolles Thema. Und ich freue mich sehr, dass du hergefunden hast.
Liebe Grรผรe
Sandra
Hallo du Liebe,
Nach deinem lieben Kommi bin ich gleich mal Stalken gekommen und bei diesem tollen Beitrag hรคngen geblieben. :) Bei mir ist es so das ich zu den „sehenden“ gehรถre. Legolas aus Herr der Ringe sah im Film 1 zu 1 so aus wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ich bin zusammen mit mit Rhys aus „Das Reich der Sieben Hรถfe“ durch den Nachthimmel geflogen und habe mit Kirito in der Sword Art Online Novle um mein Leben gekรคmpft. Wenn ich lese bin ich dabei und lache, schaudere oder gibbel auf meinem Bett herum. ^^
Der Nachteil dabei ist allerdings, das ich mit 90% der verfilmungen so oft unzufrieden bin. Mein Buchempfinden ist da einfach zu nah, als das ich abweichungen vom Buch wirklich ertragen mag. Wohl mit ein Grund weswegen ich selten Buchverfilmungen schaue. ^^
Bei den Drachenreitern von Pern – um mal darauf anstoร zu nehmen ;) habe ich das gewimmel der Flugechsen vor mir gesehen. Das goldene Funkeln der Schuppen der Kรถnigin oder die herabfallenden Fรคden. :D Ich dachte aber immer allen geht es so. Das manche nur Text sehen wusste ich gar nicht. :) Wieder etwas gelernt.
Tintengrรผรe von der Ruby
Hallo liebe Ruby,
danke, dass du diese ganz besonderen Leseeindrรผcke mit mir und allen, die hier mitlesen teilst!
Du hast die Feuerechsen gesehen – himmlisch :-D Und so vieles andere. Das ist wirklich toll, ich muss da auf die Verfilmung warten *lach* und ich bin froh, dass in den alten Pern-Taschenbรผchern Illustrationen sind, so kann ich doch ein klein wenig wirklich auch „sehen“.
Ganz liebe Grรผรe
Sandra
Liebe Sandra,
heute finde ich endlich einmal die Zeit, einen Kommentar unter diesem groรartigen Beitrag zu hinterlassen.
Vielen, vielen Dank, dass du uns deine Wahrnehmung beim Lesen so nahe gebracht hast – damit hast du sicher nicht nur mir die Augen geรถffnet! Man nimmt seine eigenen Empfindungen/ Wahrnehmungen oft als so selbstverstรคndlich und normal hin, dass man sie nie hinterfragt.
Und wie spannend es fรผr dich immer sein muss, wenn du dann eine Verfilmung siehst! Wie verhรคlt es sich denn eigentlich, wenn du erst die Verfilmung schaust und dann das Buch liest – beeinflusst das, wie du das Gelesene wahrnimmst bzw. welche Eindrรผcke du dir selbst von Figuren machst?
Ich gehรถre zu denen, die tatsรคchlich Kopfkino haben – aber nie pausenlos von Anfang bis Ende einer Geschichte: Auch bei mir gibt es Momente, ich denen ich nur den Text wahrnehme, ohne Bilder, Tรถne oder รคhnliches dabei im Kopf zu haben. Je besser und „sinnhafter / sinnlicher“ etwas beschrieben ist, desto realer wird dies aber fรผr mich (wobei sinnlich/ sinnhaft nicht gleichbedeutend ist mit „vielen Adjektiven“ oder detaillierten Beschreibungen, sondern eher mit dem gekonnten Einfangen von Momenten auch ohne groรe Worte).
Dabei sehe ich aber nie das gesamte Setting wie in einem richtigen Film, sondern nur Ausschnitte: mal die Kulisse (v.a. bei Szenen, die in der Natur spielen), mal einzelne Figuren und hier vorwiegend die Kรถpfe. Besonders gelungene Texte schaffen es sogar, dass ich beim Lesen das Geschilderte riechen, schmecken, hรถren kann. Das ist beispielsweise bei Taniguchi oder Stephen King oft der Fall.
