Comics, Phantastik
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American Gods. Schatten – Buch 1|2. Comicadaption.

American Gods-Comic neben dem Roman American Gods

Schatten

Shadow war noch nicht lange mit seiner Frau Laura verheiratet, als er verurteilt wurde und in den Knast musste. Nach drei Jahren Haft steht nun seine Entlassung an und er freut sich darauf, endlich nach Hause zu kommen. In die kleine Wohnung und zu seiner geliebten Frau. Doch Shadow darf wider Erwarten eher gehen, denn etwas Unfassbares ist geschehen – Laura ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Auf dem Weg zu ihrer Beerdigung im Kaff Eagle Point begegnet er Mr. Wednesday, der ihm plötzlich im Flieger einen Job anbietet. Er scheint Shadow zu kennen, weiß vom Tod seiner Frau und auch von seinem Gefängnisaufenthalt. Als der Weg der beiden sich trennt, Shadow aus dem Flugzeug aussteigt und Mr. Wednesday an Bord bleibt, dauert es nicht lange, bis letzterer wie aus dem Nichts in der Toilette einer Bar wieder neben Shadow steht. Hier stimmt etwas nicht. Soll Shadow das Jobangebot annehmen? Wie konnte dieser Mann überhaupt so mal eben in der Bar auftauchen? Eins ist klar – Shadow kann ihn nicht leiden. Aber den Job nimmt er an …

Back to the roots

Neil Gaiman startete ursprünglich mit Comics und kehrt mit der Adaption seines 2001 erschienenen Romans „American Gods“ wieder einmal zu seinen Wurzeln zurück. Den Roman habe ich vor vielen Jahren mit Genuss gelesen, die TV-Serie voller Vorfreude verfolgt. Auf die Comicumsetzung war ich nicht minder gespannt, schließlich gehört Neil Gaiman zu meinen Lieblingsautoren.

Ehrlich gesagt, war ich auf den ersten Blick enttäuscht und auch die ersten paar Seiten halfen da noch nicht. Ich war irritiert von dem fast maschinell wirkenden Lettering der Texte. Von den unambitioniert wirkenden Farben und Zeichnungen. Und von den hölzern auftretenden Figuren. Da hatte ich anderes erwartet. Aber was eigentlich? Was habe ich denn erwartet? Die Antwort hatte ich nicht parat und so las ich einfach erst einmal weiter. Zum Glück! Denn noch im ersten Kapitel der enthaltenen fünf fügte sich der steril wirkende Stil und die bekannte geniale Story wie von selbst zusammen. Beides ergab nun eine Einheit, die Geschichte fing an zu leben. Und dafür mussten die Panels nicht plötzlich bunt sein und die Zeichnungen keine andere Optik haben. Ihr kennt das Gefühl vielleicht, wenn auf einmal alles so zusammen passt, dass ihr voll in der Story aufgeht. Genau so war es.

Nach den ersten 20 Seiten merkte ich, dass mich der Comic trotz seiner sachlich wirkenden Erzählweise voll im Griff hatte. Wie hätte ich auch anderes erwarten können bei einer solchen Vorlage?

Ausschnitte aus dem Comic

American Gods 1, Seite 4

Artwork auf eigenen Wegen

Meine Lektüre des Romans liegt lange zurück, vielleicht erinnert mich daher die Comic-Adaption sofort an die TV-Serie. Glücklicherweise geht Zeichner Scott Hampton aber eigene Wege in der Darstellung der Charaktere und beißt sich hier nicht an den Seriendarstellern fest. Ganz hervorragend gefällt mir die Idee, die „Einspieler“, in denen aus der Vergangenheit erzählt wird, jeweils anderen Künstlern zu übergeben. So wurde „Irgendwo in Amerika“ von P. C. Russell und Lovern Kindzierski und „Unterwegs nach Amerika“ von Walter Simonson, Laura Martin und Colleen Doran umgesetzt. P. Craig Russell war für das Skript verantwortlich.

Insgesamt ist der Comic eine gute gelungene Umsetzung eines hervorragenden phantastischen und nicht ganz einfachen Romanstoffs. Natürlich sehr gekürzt, aber passend visualisiert, auch wenn es zunächst nicht den Eindruck macht.

Ich persönlich bin übrigens froh, dass Shadows Frau Laura auf den 144 Seiten relativ kurz kommt und wesentlich ruhiger ist als in der TV-Umsetzung. Selbst im Buch fand ich sie nervig … Glänzen kann der Comic durch seine Vielfalt, den verschiedenen Styles und die gelungenen „Einspieler“. Außerdem bin ich dankbar für die 7-seitige Covergalerie am Ende. Denn nun weiß ich, dass ich einen Zeichner stalken muss: David Mack! Sein Variantcover von Heft #2 ist mein absoluter Favorit (Cover auf der Dark Horse-Webseite).

American Gods ist nicht nur für Fans von Neil Gaiman empfehlenswert, sondern auch für alle, die anspruchsvolle phantastische Literatur mögen. Wobei – diese Personen kommen an Neil Gaiman eh nicht vorbei. 🙂
Weiter geht es dann im Mai 2018 mit Buch 2|2.

American Gods. Schatten – Buch 1|2

Getextet und gezeichnet von

Neil Gaiman, P. Craig Russell, Scott Hampton u. weitere

Genres und Leseprobe

Graphic Novel, Roman-Umsetzung, Phantastik
Leseprobe auf der Webseite des Splitter Verlags: American Gods. Schatten – Buch 1|2

Noch ein paar Details

Erschienen 22.10.2017 im Splitter Verlag, ISBN 978-3-96219-001-9, 144 Seiten, Hardcover, Farbe

Cover von American Gods 1

2 Kommentare

  1. kaisuschreibt sagt

    Weißt du ob in den beiden Comics die komplette Handlung zeichnerisch umgesetzt wird/wurde? Oder nur ein Auszug?
    Bin grad am Buch dran und das ist ja schon ein ordentlicher Schinken!

    • booknapping

      Ehrlich gesagt, liegt meine Lektüre so lange zurück, dass ich mich nicht an alle Details erinnere. Ich bin aber recht sicher, dass nicht die gesamte Handlung umgesetzt wurde bzw. wird. Besser kann das vielleicht NadelNerd sagen, da sie den Roman auch gerade liest.

      LG,
      Sandra

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