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Comic zeigt zwei Männer, die sich mit verstohlenem Blick an den Händen halten - vor einem schaufenster

Ich beginne das Blogjahr 2023 mit einer Rezension zu einem Buch, das ich vor einem Jahr gelesen habe. Und dennoch kann ich mich an die Lektüre von Matthias Lehmanns Comic Parallel sehr gut erinnern. Denn es ist eines der Bücher, die etwas in mir hinterlassen haben. Während des Lesens. Und auch danach. Lest selbst …

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Titel: PARALLEL
Szenario / Zeichnungen: Matthias Lehmann
Erschienen: Oktober 2021
Verlag: Reprodukt
Ausgabe: Hardcover, 464 Seiten, Euro 29, ISBN: 978-3-95640-256-2
Link zum Comic beim Verlag

Parallel © 2021 / Matthias Lehmann / Reprodukt

Zwei Welten

Karl Kling hat sein Leben über Jahrzehnte in zugleich zwei Welten verbringen müssen. In der von der Allgemeinheit akzeptierten, geprägt von Familie und Arbeit. Und in einer im Verborgenen, die seinen eigenen Bedürfnissen entsprach. Als schwuler Mann, der seit der Nachkriegszeit versucht hat, den Schein zu wahren, verliert er unterwegs all das, was in der Gesellschaft so wichtig zu sein scheint. Aber er fühlt nichts als eine große Leere in sich, nachdem er eine Familie gegründet hat. Was war denn nur falsch mit ihm?

Als er lange Zeit danach, schließlich einen Weg findet, sich selbst und seine Gefühle nicht mehr verstecken zu müssen, versucht er auch eine Annäherung an seine Tochter Hella, die den Kontakt zu ihm vor Jahren abgebrochen hatte.

Leerstellen

Parallel hat mich einiges gelehrt. Über das Leben, über Normen und auch über Gesetze, die beispielsweise bis Juni 1994 Homosexualität unter Männern unter Strafe gestellt haben. Erschreckend. Matthias Lehmann hat es mir ermöglicht, an der Seite von Karl Kling einen Einblick in das Leben eines Mannes zu werfen, der sich nach der Liebe zu Männern gesehnt hat. Nach Berührung, nach Liebe, nach Nähe. Und aber den Normen der Zeit entsprechen musste, wenn er nicht im Gefängnis landen wollte.

Lehmann erzählt indem er Leerstellen lässt. Leere in Gesprächen, Auslasser, Ausreden, Notlügen – so entsteht in Parallel eine Atmosphäre, die mir die Chance gab, die große Not Karls spüren zu können. Und natürlich kann das nur eine Ahnung in mir sein, da ich dies selbst so nicht erlebt habe. Das Gefühl aber, den Anforderungen der Gesellschaft entsprechen zu wollen, weil es eben so sein muss und nicht anders, kann auch ich in meinem Leben nachvollziehen.

Sprechblasenlabel mit Aufschrift Auch für Comic-Einsteiger geeignet

Erzählt wird diese Graphic Novel in Rückblenden, in Erinnerungen. Diese zeichnen ein Bild der Verzweiflung, Angst und dem Fehlen von Glücklichsein. Aber Parallel kann auch versöhnen, konnte mich mitnehmen und am Ende … habe ich geweint.

Parallel ist ein außergewöhnliches Buch in grauen trist wirkenden Bildern, die langsam und voller Tiefe in der Gesamtheit mit all den so prall gefüllten leeren Stellen von fast einem ganzen Leben erzählen.

Unbedingt empfehlenswert.

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