Kenne ich vor dem Lesen bereits die Verfilmung oder Hรถrbuchversion, kommt es hรคufig vor, dass ich wรคhrend der Lektรผre die Stimme des jeweiligen Sprechers / des jeweiligen Schauspielers hรถre oder das รuรere der Figur aus der Verfilmung sehe. (Und ja, ich rede hier bewusst nur von Mรคnnern, da dieser Effekt bei Frauenfiguren tatsรคchlich nie auftritt bzw. bisher nur ein- oder zweimal vorkam.) Lese ich eine Szene, in der Gandalf sehr prรคsent ist, sehe ich Ian McKellen und hรถre dessen deutsche Synchronisationsstimme; bei Sam und Frodo ist es genauso. Und, wie ich schon auf Twitter schrieb, habe ich beim Lesen des Kapitels „Smeagols Zรคhmung“ dank des HrD-Abends in Leipzig die ganze Zeit Timmo Niesners Stimme gehรถrt, sogar die Betonung und das Lesetempo hatten sich daran angepasst.
Habe ich gar keine Bilder vor Augen und keine bekannte Stimme im Kopf, schaltet sich zumindest immer eine ganz bestimmte innere Vorlesestimme ein, die รผbrigens anders klingt als ich selbst.
Apropos Vorlesestimme: Wie war es fรผr dich in der Kindheit, wenn jemand vorlas? Ich frage mich gerade, ob das in der Kindheit auch beeinflusst, wie gern man vorgelesen bekommt, da man in dem Alter ja noch sehr durch „รคuรere Bilder“/ Einflรผsse geprรคgt wird und nicht immer auf eigene Erfahrungen oder Wissen zurรผckgreifen kann. Mir geht es ja tatsรคchlich heute noch so, dass ich Dinge teils schwer verstehen kann, wenn sie zu abstrakt beschrieben sind und ich dazu gar keine Bilder oder greifbaren,reale „Anker“ habe. Das war oft auch mein Problem beim Erarbeiten theoretischer Fachliteratur wรคhrend des Studiums: Was ich nicht in irgendeiner Form visualisieren konnte, blieb fรผr mich nur ein leeres Konstrukt von Wรถrtern.
Liebe Grรผรe
Kathrin
Liebe Kathrin,
hach – wie spannend! Danke dir sehr fรผr die Schilderung deiner Lesewahrnehmungen. Ich kann mich nur wiederholen, dass hier stรคndig neue Aspekte hinzukommen, das ist so toll! Ich wรผsste ja zu gerne, warum du immer nur Mรคnner siehst … Aber diese Frage wird uns wohl niemand beantworten kรถnnen, einiges wird im Dunkeln bleiben :-D
Zu deinen Fragen: Wenn ich einen Film gesehen habe und dann die Vorlage lese, hilft mir das meist. Ich „sehe“ dann die Schauspielenden vor mir und das ist toll. Endlich habe ich dann eine Vorstellung der Figuren vor mir. Ich sage bewusst „Vorstellung“, da ich sie nicht als Bild sehe, aber eine Vorstellung davon habe, wie sie aussehen. Hรถrt sich komisch an? Kann ich leider aber nicht anders erklรคren. Beim „Herr der Ringe“ war das z. B. so. Wenn ich das Buch heute lese, habe ich die Vorstellung der Filmbilder im Kopf – grandios, was Peter Jackson da fรผr mich (und viele andere ;-) ) geschaffen hat.
Wie es in meiner Kindheit war, wenn mir jemand vorgelesen hat, kann ich dir nicht beantworten. Zwar wurde mir vorgelesen, jedoch erinnere ich mich an keine einzige Situation und auch an keine Texte. Ich weiร auch nicht mehr, wo ich all die Bรผcher und Comics gelesen habe, die ich mir stรคndig aus der Bibliothek ausgeliehen habe und an die Inhalte erinnere ich mich auch nur vage. Ich weiร, das ich sie gelesen habe. Das hรคngt sicher mit dem Verdrรคngen einiger Dinge aus meiner Kindheit zusammen – anderes Thema.
Interessant รผbrigens, was du รผber deine Erlebnisse mit abstrakten Beschreibungen sagst. Das ist bei mir genau umgekehrt. Abstrakt kann ich sehr gut, allerdings ecke ich mit meinen „wirren“ Beschreibungen oft an, bzw. werde nicht verstanden. Ich versuche sie dann beim Erzรคhlen zu visualisieren, das macht es fรผr mich und andere leichter, auch wenn meine Visualisierungen auch sehr abstrakt sind *lach*.
Ganz liebe Grรผรe
Sandra
Hallo Sandra,
ein wirklich sehr toller Beitrag.
