Ich habe einen kleinen Test für euch. Mitmachen könnt ihr, in dem ihr die folgenden vier Fragen mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet:

  1. Ich lese gerne US-Comics im englischen Original und bestelle diese am liebsten noch vor dem Erscheinungstermin.
  2. Ich wälze monatlich den Previews-Katalog und die Sonderkataloge von Marvel/DC. Aus den vielen Vorankündigungen wähle ich aus, was ich vorbestelle.
  3. Für meine vorbestellten US-Comics habe ich ein Fach / eine „Pull Box“ im Comicbuchladen meines Vertrauens.
  4. Für manche Serien schließe ich Abos in meinem Comicshop ab, so kann ich keine Ausgabe verpassen.

Yes No zum Ankreuzen - GrafikIhr kennt das – jetzt kommt die Testauswertung. Zählt einfach, wie oft ihr mit „Ja“ geantwortet habt.

1 oder mehr x „Ja“ = Ihr seid wahrscheinlich bereits Profis und wisst, wie ihr beim Bestellen von US-Comics vorgeht, habt vermutlich Abos laufen und im Lieblingscomicbuchladen seid ihr gut bekannt. Gilt auch, wenn ihr nur online bestellt ;-) Für euch habe ich heute nicht sehr viel Neues im Gepäck. Freue mich natürlich, wenn ihr trotzdem weiterlest und mir gerne auch Feedback gebt.

0 x Ja = Wenn ihr gerne mehr über das Vorbestellen von US-Comics wissen und beim nächsten Testlauf wenigstens 1 x „Ja“ als Ergebnis verzeichnen möchtet, lest weiter. Denn in diesem Teil meiner Reihe Universum der Comics geht es um genau diese Themen. Am Ende solltet ihr gewappnet sein, es mit eurem ersten Previews aufzunehmen!

Los geht’s – Warum überhaupt englischsprachige Comics lesen?

Englischkenntnisse verbessern, festigen und kein „Lost in translation“

„Die kommen doch eh alle auf deutsch raus.“
„Das ist mir echt zu anstrengend – mein Englisch ist nicht so gut, da verstehe ich doch gar nichts.“

Vogelfigur mit Brille, die in einem Wörterbuch liestNur zwei Sätze, die ich durchaus schon gehört habe, wenn es um das Lesen von US-Comics im Original geht. Und ich kann beide ruckzuck entkräften, denn ich habe sozusagen einen Selbst-Test gemacht. Anfang der 1990er Jahre habe ich begonnen US-Comics zu lesen und zwar einige Star Trek-Serien. Ich habe die Comics heute noch, sie stehen gut und sicher aufbewahrt in meinem Comiczimmer. Trotz Abiturs war mein Englisch damals nicht sooo gut – ok, ich hatte es auch in der 12. abgewählt. Aber ich liebte Star Trek seit meiner Kindheit und als ich mitbekam, dass es Comics gab, MUSSTE ich die einfach lesen. Damit hatte ich auch schon die ersten Abos für US-Comics abgeschlossen und mein Englisch verbesserte sich zusehends (mehr dazu auch in Ich und die Comics). Ich hatte zwar ein stark Star Trek-lastiges Vokabular, kannte eher cloaking devices und Brückenkommandos als andere vielleicht lebenswichtigere Vokabeln, aber hey – ich hatte endlich Spaß an der Sprache!

Auch wenn die Übersetzungen heute größtenteils sehr gut sind, bleibt es dabei, dass man mit dem Originaltext halt das Original liest. Logisch. Und damit auch genau das, was der Autor, die Autorin erzählen wollte.

Längst nicht alles, wird auch übersetzt

Mittlerweile leben wir in ziemlich luxuriösen Verhältnissen, was Übersetzungen von US-Titeln ins Deutsche betrifft. Es kommt sehr viel raus, unter anderem versorgen uns der Splitter Verlag, Panini Comics und Cross Cult mit tollem Material. Aber es bleibt immer noch etliches, das nicht auf dem deutschsprachigen Markt erscheint. Und dieses „Schicksal“ trifft auch guten Stoff. Warum diesen also außer Acht lassen, wenn das Bestellen doch so einfach ist?

Previews Katalog, daneben die Marvel-Vorschau und eine Flasche Bier im Garten

Previews im Garten

US-Comics vorbestellen

Previews – was ist das eigentlich genau?

