Es ist mal wieder soweit. In Gedanken brennt mir seit einiger Zeit ein Thema unter den Nรคgeln, รผber das ich gerne schreiben mรถchte. Von dem ich erzรคhlen mรถchte, das es meines Erachtens wert ist, mehr Prรคsenz zu bekommen. Prรคsenz in der รffentlichkeit, in der Gesellschaft – im Leben all der Menschen, die dies hier lesen. Es soll drรผber gesprochen werden, niemand soll sich seiner Fรคhigkeiten und Erfahrungen schรคmen mรผssen. Die Mรถglichkeit, dass ihr euch oder Freund_innen, Bekannte, Kolleg_innen in meinen Zeilen wiedererkennen kรถnntet, wenn ich euch von meinen Gedanken und Erlebnissen berichte hat mich beflรผgelt, es jetzt endlich mal rauszuhauen. Und ich werde diesen Beitrag nicht immer und immer wieder gegenlesen, sondern jetzt runterschreiben, ein Foto suchen und dann verรถffentlichen. So.
Worum geht es รผberhaupt?
Um (mindestens) eine Form der „Begabung“, von der ich bis vor wenigen Jahren nie gehรถrt hatte.ย Ich habe lange gebraucht, zu akzeptieren, dass ich da etwas mit mir rumtrage, das tatsรคchlich positiv sein sollte. Fรผhlte es sich fรผr mich doch eigentlich nur an, als wรคre ich „komisch“ und erntete oft ablehnende Reaktionen. Wirkte vermutlich arrogant, merkwรผrdig, unstet und sah Unverstรคndnis und sogar Neider an vielen Ecken. Ebenso lange habe ich รผberlegt, ob ich damit an die รffentlichkeit gehen soll und mich nun entschieden, genau das zu tun. Vielleicht nutzt es ja wirklich jemanden. Ehrlich gesagt … kann ich mir das gut vorstellen ;-)
Ein paar Zeilen รผber mich – eine unstete Persรถnlichkeit. Ich kann doch eigentlich gar nichts richtig.
Ich kenne nur wenige Menschen, die eine behรผtete Kindheit hatten. Die rundum glรผckliche Kinder waren. Die meisten haben irgendwelche Leichen im Keller. Ich gehรถre zu denen mit vielen von diesen Leblosen. Darauf mรถchte ich im Detail hier und heute gar nicht eingehen. Aber es kรถnnte einer der Grรผnde sein, weshalb ich lange, sehr lange, nicht erkannt habe, was eigentlich los ist. Warum ich mich eh immer als etwas merkwรผrdig, nicht liebenswert, nicht wertvoll und รผberhaupt stark fehlerbehaftet gefรผhlt habe.
Bereits mit fรผnf Jahren wurde ich in die Schule geschickt – damals gab es so Untersuchungen in den Gesundheitsรคmter, in denen festgestellt wurde, ob man schon fรผr die Schule geeignet war. Ich habe mich gefreut, war aber immer die Jรผngste in der Klasse und im Nachhinein wรคre ich lieber ein Jahr spรคter eingeschult worden. In den ersten vier Klassen hatte ich Einsen รผberall. Die Klassenlehrerin hat wohl mal gesagt, ich kรถnnte noch besser sein, wenn ich mehr Lust hรคtte. Aha. Davon wusste ich nichts. In meiner Freizeit habe ich nicht nur gelesen, sondern auch Schulbรผcher aus der Bibliothek ausgeliehen, um noch mehr Aufgaben lรถsen zu kรถnnen. Meine Mutter um Diktate und Rechenaufgaben gebeten. Ich habe mit mir alleine Monopoly gespielt, habe sozusagen die Mitspieler_in simuliert – ohne mich dabei zu betrรผgen! Habe stets nach neuen Reizen gesucht, um zu sehen, was passiert: Fahrradfahren mit geschlossenen Augen, Blinde-Kuh-spielen auf einer Wiese mit Baum in der Mitte, Heftnadel in einen Fingernagel getackert und vieles mehr. Eine meiner Lieblingsbeschรคftigungen war mir eine Richtung (rechts oder links) zu รผberlegen und dann mit meinem kleinen Fahrrad ausschlieรlich in diese zu fahren, bis ich partout nicht mehr wusste, wo ich bin oder einfach nur im Kreis gefahren war. Als das langweilig wurde (nach 1-2 Mal) habe ich neue Regeln รผberlegt – zum Beispiel 2 x rechts, 1 x links usw. Selbst wenn ich das heute hier erzรคhle, habe ich noch das Gefรผhl das wรคre alles vรถllig „normal“ und das wรผrde doch sicher jedes Kind machen. Ist das so? Sagt es mir. Erst viele Jahrzehnte spรคter habe ich im Gesprรคch mit anderen bemerkt, dass meine Freizeitbeschรคftigungen wohl nicht unbedingt auf der Lieblingsliste vieler Kinder stehen. Ich fand nie, dass ich etwas besonders gut gemacht hรคtte. Es ging schlieรlich immer noch besser.
