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Science Fiction / Highlights

Athos 2643 – Nils Westerboer

Roman in dunkelblau, einem Planeten und einer Frauensilhouette, daneben eine alte Karte mit einer Zeichnung auf der Planeten benannt sind

Auf dem Neptun-Mond Athos ist es zu einem Todesfall gekommen. Ein Mensch, der dort angesiedelten klösterlichen Gruppe lebt nicht mehr. Um den Vorfall aufzuklären, wird Rüd Kartheiser nach Athos geschickt. Als Spezialist für KIs macht sich der Inquisitor mit Para-Status in Begleitung von Zack auf den Weg. Diese erhält meist mehr Aufmerksamkeit als Rüd, in ihrem anscheinend halbstofflichen Zustand, der sogar leichte Berührungen zulässt, ohne dass an der holografischen Emission etwas verrutscht. Ihre 5279 Sommersprossen soll aber eigentlich nur Rüd allesamt zählen können …

Einem Highlight gerecht werden

Wie wird man einem Roman mit Sätzen voller prägnanter Brillanz gerecht in einer dagegen schnöde wirkenden Rezension? Einem Roman, der so viel neu zusammendenkt, so schlau aufgebaut ist und der mich als Leserin von der ersten Seite an fordert? Eine Geschichte, von der ich in eben dieser Besprechung kaum etwas vom Inhalt verraten sollte, wenn ich zwar darauf neugierig machen möchte, aber dennoch niemandem dieses Erlebnis beim Lesen von Athos 2643 nehmen möchte?

Schwierig. Oder besser: herausfordernd.

Ein bisschen ähnelt dieses Gefühl dem, das bei der Lektüre dieses Science Fiction-Romans von Nils Westerboer entsteht. Denn der Autor fordert uns Lesende heraus (hurra!), wirft uns in seine Welt, sein Universum – das, konzentriert wahrgenommen auf dem winzigen Neptunmond, mit nur wenigen handelnden Figuren auskommt und doch von so immens großer Fülle im Gesamten ist.

Westerboer schöpft neue Wörter aus der deutschen Sprache, kombiniert sie mit anderen und verrät niemals plakativ, um was es sich bei den Gegenständen, Attributen und Gesellschaften handelt. Blinde Beutel, Remscheid, Status – manches erschließt sich erst nach dem das Buch lange ausgelesen ist. Denn Athos 2643 wirkt nach und dafür braucht es Zeit. Eine direkt im Anschluss konsumierte Lektüre könnte stark darunter leiden, dass die Gedanken noch in Athos 2643 hängen.

«Wer entscheidet, was jemand ist?», fragt Gemdenbach und folgt Brahe in die Dunkelheit.
Nils Westerboer – Athos 264 (Hobbit Presse im Klett-Cotta Verlag), S. 69

Sog

Von dieser Story geht ein immenser Sog aus, immer wieder habe ich vergessen, dass sie aus der Perspektive der KI Zack erzählt wird – war dann überrascht, als es mir wieder bewusst wurde. Dass das Vergessen zudem ein zentrales Thema ist und wie ich mit der Zeit diese Wirkung auf einer Metaebene entdeckt habe, zeigt, wie stark mich dieses Buch eingenommen hat.

So wird Athos 2643 auch mit jeder Seite intensiver, die letzten Kapitel hauen einem die Erkenntnisse nur so um die Ohren. Zum Ende hin war ich ganz eins mit der Erzählerin Zack, mit ihren Gedanken, ihrer Sprache.

Was soll ich anderes sagen, was soll ich anderes denken, als dass ich sprachlos bin, denklos, aber nicht gedankenlos. Ein phantastischer Roman! Danke.

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ATHOS 2643 von Nils Westerboer
erschienen am 19.02.2022 in der Hobbit Presse im Klett-Cotta Verlag, 432 Seiten, Softcover (Klappenbroschur), Euro 18, ISBN 978-3-608-98494-1 (LINK auch zur Leseprobe)
Zum Lesen empfiehlt sich sphärische Musik (z. B. Space Night, Brian Eno)
Ihr lest gerne William Gibson? Dann könnte Athos 2643 genau das Richtige für euch sein
Cover des Romans in dunkelblau darauf ein Planet und davor eine Frauensilhouette
Unten der Titel
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