Es ist sehr interessant zu lesen, wie unterschiedlich wir alle doch, nun ja, lesen eben. :)
Ich sehe tatsรคchlich Bilder im Kopf und kann den Charakteren im Buch sogar teilweise eigene Stimmen geben. Aber das habe ich auch nicht immer, das mit den Stimmen.
Die Bilder habe ich immer. Das ist nicht immer wie ein Film, sondern manchmal einfach wie Momentaufnahmen aber ich kann mir die Protagonisten vorstellen oder die Orte in welcher einer Handlung spielt. Manchmal sehen diese Dinge oder Personen aber etwas anders aus als die Autoren/innen es sich vielleicht vorstellen. Mir ist schon einmal passiert, dass ich mir einen Charakter mit dunklen Haaren vorgestellt habe und dann irgendwann feststellen musste, dass er ja doch blonde Haare hat. Dann fรคllt es mir schwer den Charakter anders zu sehen. Deshalb mag ich es auch gar nicht wenn ich Filme vor den Bรผchern sehe, denn so habe ich in meinem Kopf schon ein vorgefertigtes Bild und kann mich nicht mehr auf meine eigenen Vorstellungen konzentrieren.
Andersherum ist es aber auch nicht immer leicht, denn wenn fรผr mich ein Charakter ein bestimmtes aussehen hat, vergleiche ich den Schauspieler / die Schauspielerin unwillkรผrlich mit meinem Bild im Kopf.
Liebe Grรผรe
Diana
Liebe Diana,
wow – wie spannend doch dieses Thema ist. Das muss wirklich ein Schock sein, wenn die Personen dann plรถtzlich andere Haarfarben haben. Ich sehe ja zwar keine Bilder, habe aber selten auch mal Vorstellungen von Haarfarben und wenn die dann halt anders ist, als im Buch beschrieben, ignoriere ich das einfach stumpf :-D
Fรผr mich ist die Bilder-beim-Lesen-Welt halt eine ganz unbekannte und ich kann nur durch eure Kommentare hier รผberhaupt verstehen, was mit dir und vielen anderen da eigentlich passiert. Ganz groรes Danke fรผr deinen Kommentar und dass du deine Wahrnehmung hier teilst.
Liebe Grรผรe
Sandra
Liebe Sandra,
dann komme ich doch auch endlich mal bei dir vorbei und finde, du hast einen tollen Beitrag geschrieben!
Nein, auch ich sehe weder fertige Bilder noch einen Film vor mir, wenn ich ein Buch lese. Ich habe in letzter Zeit extra darauf geachtet, wie das eigentlich bei mir ist. Ich nehme die Bรผcher ganz genau auf, kann mich in Protagonisten rein versetzen und und und. Aber: Ich sehe keine Menschen vor mir! Mir geht es da wie dir, weder stelle ich mir ihre Gestalt vor, noch irgendwelcher Merkmale wie Haarfarbe oder Augenfarbe. Hat mich auch noch nie wirklich gestรถrt beim lesen – ich kann die Bรผcher trotzdem gut genieรen.
Wenn ich jedoch ein Buch lese, wo ich den Film kenne (wie eben Harry Potter) dann sehe ich schon Bilder vor mir, fertige, weil ich weiร, was ich sehen muss.
Fรผr mich ist allerdings immer unvorstellbar, mir zum lesenden Buch vorzustellen, welcher Schauspieler diese Person verkรถrpern kรถnnte.
Aber: Wenn ich z.Bsp. Krimis oder Thriller lese, dann spรผre ich manches mal fast kรถrperlich auch Schmerzen, bei Gewalttaten o.รค. Ich seh immer noch keine vor Blut triefende Leiche vor mir, aber weil ich weiร, wie das aussehen mรผsste, schaudert es mich.
ich finde, das ist ein sehr komplexes Thema, wenn man wirklich mal genauer darรผber nachdenkt!
Vielen Dank fรผr den Beitrag!
Liebe Grรผรe Anett
Ganz herzlichen Dank fรผr dein tolles Feedback, liebe Anett! :-D
Was du schildest klingt meinen Erlebnissen sehr รคhnlich und ich bin รผberrascht, doch einige gefunden zu haben, die keine Bilder beim Lesen sehen. Und die trotzdem, wie ich auch, das Lesen รผberaus genieรen.
Nachdem ich mich jetzt wieder mit dem Thema beschรคftigt habe, habe ich mich selbst schon mehrmals dabei erwischt, dass ich versucht habe, beim Lesen Bilder „heraufzubeschwรถren“. Ich kann dir sagen: Hat nicht funktioniert *lach*.