Lernen fรผrs Abitur? Keine Ausbildung und รผberhaupt …
Ich mache einen Sprung, denn ich hรคtte so viel Stoff von dem ich erzรคhlen kรถnnte, dass dies gleich ein Roman werden kรถnnte (aber dazu sage ich spรคter nochmal was ;-)ย ). Also mache ich jetzt ein paar grรถรere Sprรผnge, um euch zu zeigen, was so los ist und war in meinem Leben.
Nach der Grundschule fielen meine Zensuren, mein Fokus richtete sich auf Jungs und viele andere interessantere Dinge. Die Schule war langweilig und ich kam da schon durch. Dann stand das Abitur an und wir hatten gefรผhlt viel zu viel Zeit zum Lernen. Ich hatteย keine Ahnung, was ich mit dieser ganzen Lernzeit tun sollte!? Alle lernten, also setzte ich mich hin und versuchte es ebenso. Ich wollte doch nur so sein, wie die anderen auch, wollte liebenswert sein. Ich erinnere mich noch, dass ich nach wenigen Stunden fertig war und nicht wusste, was ich jetzt noch mit den vielen Wochen Lernzeit anfangen sollte. Habe dann halt was anderes gemacht. Und dann das Abitur bestanden. Und … es war mir immer irgendwie unangenehm.
Es schloss sich einiges an, zusammengefasst kann ich sagen, dass ich nichts lรคnger als wenige Monate gemacht habe. Studium – abgebrochen. Ausbildung – abgebrochen. Jobs – meist fรผr drei Monate – dann – abgebrochen. Wenn ich dann mal lรคnger in einem Job war, habe ich es schnell in Positionen gebracht, fรผr die eigentlich eine bestimmte Ausbildung nรถtig war. Warum habe ich nie verstanden.ย Ich war unter anderem: Softeisverkรคuferin, kaufmรคnnische Angestellte in einer Gutschriftenabteilung, Kommissionierin in einem Lager, Marktforscherin, Zeitschriftenzustellerin, Fahrerin, Alleinkraft im Bรผro eines kleinen Betriebs, Supporterin in der IT (Linux, Privat- und Businessbereich), Teamleiterin, Verantwortliche fรผr englischsprachige Beschwerden,ย stellvertretende Managerin in einem IT-Servicecenter, Softwaretesterin und seit vielen Jahren jetzt Managerin im Bereich Softwaretest. Ein Studium oder eine Ausbildung habe ich bis heute nicht. Ich fรผhlte mich stets wie eine Hochstaplerin, kenne das Gefรผhl auch heute noch.. Hatte immer hintergrรผndig Angst, irgendjemand kรถnnte bemerken, dass ich ja eigentlich gar nichts kann. Irgendwie nur zufรคllig an den Job gekommen wรคre. Und wenn dann mal jemand wirklich merken wรผrde, was da eigentlich los ist, ich ganz schnell den jeweiligen Job los wรคre. Oft wurde und werde ich gefragt, was ich studiert habe, welche Ausbildung fรผr den Job nรถtig ist. Ich bin nicht die einzige Quereinsteigerin, trotzdem ist es mir immer auch ein wenig peinlich zu sagen, dass ich im Grunde nichts „gelernt“ habe.
