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Comicrezension

Die Kunst des Krieges 1: Ciudalia

Comic vor einem roten Kissen

Wer Benvenuto beauftragt hat den Tod eines Mitmenschen im Sinn. Als Auftragsmörder gerät er dieses Mal jedoch mitten in einen Konflikt, dem er lieber ferngeblieben wäre. Es scheint Magie im Spiel zu sein und plötzlich sind wesentlich mehr Opfer zu beklagen als nötig gewesen wären. In einer Stadt, in der die Mächtigen sich gegenseitig ausspionieren, bekämpfen und um die höchste Stellung ringen, ist Benvenuto zwischen die Fronten geraten. Wobei die Front – wörtlich genommen – für ihn nichts Unbekanntes ist.

Leseprobe Seite 6
Die Kunst des Krieges Band 1: Ciudalia, Seite 6

Mord, Magie und Macht

Mit Die Kunst des Krieges veröffentlicht der Splitter Verlag die Comic-Adaption eines Romans des Autors Jean-Philippe Jaworski. Bisher wurde keines seiner Werke ins Deutsche übertragen, obwohl er bereits seit über einem Jahrzehnt Rollenspiele, Kurzgeschichten und Romane in seiner Welt, die Frankreich im sechzehnten Jahrhundert ähnelt, verfasst hat.

Ciudalia beginnt mit einem spannenden Vorwort des Autors, in dem er von der Entstehung des Protagonisten und dessen Einfluss auf sein Werk erzählt.

A priori bewog mich nichts, diesen üblen Gesellen ins Leben zu rufen. Don Benvenuto ist ein Schurke der schlimmsten Sorte, und für Übeltäter habe ich nicht viel übrig. Als Rollenspieler spiele ich gerne vorzeigbare Figuren: Krieger und Paladine (mit ritterlicher Dummheit), Barden (mit künstlerischer Affektiertheit), sogar Magier (mit reiner, schlichter Pedanterie). Dagegen fällt es mir schwer, mich in der Rolle eines Diebes oder Mörders zu sehen; die Anomie des Schlitzohres bereitet mir Unbehagen. Das ist überhaupt nicht mit meinem kleinbürgerlichen Konformismus vereinbar – jenem Charakterzug, der Don Benvenuto die Augen verdrehen lässt. Vorwort, Seite 3

Jaworskis Worte haben mich auf eine magische Mantel- und Degenstory eingestimmt, im ersten Band konnte davon jedoch noch nicht allzu viel auf mich überspringen. Der Anteil an Magie ist eher klein, was allen gefallen mag, die Freude an dem spätmittelalterlichen Setting haben. Wer mehr Fantasy in der Story priorisiert, findet zumindest in diesem ersten Band recht wenig davon. Ob sich das in den weiteren zwei Büchern der Trilogie ändert, lässt sich noch nicht sagen. Auf den ersten Blick scheinen aber die Intrigen und Verwicklungen der Mächtigen im Vordergrund zu stehen.

Comic-Leseprobe
Die Kunst des Krieges Band 1: Ciudalia, Auszug Seite 13

Frédéric Genêt entwickelte zusammen mit Jaworski das Szenario und lies dessen Welt in feinstrichigen Zeichnungen entstehen. Ausdrucksstarke Gesichter, detallierte städtische Kulissen und Panels mit Perspektivenvariationen geben dem Comic eine gute Dynamik und passende Atmosphäre. Wer sich in der beschriebenen Welt literarisch zu Hause fühlt, wird sich in Ciudalia gerne tummeln. Ich bin zumindest so neugierig geworden, dass ich in den im April 2020 erscheinenden zweiten Teil reinsehen werde.

Comic-Leseprobe
Die Kunst des Krieges Band 1: Ciudalia, Auszug Seite 15

DIE KUNST DES KRIEGES BAND 1: CIUDALIA
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Szenario: Jean-Philippe Jaworski + Frédéric Genêt
Zeichnungen: Frédéric Genêt
Erschienen im Juli 2019 im Splitter Verlag (Link auch zur Leseprobe)
64 Seiten in Farbe, Hardcover, ISBN 978-3-96219-302-7, 16 Euro
Übersetzt aus dem Französischen von Harald Sachse
Das Buch habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst.

Cover zeigt den Protagonisten von hinten mit einem Degen in der Hand hinunterblickend auf die Stadt und das Meer
Die Kunst des Krieges Band 1: Ciudalia

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