Liebe Grรผรe und weiterhin viel Spaร beim Lesen!
Sandra
Huhu (=
War ja letztens schon Thema irgendwo (hattest du eine Umfrage gestartet?) und da war ich irritiert, dass so viele Bilder bis hin zu einem ganzen Film sehen. Bei mir entsteht eine vage Vorstellung, aber keine Bilder. Ich weiร gar nicht wie ich das beschreiben soll … Eine flรผchtige Vorstellung, wenn dann z.B. ein Buch verfilmt wird ist es bei mir wie bei dir, das Gefรผhl, das es stimmig ist (oder eben gar nicht passt), ist dann etwas das ich habe. Doch kann nicht so einfach in Worte wiederzugeben, was da beim Lesen im Kopf geschieht.
Toller Beitrag <3
Mukkelige Grรผรe!
Huhu und danke fรผr die Blumen liebe Janna :-D
Eine Umfrage hatte ich nicht laufen, aber auf twitter kamen wir letztens zufรคllig drauf. Und da war mir klar, ich sollte das Thema mal verbloggen und nicht noch zwei Jahre warten XD
Ja, es ist gar nicht so einfach in Worte zu packen, was da im Kopf beim Lesen los ist. Insgesamt kรถnnen wir uns alle vermutlich nur dem Thema annรคhern, denn wer weiร – ob „sehen“ fรผr alle eigentlich das gleiche bedeutet.
Liebe Grรผรe
Sandra
Huhu,
ich bin so ein bisschen ein Mittelstรผck. Beim Lesen neuer Bรผcher seh ich absolut nichts vor mir. (Auรer, wenn ein Ort beschrieben wird, an dem ich schon selbst war. In dem Fall kann ich mir meine Erinnerung des Ortes mรผhsam vor Augen rufen, aber das kostet Kraft und Zeit.) Wenn ich den Film dazu kenne, kann ich bei den Rereads aber einzelne Charaktere oder Bilder vor mir sehen. Eben auch aus meiner Erinnerung des Filmes, weil ich ’schon mal da war‘. Aber auch hier kostet das viel Kraft, weshalb ich es lieber nicht mache. Das ermรผdet schnell und macht mir im schlimmsten Fall auch ziemliche Kopfschmerzen.
Spontanes Kopfkino innerhalb des RL hab ich aber oft. Besonders eklige oder gruslige Sachen, wie krabbelnde Spinnen kann ich mir sehr leicht vorstellen, auch mit offenen Augen. (Vielleicht aber auch, weil ich diesbezรผglich sensibilisiert bin, weil ich eine Weile lang schlafmangelbedingt Halluzinationen hatte und genau sowas dabei vorkam.)
Ich find es aber spannend, wie viele Andere beim Lesen auch nichts sehen. Ich hab das bisher immer darauf geschoben, dass bei mir schon lange Verdacht auf Asperger besteht. Dass die Phรคnomene vielleicht gar nicht zusammen gehรถren, ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen.
Magst du vielleicht dann auch lieber Bรผcher, die viel erzรคhlen und wenig ‚zeigen‘ und erleben lassen? Ich dachte immer, meine Abneigung gegen das, was Autoren ’show‘ nennen und meine Liebe fรผr ‚tell‘ wรคren auch eher aspergerbedingt. Aber vielleicht hรคngt das ja eher hiermit zusammen? Dass man vielleicht einfach mehr Informationen รผber Handlungen und Hintergrรผnde braucht, weil sie nicht wie ein Film vor einem sind? Und dass viele Leser sie deshalb nicht brauchen, weil sie Mimik und Gestik im Bild in ihrem Kopf ganz automatisch ergรคnzen kรถnnen und daraus die mir fehlenden Informationen ziehen?
LG
Taaya
Liebe Taaya,
das Thema ist so megaspannend, jede*r macht hier gerade eine neue Tรผr auf. Ist das nicht toll?!
Wie du das so erzรคhlst, kann ich bestรคtigen, dass es bei mir รคhnlich ist, wie bei dir. Wenn ich z. B. die Figuren in einem Buch vorher schon in einem Film oder auch Comic gesehen habe, stelle ich sie mir auch wรคhrend des Lesens vor. Dann habe ich sie ja schon einmal gesehen. Gleiches gilt fรผr Kulissen, Handlungsorte. Allerdings „sehe“ ich sie, glaube ich, trotzdem nicht, sondern ich „weiร“ wie sie aussehen. Das hรถrt sich schon wieder komisch an, fรผrchte ich.