So langsam bin ich aufgewacht, beginne zu erkennen
In den letzten Jahren kam in Gesprรคchen mit Therapeuten, Freunden, Bekannten immer mal wieder das Thema Hochbegabung zur Sprache. Das war mir unheimlich. Jetzt hatte ich also die Hochstapelei schon so weit gebracht, dass ich mein Umfeld von einer Hochbegabung รผberzeugt hatte? Wow. Aber mal ehrlich, wie bitte? Damit konnte unmรถglich ich gemeint sein. Ich war doch total chaotisch, verzettelte mich, tat tausend Dinge gleichzeitig, ohne auch nur eine davon wirklich zu kรถnnen. Manchmal verstehe ich etwas nicht, wenn es fรผr mich unlogisch ist – es passiert, dass ich nach Stunden dann begreife, dass ich mit meinen Gedanken viel zu weit vorgerannt bin und deshalb gar nicht wusste, worรผber gesprochen wurde. Ich hatte – sozusagen – รผberholt. Es kommt vor, dass ich mich sprachlich nicht klar รคuรern kann, weil so viele Mรถglichkeiten in meinem Kopf rumschwirren. Das sind dann Momente, in denen ich mich komisch fรผhle und auch hilflos, weil ich mich einfach nicht verstรคndlich (mรผndlich) ausdrรผcken kann. Ein paar Minuten spรคter kann das schon wieder anders sein.
Ich lernte, dass dies alles zum „Typus“ des Vielbegabten oder auch Scannerpersรถnlichkeit gehรถrt. Dass es sich um allzu deutliche Merkmale handelt. Und das alle meine komischen Angewohnheiten, die stรคndige Suche nach meiner „Berufung“ und das Gefรผhl doch gar nichts zu kรถnnen und nur „so zu tun als ob“ gar nichts Negatives sind, sondern etwas ganz Tolles. Etwas, mit dem ich leben kann. Wenn ich nur lerne, damit umzugehen und es zu akzeptieren.
In diesem Prozess befinde ich mich nun schon seit einiger Zeit. Es gibt so unzรคhlige Dinge, von denen ich erzรคhlen kรถnnte. Habe ich meine vielen Freizeitbeschรคftigungen schon erzรคhlt? Oder dass es mich langweilt Bรผcher mehrmals zu lesen? Dass ich stรคndig Abwechslung brauche? Immer neue Ideen habe und … eine davon ist einen autobiografisch basierten Roman zu schreiben? Verrรผckt? Mag sein. Aber so bin ich. Und so langsam – seit circa Mitte 40 – beginne ich es zu verstehen und zu akzeptieren.
Das war jetzt ein langer Text. Sehr viel lรคnger als ich geplant hatte. Und ich kรถnnte immer und immer weiter schreiben. Da fรคllt mir ein, ich sollte was trinken. Aber erst einmal mรถchte ich euch alle etwas fragen:
Habt ihr Erfahrung mit den Themen Hochbegabung, Vielbegabung, Hochsensibilitรคt. Ich habe jetzt noch nichts รผber die Hochsensibilitรคt erzรคhlt, aber … da kรถnnte ich auch noch so einiges beitragen *seufz*.
Und: kennt ihr vielleicht sogar Romane, die sich mit diesen Themen beschรคftigen? Oder muss ich tatsรคchlich selbst einen schreiben? *lach*
Habt ihr euch vielleicht selbst an einigen Stellen im Text wiedererkannt? Wisst ihr, dass ihr „komisch“ seid und lebt glรผcklich damit? Erzรคhlt mir bitte von all diesen Dingen. Ich mรถchte mich austauschen, euch kennenlernen.
Und ganz wichtig: Ich hoffe, ich habe euch mit meinem Text jetzt nicht verscheucht, euch keine Angst gemacht, euch nicht verunsichert. Ich mรถchte mich damit ganz und gar nicht in den Mittelpunkt stellen. Nicht sagen, hey – ich bin was Besseres oder รคhnliches. Im Gegenteil, ich mรถchte zeigen, dass ich selbst ein Problem damit habe, dass mir vieles „leicht“ fรคllt und ein Leben damit nicht unbedingt ein leichtes ist. Lasst mir eure Meinung da. Das bedeutet mir sehr viel und ich freue mich sehr darรผber :-)
Achja – und mรถchtet ihr mehr darรผber und mich erfahren? Ich habe doch bis jetzt nur *รคhem* x Rubriken hier im Blog und kรถnnte locker noch mehr unterbringen. Ehrlich – ich brauche das, ihr mรผsst nur leider immer etwas warten, bis in einer der Rubriken was Neues kommt :-D
Weiterfรผhrende Infos findet ihr beispielsweise bei Anne Heintze von der Open Mind-Akademie. Ich lese unter anderem gerade ihr Buchย Auf viele Arten anders und finde mich in so vielen Zeilen wieder. Es sind schon viele Trรคnen geflossen, weil ich mich so sehr wiedererkannt habe. Wenn ihr mรถchtet, findet ihr auf der Seite auch einen Selbsttest, der unter anderem in diesem Beitrag verlinkt ist:ย Open Mind Akademie – Bist du eine Scannerpersรถnlichkeit (Link).ย Laut Anne Heintze sollen 10% der Menschen vielbegabte Scannerpersรถnlichkeiten sein.
