Belletristik, Buchrezension
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Auf der Suche nach Magie – Rainbow Rowell: Fangirl

Buch liegt auf Plüschkellerassel daneben eine Brille, ein Bleistift, ein Kuli.

Magisch wie Eleanor & Park?

Zwei Jahre ist es her, dass ich Eleanor und Park begegnete. Die beiden Schüler waren Rainbow Rowells Protagonisten in ihrem gleichnamigen Roman. Und damals gab es kaum einen Buchtisch, auf dem der Jugendroman nicht lag. Er versprach vieles. Ich las die ersten Seiten und griff dann zu. Das Versprechen hielt das Buch nicht nur, es übertraf meine Erwartungen. Rowells Figuren waren lebensecht. Sie hörten gute Musik von den Sex Pistols, The Cure und Joy Division. Sie lasen Comics und Bücher. Sie lebten in den 80ern. Und auf ihre Weise waren sie beide Außenseiter. Sie verliebten sich – und ihre Liebe war so zart und magisch wie ein Schmetterlingsflügel. Ihr werdet es meinen Worten anmerken: Ich liebe dieses Buch! 

Sofort nach der Lektüre hielt ich nach weiteren Romanen der Autorin Ausschau, fand schließlich „Zwei Worte vor und eins zurück“, blieb davon aber enttäuscht zurück. Mit dem Erscheinen von „Fangirl“ hoffte ich auf ein ähnliches Leseerlebnis wie ich es mit „Eleanor & Park“ hatte und bestellte es vor.

Schauplatz: Campus

Ich begegnete den Zwillingen Cath und Wren, die bei ihrem alleinerziehenden Vater lebten. Beide schwärmten für Simon Snow, eine weltweit erfolgreiche Jugendbuchreihe über einen Zauberer, deren siebter abschließender Teil bald erscheinen sollte. Und sie schrieben Fanfiction. Erfolgreich. Mehrere tausend LeserInnen hatten sie täglich! Womit sie allerdings nie gerechnet hatten. Als sie aufs College wechseln, wird schlagartig alles anders. Wren entfernt sich stark von Cath und tobt sich auf Partys mit Jungs und Alkohol aus. Cath verkriecht sich immer mehr in sich selbst und kommt nicht zurecht mit den vielen neuen Menschen, Aufgaben und Herausforderungen.

Schnitt. Natürlich blieb es nicht dabei, eine Liebesgeschichte wartete in „Fangirl“ auf Cath, und genau da hatte ich wieder auf die magischen Momente, die zarten Beschreibungen und diese besondere Atmosphäre gehofft. Darin hatte ich die Stärke der Autorin vermutet. Aber. Ja, es gab ein Aber.

„Und was haben wir gemeinsam?“
„Wir mögen uns“, sagte er. „Gibt es etwas Wichtigeres? […]“Rainbow Rowell – Fangirl S. 301

Von allem zu wenig

Nachdem ich die letzten Zeilen des Buchs gelesen hatte, entwich mir ein lautes „Schade“. Wie es mit hohen Erwartungen so ist, können sie die Erfahrung umso stärker dämpfen. Ich kann nicht behaupten, dass das Buch „schlecht“ ist. Was heißt überhaupt „schlecht“? Es ist weder in einem schlechten Stil geschrieben, der Text ist angenehm und flüssig lesbar. Noch ist das Buch grundsätzlich langweilig. Und sogar die Charaktere sind lebensecht. Aber. Mich haben sie nicht gepackt. An keiner einzigen Stelle in diesem weit über 400 Seiten starken Roman. Sie blieben mir alle fern. Und sie gingen mir sogar auf die Nerven. Ich kann nachvollziehen, dass Cath es nicht leicht fiel, sich das erste Mal „so richtig“ auf einen Jungen einzulassen. Allerdings ist sie mit 18 bereits eine junge Frau, und doch sehr in sich zurückgezogen und neigt zu extremen Handlungen. Ich habe mich tatsächlich gefragt, wie sie es alleine ans College schaffen konnte. Hätte ihre Mitbewohnerin nebst ihrem besten Freund nicht bemerkt, dass sie sich praktisch von Müsliriegeln ernährt hat, wäre Cath vermutlich verhungert. Mir war dieses Verhalten einfach irgendwann zu viel. Auch dass sie sich wochenlang scheute, ihren Freund zu küssen, obwohl sie es unbedingt wollte, fand ich anstrengend.

Nicht in der Zielgruppe?

Womöglich bin ich einfach nicht mehr in der Zielgruppe dieses Romans. Für mich kam keinerlei Magie in der Beziehung zwischen Cath und ihrem Freund auf. Hätte ich nicht gerade sehr viel Lesezeit gehabt, hätte ich das Buch nach circa der Hälfte vermutlich an die Seite gelegt. Die Geschehnisse am College, das Schreiben von Fanfiction und die Liebesgeschichte, von der ich mir so viel versprochen hatte, haben mich nicht berührt, mich nicht interessiert. Daher frage ich mich, ob es daran liegt, dass meine Zeit an der Uni über 20 Jahre her ist. Ich weiß es nicht. Und – ich habe auch keine Lust es herauszufinden.

Ich glaube allerdings, dass „Fangirl“ groß einschlagen kann bei Mädchen und vielleicht auch Jungs ab 13 Jahren, wenn sie Fanfiction und besonders Geschichten über die erste Liebe mögen.

Was das Buch allerdings geschafft hat, ist dass ich seit heute wieder Gilmore Girls schaue. Ich hatte vor Jahren nach Staffel 4 aufgegeben, denn der Wechsel nach Yale in Staffel 5 gefiel mir damals gar nicht. Heute jedoch fand ich es richtig gut. Komisch. Vielleicht muss „Fangirl“ doch noch etwas nachwirken?

Rainbow Rowell: Fangirl
Erschienen am 24.07.2017 im Hanser Verlag
Hardcover, 480 Seiten, ISBN 978-3-446-25700-9
Aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Jakobeit
Hier geht es zur Leseprobe auf der Verlagswebseite

2 Kommentare

  1. Ach schade. „Eleanor & Park“ war eins der wenigen Jugendbücher der letzten Jahre, das mich noch wirklich richtig begeistern konnte und ich hatte eine leise Hoffnung, dass „Fangirl“ ähnlich gut sein könnte. Aber da ich oft schon gehört habe, dass es vor allem für Harry Potter-Fans ist und dieser Hype (leider?) total an mir vorbei ging, habe ich immer gezögert.
    Zu Recht, wie es scheint. Ich denke, ich lasse es lieber bei dem einen Buch von Rainbow Rowell. Danke für die Entscheidungshilfe also! 😉

    • booknapping

      Ja, wirklich schade. Wobei der Zusammenhang mit Harry Potter mich gar nicht gestört hat. Ich sehe es auch nicht so, dass das Buch vor allem für HP-Fans geeignet ist. Aber es fehlt einfach die „Magie“ – du weißt sicher, was ich meine, wenn du von Eleanor & Park ebenso begeistert warst 😉

      Liebe Grüße,
      Sandra

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