Das Spinnenkopfkino ist ja fies! Zum Glรผck bin ich davon bisher verschont, ich hoffe, das bessert sich bei dir auch mit der Zeit.
Hinsichtlich des „show“ vs. „tell“ bin ich noch nicht ganz sicher. Ich habe รผberhaupt nicht drรผber nachgedacht, bis du es jetzt hier angesprochen hast. Ich mag beispielsweise Reisebeschreibungen sehr gerne. Kennst du das Buch „Der Historiker“? Da reisen zwei (?) Menschen u. a. mit dem Zug durch Osteuropa und ich habe es genossen, diese Reise einfach nur zu erleben. Da wird, glaube ich, auch viel gezeigt. Und im Herr der Ringe mag ich den Gang durch Mordor, den viele sterbenslangweilig finden. Also … wenn ich drรผber nachdenke, ich mag „show“ wohl sehr gerne :-) Mit „tell“ komme ich auch klar, muss aber mal beobachten, wie ich darauf reagiere.
Es ist so spannend – ein Zusammenhang mit Asperger kรถnnte sein, habe ich bisher aber noch nicht gelesen. Ich habe den Eindruck, dass die gesamte Thematik noch nicht wirklich gut erforscht ist.
Liebe Grรผรe und nochmals ganz herzlichen Dank, dass du deine Leseeindrรผcke hier geteilt hast!
Sandra
Huch, Ewigkeiten spรคter (ich hab ja gestern schon auf Twitter gesagt, ich hab รผberhaupt keine รbersicht รผber meine Kommentare).
Hm, Reisebeschreibungen finde ich eher langweilig. Ich fรผrchte, da kommt bei mir hinzu, dass ich einfach auch quasi nicht so der ‚optische‘ Mensch bin. Dinge, die man in RL sehen kann, sind mir auch da schon recht unwichtig und mit Fotos kann ich, zum Beispiel, auch nicht wirklich viel anfangen. Ich mag beim Lesen generell lieber tell von Handlungen und Introspektion. Beschreibungen der Umwelt finde ich hingegen schlicht unnรถtig – sofern nicht gerade ein wackelnder Zweig im Wald ein Hinweis drauf sein kรถnnte, dass sich da ein Ork versteckt und gleich angreift. Ich fรผrchte, ich bin da sehr eigen. :D
LG
Taaya
Echt spannend, Taaya. Ich bin ja schon sehr „optisch“ geprรคgt, da sind wir dann unterschiedlich. Und doch genieรen wir jede auf unsere Weise das Lesen. Das ist unser aller Gemeinsamkeit :-D
LG
Sandra
Deine Lesewahrnehmung ist wirklich faszinierend. Aber teilweise geht es mir gleich. Bei Bรผchern, die mich nicht mitreissen kรถnnen, sehe ich nur das Geschriebene. So geht es mir auch immer am Anfang eines Buches.
Ich brauche Zeit und die richtige Stimmung, damit bei mir Bilder im Kopf entstehen. Selten wird daraus ein Film, nur wenn ich das Buch wirklich mag.
Beispielsweise kann ich dir von „Daughter of Smoke and Bone“ von Laini Taylor ganz genau beschreiben wo die Protagonistin wohnt, wie sie aussieht und wie sie zur Uni lรคuft. Auch von den Chimรคren und Engeln habe ich ein ganz klares Bild im Kopf. Das Buch ist in meinem Gehirn als Film gespeichert. Bei anderen Bรผchern fehlen mir diese Details, kann dir aber mehr รผber die Stimmung erzรคhlen.
Es kommt auch ganz auf die Situation an. Landschaften oder Rรคume sehe ich relativ schnell als Bild. Figuren sind bei mir manchmal weisse Punkte ohne Gesicht. Erst nach und nach entstehen die Figuren. Dabei kommt es null auf das Beschriebene an. Ich habe mir mal ein ganzes Buch lang eine Protagonistin mit kurzen schwarzen Haaren vorgestellt, bis ihr Lover am Ende รผber ihre langen blonde Haar strich. War fรผr mich sehr irritierend und das Bild war schwierig zu korrigieren.