Hallo Sandra,
wo soll ich anfangen… Ich habe erst gestern herausgefunden, dass es sowas wie Scanner gibt. Und da sich dadurch einiges in meinem Leben erklรคrt kann ich seit dem Moment an nichts anderes mehr denken, als alles darรผber zu erfahren (Scanner halt ;-) )
Und da bin ich auch รผber deinen Eintrag zu dem Thema gestolpert.
Auch ich habe mehr interessen (zumindest kurzfristig) als der Tag Stunden hat. Es war bei mir auch schon seit jeher so. Da mich aber niemand darauf angesprochen hat, dass ich vielleicht etwas viele Dinge gleichzeitig mache, ist es mir auch nicht aufgefallen, das andere das nicht machen.
Ich hatte nur auch immer den Eindruck, dass mich mal jemand durchschaut und feststellt, das ich keine Ahnung von dem habe, was ich gerade mache. Auch wenn ich die meisten Dinge abschliesse(wie mein Studium). Ich neige eher dazu(natรผrlich nicht bei allem), dass ich die Dinge auch zuende bringe.
Ein groรer Unterschied zu dir ist allerdings, das ich beruflich nicht weiter komme. Ich wollte immer nach kurzer Zeit in meiner Firma etwas anderes machen, oder „vorankommen“ was mir aber nie ermรถglicht wurde. Dann habe ich mir wieder eine andere Firma gesucht. Und dort ists von Vorne los gegangen…
Na gut, lange rede, kurzer Sinn: ich werde mich einmal weiter in das Thema stรผrzen und mรถchte mich bei Dir bedanken, dass Du mir auf meiner Reise weitergeholfen hast!
Lg
Christian
Lieber Christian,
danke fรผr deinen Kommentar, ich kann gut nachfรผhlen, was du berichtest. Und ich freue mich sehr, dass ich eine Station auf deiner Reise sein darf. Es gibt eben keinen festen Weg und kein Geheimrezept. Jede/r ist individuell und hat eine eigene Reise vor und auch hinter sich. Ich weiร nur, dass sich alles etwas leichter anfรผhlt, wenn man spรผrt, dass es mehr Menschen gibt, die รคhnlich ticken und von deren Wegen und Erlebnissen hรถrt. Das kannst du vermutlich nachvollziehen :-)
Alles Gute weiterhin auf deinem Weg und hab noch eine schicke Woche!
Liebe Grรผรe,
Sandra
O..M…G. Ich wusste wir haben viele Gemeinsamkeiten, schon allein von unserem Charakter her, aber das es SO viele sind (bis auf die Vielzahl von Jobs). Wir haben ja schon einmal darรผber gesprochen, wenn auch nur oberflรคchlich, aber schon da sind wir zu dem Schluร gekommen, dass wir Hummeln im Arsch haben, auf X Hochzeiten gleichzeitig tanzen..etc.
Zu den Hochbegabten gehรถre ich mit Sicherheit nicht, eher zu den chaotischen Chaoten mit tausend Dingen im Kopf, die sich beim Reden verhaspelt weil mein Hirn schneller denkt als ich sprechen kann (jaa, das passiert mir immer wieder).
Trotzdem ist es fรผr mich schรถn zu wissen, dass es dort drauรen jemanden gibt, der es versteht so zu sein und ich nicht alleine bin und dafรผr mรถchte ich Dir danken. Du bist einfach ein ganz toller und besonderer Mensch!!
Liebe Grรผรe aus Wien
Conny die Hummel ;-)
Hey Hummel :-D
Wie gesagt, ein Stempel muss nicht unbedingt drauf. Auch wenn er (bzw. die Stempel) mir geholfen hat. Schรถn ist, zu erkennen, dass es mehr gibt, wie man selbst ticken und z. B. ebenso chaotisch sind und trotzdem wertvoll :-)
Ich kenne all das, was du erzรคhlst sehr gut. Wie oft, weiร ich plรถtzlich nicht, wie ich etwas erklรคren soll. Oder habe das Gefรผhl, mein Denken ist zu wirr, als dass es noch sinnvoll sein kann. Es hilft, zu wissen, dass wir nicht alleine sind :-*
Danke fรผr deinen lieben und ehrlichen Kommentar, das bedeutet mir ganz viel!