Liebevoll Der Previews genannt ist ein fetter Katalog, der jeweils am Monatsende erscheint und alle Comics auflistet, die in zwei bis drei Monaten erscheinen sollen. Der Previews hat sich über die Jahrzehnte immer mal wieder verändert, kostet inzwischen ein paar Dollar, ich selbst zahle ein paar Euros. Aber es gibt wohl auch Shops, die ihn Abonnenten gratis beilegen. Und Der Previews kommt nicht allein, er bringt auch seine Freundinnen, den Marvel- und seit kurzem auch den DC-Sonderkatalog mit. Beide Verlage haben ihre Neuerscheinungen auf diese Beilagen ausgelagert.

Auch wenn dieser Comicvorschaukatalog in etwa die Ausmaße eines alten Telefonbuchs hat (ich hoffe, ihr kennt die Teile noch), ist er doch deutlich interessanter. Und bunter! Größere Verlage pitchen ihre Titel mit ganzseitigen Ankündigungen, jeder in seinem ganz eigenen Stil, teils gibt es auch Leseproben. Ein bisschen wie ein Modekatalog, nur halt mit Comics und auf weniger hochwertigem Papier.

Der Previews hat ein Wendecover und ein kleiner Teil des Katalogs widmet sich Merchandise. Ziemlich viel cooles Zeug, das meiste davon unterliegt aber Ausfuhrbeschränkungen. Ich weiß, dass es manchmal klappt, etwas davon vorzubestellen – fragt da bitte bei eurem Händler nach. Die wissen am besten, ob sie Erfolg haben könnten oder nicht.

Vorbestellen – warum und wie?

Die zweite Frage ist schnell zu beantworten. Es gibt eine ganze Menge Comicbuchläden und auch Comic-Onlinehändler, bei denen Vorbestellungen über den Previews gemacht werden können. Welche Infos euer Shop benötigt, wie der individuelle Bestellvorgang abläuft, auch das fragt ihr am besten jeweils nach.

Als Beispiel: Ich bestelle immer bei Comix-Hannover und zwar einfach per E-Mail. Dafür liste ich die Titel auf, gebe den Verlag noch mit an und das genügt. Ich könnte aber auch einen handschriftlichen Zettel abgeben oder einfach die Titel reinrufen, wenn ich im Laden bin. Ihr seht – die Möglichkeiten sind vielfältig und ihr klärt es am besten direkt. Weiter unten in der Box findet ihr eine kleine Liste von Comichändlern in Deutschland, bei denen ihr eine Previews-Bestellung abgeben könnt.

Aufgeschlagener Katalog auf den Beinen und an den Füßen plüschige Hausschuhe

Entspannt im Previews blättern – so kann das bei mir aussehen

Und warum ist es nun sinnvoll US-Comics vorzubestellen? Auch recht simpel, denn …

… nicht alle Comics, die in den USA erscheinen, werden auch automatisch von den deutschen Händlerinnen und Händlern importiert. Falls ihr Variant-Coverausgaben, z. B. mit Cover-Art von einem bestimmten Zeichner oder eine Hefte-Reihe bzw. eine Trade-Ausgabe (Trade Paperback = Sammelband) von einem Independent-Verlag haben möchtet, dann ist die Chance nicht sooo groß, dass ihr diese Sachen hier auch bekommt. Da lohnt sich auf jeden Fall eine Vorbestellung. Das ist in den USA übrigens nicht anders. Gleiches gilt für Gratis-Hefte im Rahmen des „Halloween Comic Fest“ oder des „Free Comic Book Day“. Da lohnt sich auf jeden Fall eine Vorbestellung, wenn ihr etwas nicht verpassen möchtet. Infos über Konditionen hat euer Comicbuchladen für euch.

… nicht alle Comics, die in den USA erscheinen sollen, erscheinen auch. Denn, soweit ich weiß, listet der Previews die Titel auf, bevor sie überhaupt in den Druck gehen. Es kommt immer mal wieder vor, dass Comics nicht erscheinen, wenn nicht ausreichend Vorbestellungen eingegangen sind. Dazu zählen natürlich auch die Vorbestellungen, die Comic-Shops für ihr normales Sortiment ordern. Ich habe das schon ein paar Mal erlebt. Auch habe ich ein, zwei Serien, bei denen ich jetzt seit vielen Monaten auf die Fortsetzung warte. Vielleicht kommt sie gar nicht. Mit einer Vorbestellung committet ihr euch zur Abnahme des Comics – nicht nur dem Laden gegenüber, bei dem ihr die Bestellung abgebt, sondern auch dem Verlag. Ist so eine Art Sicherheit für beide Seiten. Meist gibt es für Vorbesteller_innen vom jeweiligen Shop auch etwas Rabatt für die Comics, beispielsweise 10%.

