Als der bis vor kurzem noch putzmuntere Zirkusdirektor Helios tot in seinem Wohnwagen aufgefunden wird, fรคllt die Polizei voreilige Schlรผsse. Fรผr die Hunde im Dienst fรผhrt der aufdringliche Geruch eines groรen Tieres am Tatort unzweifelhaft zu einem Mitglied der Wanderzirkusses. Schlieรlich muss es sich beim Tรคter auch um eine krรคftige Person handeln, wer sonst hรคtte einen Lรถwen zur Strecke bringen kรถnnen!
So richtig passt das Ganze aber doch nicht zusammen, so holen sich die Ordnungshรผter Unterstรผtzung von Skarabรคus Lampe. Der Detektiv ist deutlich weniger stark voreingenommen. Kaum angekommen, ist fรผr Lampe klar, dass die von den Gerรผchen in Helios‘ Wagen verstrรถmten Farben nicht zum dunkelvioletten Ton (mit etwas ocker!) des von den Spรผrhunden verdรคchtigten Gorillas passen. Auf geht’s, ein Mordfall will gelรถst werden!
Nicht einfach nur ein Whodunnit-Stรผck mit Tieren
Meike Stoverocks Krimi ist bevรถlkert von aufrecht gehenden Tierfiguren – fรผr Fans (wie mich) von Storys mit sprechenden Tieren ein Genuss. Im Handlungsort รberstadt und wohl auch dem Rest der belebten Welt herrscht ein Wirbeltieressverbot, was zumindest dort, wo Gesetze nicht gebrochen werden, zu einem friedvollen Miteinander fรผhrt. Eine erste und schlรผssige Erklรคrung der Autorin, warum Eichhรถrnchen und Tiger sich friedlich zum Tee treffen kรถnnen, ohne dass das kleine rotbraune Nagetier auf dem Kuchenteller vor der Raubkatze liegt.
In Tradition von Terry Pratchett (ja, diesen Vergleich traue ich mich auszusprechen) schreibt die Autorin humorvolle Gesellschaftskritik in ihre liebevoll gestaltete und nur auf den ersten Blick heile Welt. So ist die Polizei ausschlieรlich mit Hunden besetzt, die sich stark von ihrem ausgeprรคgten Geruchssinn leiten lassen und deren einzige Bewaffnung Bananen sind (ich liebe die Bananen-Idee!). Ganz wunderbar sind auch die sehr eigenen Wortweltschรถpfungen, wie die Dreischnecks. Diese Schnecken-Trike-Taxis bewegen sich, ganz im Sinne des uns bekannten Slow Travel-Trends, in extrem langsamer Geschwindigkeit vorwรคrts und sind dennoch gut gebucht.
Auch ist die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Tierarten nicht immer leicht. Ratten beispielsweise werden aufgrund ihrer Unpรผnktlichkeit ungern als Boten gebucht. Ihre bevorzugte Profession wird dadurch beeinflusst, dass sie nun einmal ein anderes Zeitsystem haben als andere Wirbeltiere. Was fรผr eine tolle Idee, um sich mit der Thematik Diskriminierung auseinander zu setzen.
Mit Das Strahlen des Herrn Helios liegt der erste Fall des Hasendetektivs und Synรคstheten Skarabรคus Lampe vor und ich hoffe auf viele weitere davon. Denn der Roman ist durchweg kurzweilig. Es steckt viel Schlรคue, Weitsicht und jede Menge Humor in den Zeilen. Im Grunde ein klassisches Whodunnit-Stรผck mit anthropomorphen Tierfiguren, dieses aber in einer fantasievoll gestalteten Welt mit vielen Winkeln und Ecken fรผr neue Abenteuer. Erdacht von einer Autorin mit viel Feingefรผhl und Spรผrsinn, die nicht in alten Fahrwassern des Genres stecken bleibt und ganz sicher nicht mit einer Banane in der Hand bei der Hundepolizei arbeitet.
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Hallรถchen Sandra,
das klingt ja fast zu gut, um wahr zu sein.
Ich glaube, es wurde Zeit, dass wieder einmal Tiere aufrecht stehen und ein gegenwรคrtiges Gesellschaftsbild mit einem Schuss Humor abbilden.
Das Worldbuilding klingt wirklich gut. Ich habe schon Vermutungen gehรถrt, dass die Fรคlle von Herrn Lampe zu einer Reihe werden kรถnnten. Vielleicht waren es aber auch mehr Wรผnsche. Wer weiร.
Liebe Grรผรe
Tina
Hi Tina
Ich fand es richtig klasse und trotzdem gibt es sicher genug Leser*innen, denen es nicht so gut gefallen hat. Vielleicht probierst du es aus, ich wรคre gespannt auf deinen Eindruck :-) Dass es mehr Bรคnde werden, habe ich auch rausgehรถrt – drรผcken wir mal die Daumen.
Liebe Grรผรe
Sandra