In meinem Beitragย Booknapping Backstageย nahm ich euch mit hinter die Kulissen meines Blogs und berichtete davon, wie ich meine Blogarbeit organisiere. Welche Listen ich fรผhre, wie ich plane, was ich dafรผr nutze und einiges mehr. In den Beitrag passte allerdings nicht mehr, wie ich ans Rezensieren herangehe. Da ich auch davon gerne erzรคhlen mรถchte, ist es nun Zeit fรผr diesen zweiten Teil von Booknappings Backstage. Ok – wo fange ich am besten an?

Lesequeue und Rezensionsstapel

Neben der Liste, die ich fรผr Rezensionsexemplare fรผhre (s. Booknapping Backstage), haben auch die physikalischen Besprechungsexemplare einen festen Platz bei mir. In der Nรคhe meines Leseplatzes im Wohnzimmer steht ein kleines weiรŸes Regal, in dem sich neben den Blog-Orgamaterialien, Notizbรผchern, Malbรผchern und einem Kรถfferchen mit Kabelsalat auch meine Lesequeue und der Rezensionsstapel tummeln.

Die Lesequeue steht ordentlich aufgereiht und sortiert nach Comics und Romanen beziehungsweise Sachbรผchern oben auf dem Regalsims. Der Rezensionsstapel mit den bereits gelesenen Titeln befindet sich ein Fach drunter.ย Die Fotos sind รผbrigens authentisch, was soll ich extra aufrรคumen – ich mรถchte euch doch die Realitรคt zeigen und nichts fรผr den Artikel kรผnstlich Konstruiertes.

Lesequeue - mehrere Bรผcher und Comics nebeneinander auf einem Regal

Meine Lesequeue: Comics links, alles andere rechts davon

Geht es darum, auszuwรคhlen, was ich als nรคchstes lese, geht mein Blick immer erst zur Lesequeue. Dort stehen nicht ausschlieรŸlich Rezensionsexemplare, sondern auch Titel, die jetzt ganz einfach dran sind. Beispielsweise, weil sie zu einer Aktion gehรถren oder weil wir sie in unserem Offline-Lesekreis lesen.

Den ein Fach tiefer lagernden Rezensionsstapel „arbeite“ ich ganz einfach nach und nach ab, dabei halte ich mich an keine Reihenfolge. Ich schaue einfach, worauf ich gerade Lust habe und berรผcksichtige dabei auch, wenn Rezensionen dringend sind oder einfach schon lรคnger warten. *rรคusper* – ja, auch das kommt mal vor. Ich lasse mich von der Lesequeue und dem Rezensionsstapel niemals stressen, beide „Institutionen“ รผben keinerlei mentalen Druck auf mich aus. Ich halte auch nichts davon, Rezensionen und Beitrรคge รผbers Knie zu brechen. Meine Devise lautet Qualitรคt vor Quantitรคt und da kann es schon mal passieren, dass eine Besprechung lรคnger braucht. Alle, die selbst schreiben, werden das vermutlich kennen. Es gibt ganz einfach Stunden, Tage, Zeiten in denen man nichts zustande bringt. Es wรคre unfair den Titeln gegenรผber und wรผrde sich fรผr mich unehrlich anfรผhlen, in solchen Momenten Besprechungen zu schreiben. Mir selbst wรผrde es auch nicht gut tun. Also lasse ich es dann lieber.

Rezensionsstapel zeigt ein Buch und einen Comic, die aufeinander liegen

Mein Rezensionsstapel (der ist nicht immer so klein)

Vorbereitungen wรคhrend des Lesens

Ich liebe Page Marker, diese kleinen Klebezettelchen, die wรคhrend des Lesens fast immer in meiner Nรคhe sind. Denn damit markiere ich fรผr mich relevante Stellen in den Bรผchern, die ich lese. Sehe ich ein Panel in einem Comic, das mich besonders beeindruckt, kommt ein Page Marker an die Seite. Bewirkt ein Text etwas in mir, darf ein Page Marker diese Stelle markieren. Muss ich weinen oder lachen, bin ich mitgerissen oder fasziniert, bin ich gelangweilt oder ekle ich mich – in allen Fรคllen kann es sehr gut sein, dass ich zu meinen kleinen Post-its greife. So sieht eigentlich jeder Titel, den ich lese am Ende รคhnlich aus. Es gucken ein oder mehrere kleine bunten Fรคhnchen an der Seite raus. Die Motive und Farben haben dabei keine besondere Bedeutung, sie markieren ganz einfach. Eine sรผรŸe Eule sitzt auf ihrem Page Marker neben einer Stelle in der Gedรคrme aus einem Kรถrper drรคngen. Ein feuerrotes Zettelchen markiert eine ruhige Szene in sanften Farbtรถnen, die sich รผber zwei Comicseiten erstreckt. Ein Pinguin lugt aus einem Buch, das in der Wรผste spielt. Ich bin da gnadenlos wie tolerant. Im Falle von E-Books muss ich auf digitale Markierungen oder separate Notizen ausweichen. Das gefรคllt mir nicht so gut.

Ein Buch und ein Comic aus denen an der Seite Page Marker herausschauen

Page Marker รผberall

Notizen. Spontan. Emotional. Direkt.