LG,
Sandra – HummelBrummsel :-D
Hey ho,
erstmal finde ich es mutig, dass du hier offen รผber das Thema schreibst. Du bist definitiv keine Hochstaplerin. Du hast ja nie gelogen, was z.B. Abschlรผsse betrifft. Ich habe vor ein paar Monaten mal eine Talkshow gesehen und da war eine Frau zu Gast, die ihr „Psychologie“-Diplom gefรคlscht hatte. und dann bekam sie halt allerhand gute Jobs wie z.B. Oberรคrztin in einer Klinik und das obwohl sie รผberhaupt keine Ahnung von psychischen Erkrankungen hatte. Das fand ich dann schon sehr befremdlich. Es ist ja eine Sache, Leute zu „belรผgen“ aber es ist nochmal eine andere, wenn auch Dritte von dieser Lรผge betroffen sind.
So, ich hoffe ich drรผcke mich jetzt einigermaรen richtig aus und springe nicht in irgendwelche Fettnรคpfchen: Es freut mich sehr, dass du weiรt, was mit dir los ist. Ich habe vor Jahren mal einen Bericht รผber Hochbegabung gesehen, kann mich aber leider nicht mehr wirklich daran erinnern. Von dem was du erzรคhlst, hat es mich entfernt auch an ADHS erinnert. Hier haben die Leute ja ebenfalls das Problem, sich nicht lรคnger auf Themen konzentrieren zu kรถnnen. Ich habe tatsรคchlich eine Freundin mit der ich neulich auch รผber das Thema Hochbegabung gesprochen habe. Sie hat durchweg sehr gute Leistungen und setzt sich auch sehr ausfรผhrlich mit Themen auseinander und muss quasi „nicht viel tun“ um eine gute Note zu bekommen. Kommilitonen halten sie dann fรผr eine Streberin. Und Dozenten meinen, sie hรคtte bei ihren Referaten schon den „Bachelorarbeit“-Anspruch erreicht. Allerdings meinte sie auch – und das kann ich auch irgendwo nachvollziehen – dass es ihr auch nicht wirklich hilft, zu wissen, Hochbegabt zu sein. Weil sich dann ja trotzdem nichts in ihrem Leben รคndert und es ja sehr wenige Menschen mit einer Hochbegabung gibt, sodass sie dann wahrscheinlich immer noch „allein“ wรคre. Andererseits habe ich bisher auch Leute kennen gelernt – allerdings in Bezug auf Erkrankungen – die froh waren, endlich zu wissen, was genau sie haben.
Und: Ich finde es auch nicht spannend, Bรผcher zweimal zu lesen. Ich habe in letzter Zeit das ein oder andere Buch „nochmal“ gelesen, weil ich es fรผr meinen Blog rezensieren wollte. Aber ich gehรถre auch nicht zu den Leuten, die z.B. die Harry Potter Reihe einmal im Jahr gelesen haben mรผssen.
viele Grรผรe und ein schรถnes Wochenende wรผnscht
Emma
Liebe Emma,
vielen Dank fรผr deinen ehrlichen Kommentar. Ich konnte keine Fettnรคpfchen entdecken ;-)
Ich denke, es ist nicht unbedingt relevant, welcher „Stempel“ nachher draufsteht. Wenn denn รผberhaupt einer gesetzt wird. Aber egal, ob ADHS, Hochsensibilitรคt, Hochbegabung, Vielbegabung – in jedem Fall ist es gut zu verstehen, dass man selbst eben doch etwas wert ist und auch seine eigenen Leistungen mehr sind als man selbst befรผrchtet. Ich weiร von einigen, die in Trรคnen ausgebrochen sind, als sie zum ersten Mal davon hรถrten bzw. lasen, dass auch andere sich รคhnlich fรผhlten (wie z. B. in meinem Fall als Hochstapler_in). Und dass man selbst gar nicht vรถllig verrรผckt, wertlos und auch ohne jegliche Fรคhigkeiten durchs Leben lรคuft, sondern eher das Gegenteil der Fall ist. Endlich eine Erklรคrung zu haben, warum man sich selbst nicht auf eine Profession festlegen kann. Warum man selbst nie weiร, ob etwas wirklich das Richtige fรผr einen ist. Warum man oft das Gefรผhl hat, gar nichts getan haben zu mรผssen. Erkenntnisse dieser Art haben mich sehr gerรผhrt und kรถnnen es auch immer wieder. Es ist das Gefรผhl, „doch etwas wert zu sein“, was dazu fรผhrt. Ich hoffe, ich habe das in etwa verstรคndlich ausdrรผcken kรถnnen. All das, was du geschrieben hast, stimmt auรerdem und ist dadurch keinesfalls
falsch!