Liebe Grรผsse
Julia
Liebe Julia
OMG – das ist so spannend! Ganz lieben Dank fรผr das Beispiel, wie du das Gelesene wahrnimmst. Ich bin vรถllig geplรคttet, dass du diese Details tatsรคchlich sehen kannst! Sehr interessant auch, dass deine Wahrnehmung davon abhรคngt, wie tief du in die Story eintauchen kannst. Wie ist das dann eigentlich mit den Buchstaben, siehst du sie trotzdem beim Lesen?
Die Prota, die plรถtzlich eine andere Haarfarbe hat als in meiner Vorstellung, habe ich auch schon kennengelernt :-D Allerdings habe ich sie nie gesehen, ich hatte nur im Hinterkopf, dass sie eine bestimmte Haarfarbe hatte. Schien irgendwie wichtig gewesen zu sein, sonst hรคtte sie bei mir gar keine Haarfarbe gehabt :-D
Liebe Grรผรe
Sandra
Liebe Sandra,
ich finde das Thema richtig spannend und finde deine. Blogbeitrag dazu echt Klasse! Es ist sehr interessant mm รผber die eigene Wahrnehmung nachzudenken, sie zu hinterfragen und vor allen Dingen zu erfahren, wie die Erfahrung und Wahrnehmung bei anderen aussieht.
Auรerdem hat mir der Austausch mit Dir Spaร gemacht ๐
Hab einen tollen Sonntag!
Viele Grรผรe
Bella
Liebe Bella,
ich danke dir sehr, dass du deine visuellen Eindrรผcke mit mir beim Lesen geteilt hast. Vielleicht bietet sich ja mal die Gelegenheit zu einer Wiederholung, auch wenn ich als Leseschnecke dir vermutlich wieder hinterherhinken wรผrde :-D
Dir auch einen wunderschรถnen Sonntag.
Liebe Grรผรe
Sandra
Hi โฅ
Super interessanter Beitrag! Ich dachte immer ich wรคre die Einzige, die keine „Bilder im Kopf“ sieht beim Lesen.
Als Teenager habe ich komplett meine Umwelt beim Lesen ausgeblendet. Es hat sich angefรผhlt, als wรคre ich in der Geschichte.
Das Gefรผhl habe ich jetzt leider nicht mehr. Manchmal fรคllt mir das sogar extrem schwer mich auf eine Geschichte einzulassen, weil ich sie nicht mehr so fรผhlen kann. Das habe ich aber bei allen Bรผchern (Nicht Genreabhรคngig).
Interesanterweise funktioniert das bei Hรถrbรผchern noch. Wenn ich Haushalt mache und Hรถrbรผcher hรถre, merke ich gar nicht, dass putze. Ich bin komplett in dieser Welt :)
Liebe Grรผรe
Denise
Liebe Denise,
oh nein, du bist ganz sicher nicht alleine <3 Bist du auch manchmal ein wenig neidisch darauf, dass andere Bilder oder gar Filme sehen? Mir geht hin und wieder so. Aber dann merke ich, dass ich auch vor dieser Erkenntnis Spaร am Lesen hatte und lasse mir diese Leidenschaft nicht nehmen :-)
Superspannend, dass es bei dir als Kind wohl etwas anders war! Und wie wundervoll, dass du es mit Hรถrbรผchern heute in einen รคhnlichen Modus schaffst. Abtauchen in Bรผcher ist einfach wunderbar. Ganz lieben Dank fรผr deinen Kommentar und deine Eindrรผcke :-*
Liebe Grรผรe
Sandra
Ich hรถre mich selbst beim Lesen (kam bis vor kurzem nicht auf die Idee, dass es anders sein kรถnnte) und ich sehe auch Bilder. Allerdings auch keine Gesichter, selbst dann nicht, wenn da steht, sieht aus wie Schauspieler xy. Das registriere ich zwar, aber dann nehme ich die Figuren eher im Ganzen wahr. Also รผber den Charakter und vielleicht noch รผber den Kรถrperbau. Schwierig finde ich auch Klamotten. Es ist mir schlicht und ergreifend egal, was sie anhaben. Insbesondere wenn es fรผr die Story unerheblich ist.
Die Umgebung stelle ich mir dann allerdings gern vor und ich sehe auch szenische Bilder. Vermutlich liegt es dann an meinen persรถnlichen Erfahrungen, wie Szenen und Bilder ausgestaltet sind. Ich finde es interessant, darรผber nachzudenken. Das habe ich so noch nicht gemacht.
