Nastrand. Eine Geschichte aus der Edda von Søren Glosimodt Mosdal =Rezension=

zeigt die Rückseite des blau-schwarz-weißen Comicbands, darauf ein Portrait der Deirdre
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Deirdre und Thorkel gelangen nach ihrem Tod an den titelgebenden Leichenstrand Nastrand. Nur war das eigentlich nicht ihr Ziel. Keiner von beiden will sich diesem Schicksal ergeben, schließlich wollten der magiebegabte große Krieger und seine Begleiterin ins segenreiche Walhalla. Mit jammernden Leichen und gefräßigen Monsterhunden (die Totengöttin Hel hetzt ihr monströses “Schoßhündchen” Glamr auf die zwei) hatten sie nun wahrlich nicht gerechnet. Doch kann Thorkels Magie sie ins Leben zurückführen? Dies wäre der einzige Weg Nastrand zu entkommen. Bisher aber ist Hel noch nie jemand “abhanden” gekommen.

Warum eigentlich Nastrand?

Die Vorlage für diese Graphic Novel ist die Sage “Weissagung der Seherin”. Eine eher unbekannte Geschichte aus der Edda und da kam bei mir sofort die Frage auf, warum der Autor Søren Glosimodt Mosdal diese ausgewählt hat. War er selbst in einer “schlechten” Phase? Schließlich ist der Schauplatz – der Leichenstrand – nicht gerade paradiesisch und seine Charaktere auch nicht unbedingt gut gelaunt. Oder wollte Mosdal eine Art Gleichgewicht herstellen, in dem er sich der wenig heldenhaften und auch selten adaptierten Seite des nordischen Totenreichs zuwandte? Diese Fragen bleiben leider unbeantwortet. Sollte ich dem Autor jemals begegnen, weiß ich, was ich ihn frage.

Nastrand Seite 26 ganz in schwar-weiß

Nastrand Seite 26

Optisch ist der Band schon bei der ersten Begegnung ein Hingucker. Mit der Halbleinenbindung und dem in matt gehaltenen Cover ist er zugleich robust wie hochwertig und erinnert damit an eine klassische Bindung, die auch eine bibliophile Ausgabe der Edda haben könnte.

Die Originalgeschichte kenne ich nicht – noch nicht. Denn jetzt nach der Lektüre von Nastrand möchte ich sie unbedingt kennenlernen. Mosdals Entscheidung in diesem Comic ausschließlich mit schwarz und weiß zu arbeiten war gut. Seine konturenstarken Zeichnungen reichen völlig aus, um die besondere und bedrückende Atmosphäre zu schaffen, die das Szenario benötigt. Farben hätten hier einen zu großen Schockfaktor, da doch einiges an Blut fließt und auch die Leichen dürften farblich eine Menge Potenzial bieten. Aber genau auf solchen Effekten soll hier nicht der Fokus liegen. Vielmehr auf der Verzweiflung der Seelen – der Verstorbenen. Denen, die ihr jenseitiges Dasein im Meer und am Strande der Göttin Hel verbringen müssen. Ihrem Schicksal niemals werden entringen können. Am Beispiel Thorkels, der es trotz seiner immensen Kraft und seinen magischen Fähigkeiten nicht schafft, sich und seine Begleiterin Deirdre zu befreien, wird dies überdeutlich. Dem Totenreich entkommt niemand. Schließlich wähnt nicht jedem ein freudiges Schicksal in Walhalla …

Zeigt den großen Krieger in Frontansicht, wie er durch einen Wald geht

Nastrand Ausschnitt Seite 25 (Thorkel)

Nastrand erzählt einen klassischen Stoff auf angemessene Weise in ansprechendem Gewand – sogar mit einer Portion Humor in den breitstrichigen Zeichnungen. Nach der Lektüre der Vorlage werde ich das Buch gerne wieder in die Hand nehmen. Empfehlenswert für alle am Thema Interessierten, wer noch unsicher ist, sollte aber besser vorher reinschauen.

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Nastrand

Geschrieben und gezeichnet

Søren Glosimodt Mosdal

Übersetzt

Aus dem Englischen von Christoph Schuler

Genre, Reihe und Leseprobe

Graphic Novel. Klassiker. Sage.
Eine Leseprobe gibt es beim Verlag Edition Moderne (Link).

Noch ein paar Details

Im April 2018 erschienen, ISBN 978-3-03731-175-2, 64 schwarz-weiße Seiten, Hardcover.

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Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten.
Meine Meinung ist davon völlig unbeeinflusst.

Nastrand Cover in schwarz-weiß mit blauem Leinenrand

Nastrand Cover

 

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