Ganz liebe Grรผรe,
Sandra
Es gibt ja Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass besonders intelligente Menschen nicht selten dazu neigen, sich selbst zu unterschรคtzen oder sich einfach ihr Leben verkomplizieren, indem sie sich um alles zu viele Gedanken machen.
Ein schรถnes Beispiel zur Illustration ist wohl das Elfmeterschieรen, bei dem man ja immer sagt, dass es gefรคhrlich wird, wenn die Schรผtzin oder der Schรผtze mit dem Denken anfรคngt, statt das Ding einfach reinzuhauen.
;-)
Kennst du das Buch „Endlich Nichtdenker“? Nur mal so als Tipp :-D
LG,
Sandra
Liebe Sandra,
ein sehr ehrlicher und interessanter Einblick, danke dafรผr :)
Sehr gerne lese ich noch viel mehr darรผber.
Ich denke nicht, dass ich hochbegabt bin, dafรผr war ich in vielen Schulfรคchern viel zu schlecht, haha. Das lag aber auch an meiner Lernfaulheit, ich wusste teilweise gar nicht mehr, worum es im Unterricht รผberhaupt geht.
Wenn mich Themen nicht interessieren KANN ich einfach nicht mehr darรผber erfahren. Will ich halt gar nicht. Themen, die mich reizen, mit denen kรถnnte ich mich allerdings wochenlang ausschlieรlich beschรคftigen und dann werde ich richtig wรผtend, wenn mir Infos fehlen oder ich nicht durch steige (wie aktuell bei der ganzen Marvel-Sache und den Marvel & DC-Comics).
Ich bin auch immer auf der Suche nach neuen Reizen, das kann ich also ganz gut nachvollziehen.
Liebe Grรผรe,
Nicci
Liebe Nicci,
vielen Dank fรผr deinen Kommentar :-)
Hochbegabung hat nicht unbedingt was mit guten Schulnoten zu tun – oft sogar genau im Gegenteil. Ich bin z. B. in manchen Fรคchern auch mal auf ’ner 5 gewesen.
Mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und immer flexibel zu sein ist eine tolle Einstellung, die ich absolut teile.
Ob man bei Marvel รผbrigens jemals durchsteigen kann … bezweifle ich fast ;-)
Liebe Grรผรe,
Sandra
Stimmt, jetzt wo du es sagst macht es Sinn.
Hat auch ein bisschen was von Inselbegabungen, was ich eher vom Autismus kenne.
Haha :-D Ich wรผrde aber wirklich sehr gerne durchsteigen! Manchmal finde ich das selber anstrengend.
Hallo Sandra,
nachdem ich einige der Tests gemacht habe bin ich wohl ein introvertierter, hochsensibler Scanner. Zum Glรผck wollte ich meiner Mutter wohl beweisen, dass ich wohl eine Ausbildung durchziehen kann. Als Kind durfte ich meinen Interessen stรคndig nicht nachgehen, da ich ja nichts durchhalte (Begrรผnding meiner Mutter).
Auch bei Aufsรคtzen habe ich in der Schule immer nur eine 4 bekommen. Der Grund: Gedankensprรผnge. Ich habe immer alle anderen abgehรคngt.
Lernen ist aber auch aktuell wieder ein Horror und ich muss mich einfach nur durchbeiรen, um im Studium dabei zu bleiben. Bei manchen Fรคchern liegt das Problem dabei tatsรคchlich, dass ich zu weit denke. Andere sind einfach so uninteressant. Da tรผfeltel ich lieber an Problemen rum, im mรถglichst eigenen Tempo.
Liebe Grรผรe
Ariane
Hey Ariane,
ich bin ja immer noch รผberzeugt, dass du sehr strukturiert bist und Aufgaben gut und sicher zu Ende bringst :-) Wie ich schon Christin im Kommentar schrieb, sind die „Schubladen“ eher Anhaltspunkte, um das eigene Wesen zu verstehen. Ich habe schon oft vor Rรผhrung geweint, da ich mich selbst in Berichten anderer erkannt habe und damit wusste, dass ich doch nicht vรถllig nutzlos, verwirrt und irre bin. DAS hat mir geholfen.