Liebe Grรผรe
Mona
Liebe Mona,
ich freue mich so sehr, dass du deine Lesewahrnehmung hier teilst. Es ist so toll durch die Kommentare zu schauen und so viele ganz individuelle Geschichten zu lesen. Und wie toll, dass du dich beim Lesen selbst hรถrst! Ich meine, das hatte ich auch schon einmal. Lange habe ich danach gesucht, wie ich Texte eigentlich wahrnehme. Und ich dachte eine Zeit lang sogar, ich wรผrde verschiedene Stimmen hรถren. Als ich es genauer beobachtet habe, wurde mir aber klar, dass das nicht so ist. Und dann fand ich raus, dass fast alle Bilder sehen … :-D
Toll, dass ich zum Nachdenken anregen konnte. Das finde ich wirklich sooo toll!
Liebe Grรผรe
Sandra
Liebe Sandra,
das ist ein ziemlich interessanter Gedanke. Und ich glaube, ich ticke da รคhnlich wie Du. Die Gesichter oder die Gestalt von Menschen sehe ich nie. Es ist mir einfach nicht so wichtig. รhnlich, wie bei Dir, fรผhle ich sie eher. Versuche ihre Gedankengรคnge nachzuvollziehen, mich in ihr Inneres einzufรผhlen. Je nachdem, wie nah die AutorIn den Protagonisten kommt, gelingt das sehr gut, oder auch nicht. Was ich mir hingegen gern bildlich vorstelle, sind Landschaften. Ich liebe die Natur und fรผhle mich in Landschaftsbildern einfach wohl. Aber das ist ein bewusster Prozess, das kommt nicht automatisch. Ich sehe eine beschriebene Landschaft, wenn ich das mรถchte und die Beschreibung entsprechend gut ist. Aber ich fรผhle sie auch, spรผre den Wind, stelle mir das Klima vor. ZUsammenfassend kรถnnte man sagen, ich sehe auch keine Bilder, nur die, die ich bewusst in mir selbst mit Hilfe des Textes erschaffe. Liebe Grรผsse und ein schรถnes Wochenende! Eva
Liebe Eva,
da scheinen wir auf รคhnlicher Weise unterwegs zu sein :-) Echte Bilder hervorrufen zu kรถnnen, klingt auch fantastisch! Ich bin so fasziniert, wie unterschiedlich wir alle sind und dabei doch wieder wie รคhnlich in unserer Liebe zum geschriebenen Wort <3
So wie du es beschreibst, kann ich es, glaube ich auch. Ich kann mir die Dinge vorstellen und dabei auf meine Weise ins Leben rufen. Nur halt abstrakt. Den Wind zu spรผren stelle ich mir unfassbar schรถn vor.
Ich danke dir sehr fรผr die Beschreibung deiner ganz eigenen Eindrรผcke!
Liebe Grรผรe
Sandra
Liebe Sandra,
dein Artikel war fรผr mich (andersherum) auch eine echte Offenbarung. Ich dachte nรคmlich immer, dass alle Leute die Bilder beim Lesen sehen kรถnnen :D Sehr spannend wie du es beschreibst.
Bei mir ist es – wie mir aber erst nach dem Lesen deines Artikels bewusst wurde – so, dass ich „beides“ erlebe, wenn man das so sagen kann. Einerseits „sehe“ ich die Bilder bei guten Bรผchern vor mir bzw. wenn ein Schreibstil mich richtig mitreiรt, fรผhlt es sich eher wie ein kontrollierbarer Traum an, der durch das Lesen gesteuert wird. Dabei „sehe“ ich dann auch verschiedene „Kameraperspektiven“ und wechsle zwischen Characterview und Allroundansicht. Manchmal kann ich sogar die Gerรคusche einbauen und ich bin dann beim Lesen fast wie in Trance und nicht ganz „im Raum“. Andererseits hat aber neben dem „Sehen“ und „Aussehen“ jede Figur und jeder Ort eine weitere Ebene in meiner Wahrnehmung: das Gefรผhl unabhรคngig von einem Bild. Ich „weiร“ dann welches Gefรผhl die Figur oder der Ort in mir hervorruft (eine Kombination aus Farbe, Wรคrme, Lichttemperatur, Gerรผchen und Struktur). Wenn ich z.B. durch den Park laufe und dann etwas hรถre, anfasse oder rieche, das das gleiche Gefรผhl hervorruft, werde ich sofort an die Geschichte oder den fiktiven Ort erinnert. Das funktioniert im Gegensatz zu den Bildern, die nach Jahren etwas verblassen, aber immer.
