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Fantasy / Highlights

NAVOLA von Paolo Bacigalupi

Mehrere Ausgaben des Romans in einem Regal

Das Erwachen des Drachen

In einer Welt, die der italienischen Renaissance ähnelt, hat die Familie di Regulai große Macht. Als Banker haben sie immensen Reichtum angesammelt, viele Menschen sind von ihnen abhängig. Sie unterstützen Projekte und einzelne Personen, teils offen, vieles verdeckt. Wie eine Spinne sitzt der Vater und Machtinhaber in seinem Netz und zieht die Fäden der Diplomatie, aber auch die der Intrigen und Komplotte.

Seinen Sohn Davico bildet er aus, lässt ihn unterrichten und bei vielen Gesprächen und Verhandlungen teilhaben. Davico schreibt Handelslisten ab, lernt den Umgang mit Menschen und Vermögen. Er selbst würde sich jedoch häufig lieber mit dem Handwerk der Heilkunst beschäftigen, zeigt sogar ein gewisses Talent. Aber der Plan seines Vaters ist unumstößlich. Und dass, obwohl Davicos Schwester eigentlich die viel Bessere ist in Sachen Bankgeschäften und dem Spezialgebiet der Familie – den Ränkespielen …

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Titel: NAVOLA: Das Erwachen des Drachen
Autorin: Paolo Bacigalupi
Übersetzung: Alexander Weber
Erschienen: 24. September 2025
Verlag: Fischer Tor
Ausgabe: Hardcover, Schutzumschlag, 800 Seiten, 32 Euro, ISBN: 978-3-596-71089-8
Link zum Buch inklusive Leseprobe beim Verlag

Slow – very slow paced … und dann: Bämm

Ich liebe Drachen. Auf dem Cover von NAVOLA steht das Wort „Drachen“. Was war also meine Reaktion? Klar, das Buch wurde sofort vorbestellt. Und dann kam es ganz anders als erwartet. Was keineswegs negativ zu sehen ist, denn ich mochte den Roman sehr!

Bei der Erwähnung eines erwachenden Drachen hatte ich an einen lebenden Drachen in Fleisch und Blut gedacht. Vielleicht magiebegabt, mächtig, womöglich sogar sprechend. Ja – Klischees, ich weiß. In NAVOLA jedoch taucht der Drache in Form eines versteinerten Auges auf, das auf dem Schreibtisch des di Regulai-Familienoberhaupts steht. Aber so ganz leblos ist dieses Auge dann doch nicht, denn es scheint auf den Sohn Davico eine ganz besondere Auswirkung zu haben, ihn regelrecht in seinen Bann zu ziehen. Mehr kann und möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, das gilt es selbst zu entdecken.

Auf dieser Entdeckungsreise ist ein langer Weg zurückzulegen. Mit 800 Seiten fasst sich der Autor Paolo Bacigalupi nicht gerade kurz und erzählt zudem in einem sehr langsamen Tempo. Wer es slow paced mag und gerne manchmal unendlich scheinenden Unterhaltungen folgt, wird belohnt. Denn all dieses Vorgeplänkel hat einen Sinn. Die, zugegeben, männlich konnotierte Story, wird in einer Rückschau vom Protagonisten erzählt und lässt auch das jugendliche Interesse an schlüpfrigen Details nicht aus. Das mag manchem Lesenden zu viel sein. Für mich gehörte es zur Entwicklung Davicos und sorgte für ein überaus realistisches Bild in dem vom Autor erdachten Szenario.

Opulenz in Wort und Welt

Bacigalupo verwendet gefühlt das Fünffache an Worten, das eigentlich benötigt würde, um seine Geschichte zu erzählen. Aber genau mit diesem Überfluss, dieser Opulenz, zeichnet er das perfekte Bild seiner Welt. Ich habe mich sehr gerne durch die langen Gespräche und Beschreibungen treiben lassen. Es hatte geradezu eine beruhigende Wirkung auf mich. Bis dann – im letzten Viertel des Buches es in einem Maß eskaliert, dass mich hat heftig durchatmen lassen. Wieder und wieder.

Bämm! Was ein Kunststück, mich als Leserin solange in einer gewissen „Lethargie“ treiben zu lassen, um mich dann mit einem metaphorischen Erdbeben zutiefst zu erschüttern. Gut gemacht, kann ich da nur sagen. Sehr gut sogar und obwohl noch kein weiterer Band angekündigt ist, muss es einfach weitergehen. Nicht nur das Ende verlangt nach einer Weiterführung, sondern auch mein Innerstes.

NAVOLA hat mich mit einer Vehemenz und Härte, verbunden mit so viel Schmerz, Angst und auch Traurigkeit getroffen, die ich anfangs nie erwartet hätte. Eine tolle Entdeckung und ich möchte unbedingt MEHR davon.

«Ist das der Prinz der Regulai, der aus Euch spricht? Oder der eifersüchtige Bursche?» Er hob die Hand, um meiner wütenden Replik zuvorzukommen. «Nai. Antwortet nicht, Davico. Benutzt Euren Verstand. Di Regulai zu sein, bedeutet zu denken. Zu planen. Das ferne Ziel zu sehen und darauf zuzusteuern, auch wenn es weit hinter dem Horizont und außer Sicht liegt.»

NAVOLA: Das Erwachen des Drachen, s. 542/543 von Paolo Bacigalupi © 2025 Fischer tor

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