Ich liebe übrigens das Durchblättern des Previews, zelebriere es jeden Monat, mache es mir dafür gemütlich und habe stets ein Auge auf ungewöhnlichere Neuerscheinungen, die ich hier in Deutschland ohne Vorbestellung vermutlich sonst nicht oder nur schwer bekommen würde. Und … die Vorfreude, sage ich euch, die Vorfreude … *Hach* :-D

Wo und wie?

Am Ende dieses Beitrags habe ich einige deutsche Comichändler_innen gesammelt, bei denen ihr eine gedruckte Ausgabe eines Previews bekommt. Auch könnt ihr dort eure Vorbestellung aus diesem Katalog aufgeben und ich gehe davon aus, dass die allermeisten auch den Service von Abos anbieten. Ein Abo schließt ihr dabei immer bei dem Comicladen ab, nicht etwa beim Verlag. Damit spart ihr euch laufende Serien jeden Monat wieder auf die Bestellliste zu schreiben und ihr bekommt die Hefte trotzdem in euer Fach (in den USA heißen diese persönlichen Fächer übrigens Pull Box, falls euch der Begriff mal über den Weg läuft).

Meine Excel-Liste für US-Comicbestellungen

Meine Excel-Liste für US-Comicbestellungen

Um den Überblick zu behalten, führe ich eine Excel-Liste, denn es kann schon vorkommen, dass Comics mal später erscheinen oder ich einfach keinen Überblick mehr über meine fünfdrölfzig Bestellungen und Abos habe. In der Liste dokumentiere ich, was ich bestellt habe, ob ich ein Abo wollte, wann die Comics erscheinen sollen und welche Nummer ich erhalten habe. Das nur als Idee, ihr werdet da bestimmt schnell ein eigenes System entwickeln.
Tipp: Wenn ihr Abos beenden wollt, achtet einfach drauf, wenn im Previews für die jeweilige Serie ein neuer Story Arc angekündigt ist. Damit wisst ihr, dass die laufende Story in der Nummer davor endet und ihr könnt eurem Shop das Signal geben, dass ihr das Abo nicht weiter möchtet. Ich mache das häufig, wenn ich von Heften auf Trades umsteige.

Vorsicht: Wer einmal den Previews durchgeblättert hat, will meist mehr. Wer seinen Comickonsum nicht ausweiten will. Wer lieber gar nicht sehen möchte, was alles so kommt, sollte besser auch den Previews gar nicht erst aufschlagen. Ich war selbst jahrelang „trocken“, bis ich dann vor einigen Jahren wieder einen Previews in der Hand hatte … Ganz schnell kann es dann bei euch auch so aussehen:

Wenn euch interessiert, was bei mir so an neuen Comics reinkommt, folgt mir auf Instagram (Link), dort zeige ich immer meine Neuzugänge.

Ansonsten: Geht in die Comicbuchläden, ruft an, mailt, fragt nach, was möglich ist. Und falls ihr noch Comicbuchladenverkäufer_innen-Berührungsängste habt, lest den ersten Teil in meiner Reihe Universum der Comics – danach sind die Ängste wie weggefegt. Versprochen!

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In jeder Print-Ausgabe des Previews ist auch ein Code für eine digitale Ausgabe. Zusätzlich gibt es aber auch alle Titel auf der Webseite previewsworld.com. Lange nicht so schön, wie der eigentliche Katalog, weil das „Durchblätter-Erlebnis“ fehlt, aber es ist alles da.

Die Kataloge der großen Verlage DC, Marvel und auch die Seiten von Image findet ihr übrigens kostenlos hier auf previewsworld.com: 
digitale Ausgaben der Kataloge von DC und Marvel, außerdem das Angebot von Image (LINK)

Eine Auswahl an Comicbuchläden und Onlineshops, bei denen Previews-Vorbestellungen möglich sind:

Comix-Hannover
Andis Comicexpress (Ahlen)
Black Dog Comics (Berlin)
Bonner Comicladen (Bonn)
Comic Café (Bremen)
Comicland (Dortmund)
Comicroom Hamburg
Fantastic Store (Köln, Mannheim)
Grober Unfug (Berlin)
Hermkes Romanboutique (Würzburg)
Modern Graphics (Berlin)
Sammlerecke (Esslingen)
Ultra Comix (Nürnberg, Erlangen)
X-Comics! (Saarlouis, Saarbrücken)

Außerdem findet ihr auf der Seite vom PPM-Vertrieb eine Händlersuche (Link). Diese gibt aber keine Auskunft darüber, ob ihr bei den jeweiligen Händlern auch US-Comics vorbestellen könnt!

Ihr vermisst euch selbst oder euren Lieblingsladen in der Liste? Dann lasst einen Kommentar da und ich ergänze die Liste.

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