Bei Verfilmungen habe ich dadurch den Nachteil, dass ich enttรคuscht bin, wenn mein „Sehen“ und mein „Gefรผhl“ nicht mit der Darstellung zusammenpassen. Oft reicht es aber aus, wenn nur eines von beiden passt. Eine Ausnahme sind dabei z.B. die LoTR -Filme: hier hat Peter Jackson mein „Sehen“ und mein „Gefรผhl“ fast perfekt zusammengebracht und das ist natรผrlich groรartig!
Danke fรผr deinen genialen Beitrag, ich werde direkt mal ein wenig zu Aphantasie recherchieren – ich finde allerdings nicht, dass es etwas Schlechtes ist… eher eine spezielle, abstrakte Superkraft!
Liebe Grรผรe
Lilli
Liebe Lilli,
danke fรผr deine Eindrรผcke und das was du beschreibst, ist ja der Knaller! Ein wahres Potpรผrree an Empfindungen, Bildern und Gerรคuschen. Wow, einfach nur wow. Bei mir ist das alles ja irgendwie nรผchterner, trotzdem kann es sehr emotional sein. Bรผcher, die etwas in mir hinterlassen, vergesse ich auch meist nicht. Nur sind die „Bilder“ fรผr mich halt nicht wirklich Bilder, sondern eher Szenarien, die ich wieder hervorholen kann. Wenn ich dann eine Buchverfilmung sehe, sage ich manchmal sogar laut, wie schรถn ich es finde, genau diese oder jene Szene jetzt endlich mal zu sehen :-)
Danke auch fรผr deine Blumen. Und wenn du recherchieren gehst, ich fand den Beitrag auf heise gar nicht schlecht. Einfach mal googeln.
Liebe Grรผรe
Sandra
Huhu,
ich sehe keine Gesichter, aber alles andere sehe ich sehr deutlich vor mir und wenn ein Buch richtig gut ist, fรผhle ich es auch. Also ich fรผhle den Kiesel unter meinen Fรผรen oder rieche das gemรคhte Gras. Dass ich die Gesichter nicht sehe, liegt evtl daran, dass ich die Geschehnisse aus den Augen des Protas sehe. Und ja (wo du danach fragst), meine Figuren haben auch unterschiedliche Stimmen.
Ich finde die Vorstellung schrecklich, wenn das alles weg wรคre. Aber ich ahne, was du meinst. Vielleicht so, wie wenn ich ein Sachbuch lese. Da sehe ich zwar auch den Darm vor mir xD, aber das Begreifen spielt sich natรผrlich mehr auf Intellektuellen ab.
Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum mir Rechtschreibfehler nur auffallen, wenn sie extrem sind. Ansonsten bin ich so mit dem beschรคftigt, was ich innerlich sehe, dass die Buchstaben an sich Nebensache sind.
Ich denke gerade, ob das auch *mit* einen Unterschied macht, ob man Horror lesen kann. Vor einer Weile habe ich ja „Die Sรคulen der Erde“ abgebrochen, weil ich es nicht ausgehalten habe, wie der eine Typ die Frau erniedrigt und vergewaltigt hat. Die Vergewaltigung wurde sehr bildlich beschrieben und ich habe das echt gefรผhlt. Ich habe dann auch mit einer Freundin darรผber geredet, weil ich so fassungslos war, dass dies scheinbar so wenigen was ausmacht. Und die Freundin konnte das nicht so verstehen, wรคhrend ich sie nicht so verstehen konnte. Jetzt wird mir gerade etwas klarer…..
Liebe Grรผรe
Petrissa
Liebe Petrissa,
danke, dass du deine Eindrรผcke beim Lesen hier teilst :-* Absolut faszinierend, was du alles wahrnimmst und wie sehr es sich doch von meinen Wahrnehmungen unterscheidet. Ich habe „Die Sรคulen der Erde“ nicht gelesen, kann daher nicht sagen, ob ich vielleicht sogar รคhnliches gefรผhlt hรคtte. Die Erkenntnis, dass wir alle eine ganz andere „Brille“ aufhaben und uns dessen meist gar nicht bewusst sind, ist so wertvoll.
Der Darm ist รผbrigens ein super Beispiel :-D
Liebe Grรผรe
Sandra