Selten mache ich mir Notizen wรคhrend des Lesens. Es kommt vor, dann klebe ich mir aber meist mit Washi-Tape einen Notizzettel vorne ins Buch oder ich nehme einen grรถรŸeren Klebezettel (mit Katze oder Zombie – vรถllig egal) fรผr diesen Zweck. Immer aber mache ich mir direkt nach dem SchlieรŸen des Buches Notizen. In diese flieรŸen dann all die Emotionen, die ich nach dem Lesen loswerden muss. All die Gefรผhle, Nachwirkungen, Begegnungen, Gedanken. Schwierig wird es, wenn ein Text mich gar nicht berรผhrt hat, weder positiv noch negativ. Wenn ich gar keine Empfindungen dem Gelesenen gegenรผber habe. Das kommt selten vor, aber in so einem Fall versuche ich dann eben genau dieses „Gefรผhl“ der Leere zu beschreiben. Immer aber helfen mir meine gesetzten Zettelmarkierungen. Anhand dieser kann ich zu diesen Stellen zurรผckgehen und sie in meinen eigenen Text einflieรŸen lassen.

Zwei Notizbรผcher auf denen Bรผcherregale abgebildet sind

Aktuelle Lesenotizbรผcher. Rechts Coimcs. Links alles andere.

Diese Notizen mache ich ausschlieรŸlich handschriftlich. Dafรผr nutze ich zwei Notizbรผcher, eines fรผr Comics, eines fรผr alle anderen Bรผcher. Ich notiere Titel, Datum, Autor_innen und schreibe drauflos … Einfach so. Ich habe festgestellt, dass ich Texte vor allem emotional wahrnehme. Ich reagiere auf guten und auch auf schlechten Stil – natรผrlich ist das subjektiv. Ich reagiere auf Situationen, auf Farben, auf Szenen, auf Bilder. Wenn ich keinerlei emotionale Reaktionen spรผre, weiรŸ ich, dass etwas nicht stimmt. Das beispielsweise das Buch nicht zu mir passt oder der Stil mir nicht liegt. Texte mit vielen Fehlern in Grammatik und Rechtschreibung verstรถren mich beispielsweise so sehr, dass ein flรผssiges Lesen fรผr mich nicht mรถglich ist. Dabei spreche ich nicht von einem Fehler hier und da, sondern von grรถberen Schnitzern, von vielen Fehlern. Ich habe dann das Gefรผhl, die Autor_in hat sich die Mรผhe nicht machen wollen. Geht halt nicht fรผr mich. Das gilt รผbrigens fรผr Texte aller Art. Aber ich schweife ab.

Mein Text – switch: analog => digital

Den eigentlichen Blogbeitrag schreibe ich meist erst einige Zeit nach dem Lesen. Und somit auch mit einigem Abstand zu den handschriftlich verfassten Notizen, die in letzter Zeit immer hรคufiger bereits vorgeschriebenen Rezensionen รคhneln. Zwischen der analogen und der digitalen Fassung kรถnnen schon mal Tage oder auch (seltener) Wochen vergehen. Mithilfe der Notizen und der vielen Klebezettelchen-Markierungen kann ich aber direkt wieder zu dem erlebten Text zurรผck kehren. Ich setze mich dann wahlweise an mein Notebook oder auch mal an mein Tablet, das ich fรผr diesen Zweck mit einer Bluetooth-Tastatur ausstatte, und schreibe die Rezension direkt im Blogbereich. AuรŸerdem mache ich Fotos, bearbeite diese, suche Leseproben, Cover und die bibliografischen Daten heraus. Hรผbsche alles ein wenig auf, sodass es mir gefรคllt. Dass dies nicht in einer halben Stunde getan ist, ist offensichtlich. Auch das Gegenlesen meines eigenen Textes gehรถrt noch dazu. Ich versuche dafรผr meinen Beitrag mit „fremden“ Augen zu lesen. Lese Wort fรผr Wort, Satz fรผr Satz – manchmal sogar Buchstabe fรผr Buchstabe. Ich finde ganz sicher nicht jeden Fehler, aber manch groben Unsinn stรถbere ich auf.

Handschriftliche Notizen

Handschriftliche Notizen

Ich schreibe nun seit รผber zehn Jahren Rezensionen, habe auรŸerdem lรคngere Zeit in einem Rezensionsportal (und auch zwei Romane) „lektoriert“. Dadurch habe ich ganz sicher keine Expertise im Lektorieren oder Korrigieren, das was ich mache, ist alles auf „habe ich mir irgendwie selbst beigebracht“-Niveau. Aber mein Sinn fรผr Sprache begleitet mich seit meiner Kindheit. Oft kann ich gar nicht sagen, warum eine Stelle so oder so heiรŸen muss. Ich spรผre dann ganz einfach, wie es sein muss. Ich spรผre, dass etwas komisch klingt, dass ich mich damit nicht wohlfรผhle. Welche Regeln dahinter stehen weiรŸ ich nur selten. Besser kann ich das leider nicht erklรคren, im besten Falle, versteht ihr vielleicht, was ich damit meine.

Ganz sicher weiรŸ ich aber, dass …
… ich es liebe, zu schreiben.
… ich es liebe, zu lesen.
… ich es liebe, รผbers Lesen und Schreiben zu sprechen.
Und das alles so, wie ich es mag. Ganz persรถnlich und authentisch.

AuรŸerdem bin ich verrรผckt nach Feedback. Erzรคhlt ihr mir davon, wie ihr eure Rezensionsarbeit organisiert? Wie geht ihr vor? Habt ihr Rituale, besondere Macken oder Vorgehensweisen? Bitte verlinkt mir auch eure Beitrรคge, sie mรผssen nicht brandaktuell sein, gerne auch aus eurer Blog-Backlist.

Und wie machen es die Blogkolleg*innen?

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