Zu weit denken, kenne ich sooo gut. Und … wir kennen uns ja lange genug, dass mir schon lange klar war, warum wir uns gut verstehen :-D
LG,
Sandra
Wie versprochen, da bin ich :D
Also ich bin nicht hochbegabt. Glaub ich zumindest …
Denn in einigen Punkten hab ich mich wieder erkannt. Nicht in denen, wo man quasi nix machen muss, um einen Test zu bestehen. Eher darin, dass ich ein extrem gutes Gedรคchtnis hab, was Texte und Zahlen angeht. Kennst du dieses „Tests“ wo man prรผft, was fรผr ein Lerntyp man ist? Visuell, audio, etc? Also mir ist damals (und meiner Lehrerin) aufegfallen, dass ich mir allein vom hรถren ganze Textpassagen/Abschnitte 1:1 merken kann. Das brachte Aufmerksamkeit. Die wollte ich nicht, also hab ich es unterbunden.
Gleiches gilt fรผr Zahlen. 7-9 Klasse hat meine Lehrein mir klar gemacht, dass ich nix kann, meine Wege falsch sind etc… also wird man schlecht in Mathe. Ich musste zur Nachhilfe. Dort flutschte es, da der Lehrer MEINE Wege auch akzeptierte. Oberstufe > neue Lehrer in Mathe und Physik *schwupp* mein Interesse war wieder da und ich wurde besser. Physik (und Astronomie) wurden meine Lieblingsfรคcher … nur durfte man als Mรครครครคdchen so was ja nicht toll finden. Zum Glรผck hat mein Physiklehrer das gemerkt (also meine Zurรผckhaltung) und mich immer beiseite geholt und gelobt. Mathe war in der Abiprรผfung mein bestes Fach bei den Ergebnissen!
Gleiches gilt bei Sprachen. Ich mag Fremdsprachen, kann aber (noch) nicht รผber meinen inneren Schatten springen. Latein, fand ich super einfach und musste nie viel lernen. English… nun da hatte ich mal eine Trotzphase… ergo gerade Grammatik musste ich mir spรคter viel selbst beibringen. Vor ein paar Jahren wollte ich Franzรถsisch lernen: Nach 2 Wochen war meine Lehrerin total begeistert von meiner Aussprache, habs aber nei vertieft, also im Sande verlaufen …
Was ich sagen will: Du bist nicht allein und gerade solche Menschen, die so rasch „lernen“ hab ich immer beneidet. Im Positiven. Mein Kopf war zu viel mit privaten Problem voll, dass fรผr Lernstoff meist kein Platz mehr war :(
Zudem wollte ich keine Aufmerksamkeit. Man sagt(e) mir zwar immer nach, dass ich in gehobene Positionen muss, da ich dafรผr geschaffen bin… aber hach, die Verantwortung und so *hรผst*.
*flausch* dich :D
Hi :-)
„Glaub ich zumindest …“ :-D
Im Grunde sind es ja auch „nur“ Schubladen, in die sich niemand stecken lassen muss und auch nicht stecken lassen sollte. Wichtiger ist die Erkenntnis, das ganz viele da Drauรen รคhnlich ticken und man selbst gar nicht so merkwรผrdig ist. Und … sich nicht schlecht dabei zu fรผhlen, wenn man etwas gut kann. Es vielleicht sogar sehr schnell und auf andere Art und Weise kann. Alleine die Tatsache, dass wir das Wort „Begabung“ nicht annehmen wollen, sagt ja schon viel aus. Damit verbinden wir sicher ganz andere Dinge, als unser – oft ja von anderen als mangelhaft angesehenes – Verhalten. Die
Vielen lieben Dank fรผr den Einblick in deine ganz persรถnliche Geschichte. Ich erkenne vieles wieder.
Liebe geflauschte Grรผรe,
Sandra
Ein Beitrag, zu dem man gleichzeitig so viel und doch so wenig sagen kann. Ich zumindst… Darum lasse ich Dir das hier da: โฅ
Danke, Miriam:-*
Ich weiร, dass der Beitrag etwas wirr ist. Ich habe es bewusst flieรen lassen, denn genau so fรผhle ich mich hรคufig.
LG,
Sandra
Huhu Sandra,
toll, dass es noch andere Menschen gibt, die genauso veranlagt sind wir ich.
Mehrfachbegabung und Hochsensibilitรคt lerne ich gerade hier in der Therapie anzunehmen und damit zu leben.
Fรผr mich nicht ganz einfach und oftmals sehr verwirrend.
Deine Simone
Liebe Simone,
noch eine Gemeinsamkeit also :-* Ich bin schon gespannt auf deine Erkenntnisse, wenn wir uns nรคchstes Mal treffen.
LG,
Sandra
Hallo :)
รHHHHHM. Entschuldigung. Aber.
Du hast da gerade MEIN Leben nacherzรคhlt.
Ich weiร grad gar nich was ich sagen soll. Eigentlich kann ich dir fast das selbe erzรคhlen, was du grad erzรคhlt hast haha.
Ich bin wahrscheinlich auch hochbegabt, aber wollte es lange Zeit nicht wahr haben, aus verschiedenen Grรผnden. Ich hatte keine schรถne Schulzeit und wurde auch nicht unterstรผtzt- im Gegenteil. Hab auch mein Abi ohne Lernen bestanden und in der Schulzeit nie Hausaufgaben gemacht. Dafรผr bekam ich allerlei 6er und war Stammgast beim Nachsitzen.
Hab mal bei der Mathematik Olympiade so gut abgeschnitten, dass ich eine Einladung fรผr eine Schule fรผr Hochbegabte bekam, an die ich aber nie gegangen bin.
Bin direkt nach der Schule nach รsterreich abgehaun, hab immer gearbeitet, hatte kein Geld, hab dann 2 x mein Studium abgebrochen, weil ich immer noch meinen kompletten Lebensunterhalt irgendwo herbekommen musste und das sich nicht gut mit Seminaren vertrug…. und bin dann durch meinen eigenen sozialen Abstieg Sozialarbeiterin geworden. (Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade draus :D )
Mir geht es so, dass ich mit den einfachsten Dingen รผberfordert bin und mich Menschen oft komisch finden, weil ich ganz einfache Sachen nicht auf die Reihe bekomme oder verstehe, aber dafรผr kann ich extrem komplexe Sachverhalte verstehen und runterbrechen. Hab mal bei einem meiner Sozialarbeit Jobs noch nebenbei das IT Netzwerk verwaltet und an neuen ERP Lรถsungen gearbeitet. (Meine Liebe gilt รผbrigens auch der IT)
Bin mir auch nicht sicher ob mein Verhalten noch unter Scanner fรคllt, oder ob ich eher schon manisch depressiv bin. Es ist schon sehr extrem mit mir manchmal, haha.
Ich schleiche schon die ganze Zeit um das Buch: Kassandras Schleier: Das Drama der hochbegabten Frau herum. Gibs รผbrigens auch im Bloggerportal. Wenn du mรถchtest, kรถnnen wir es auch zusammen lesen. <3 Oder falls du dich noch mehr und privater austauschen mรถchtest, schreib mir ein Email.
Hallo und erst einmal danke fรผr deine Offenheit. Ich spรผre geradezu das – darf ich sagen – durchgeknallte Wesen in dir. Fรผhlt sich an wie ein Text, den ich hรคtte geschrieben haben kรถnnen. Ich musste immer wieder schmunzeln. Die Mathematik-Olympiade erinnert mich an meine Mathe-Klausuren in der Oberstufenzeit. In einem Halbjahr wurden zwei Klausuren geschrieben und ich schrieb regelmรครig in einer eine 6 und in der zweiten eine 1. Bzw. in einer eine 5 und in der anderen eine 2. Kein Lehrer konnte das verstehen. Ich auch nicht wirklich. Im Grunde war es mir aber auch egal, denn ich hatte ja zumindest im Mittel immer noch eine 3 :-D
Es ist so schรถn, sich zu erkennen und ich freue mich sehr, dass du hier vorbeigeschaut und mir dann noch diesen tollen Kommentar dagelassen hast!
Und der Buchtipp ist ja mal genial, ich habe gerade schon ein Exemplar angefordert. Sehr gerne kรถnnen wir es zusammen lesen und unsere Eindrรผcke teilen. Ich werde aber dafรผr lรคnger brauchen – lese ja gerade noch sieben andere Bรผcher *lach*. Freue mich sehr darauf!
Liebe Grรผรe,
Sandra