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Spielbuch

Escape Book: Das Horror-Hotel

Schwarzes Buch steht neben einem kleinen Pappsarg mit einer roten Blume darauf

In Chicago verschwinden Frauen spurlos während die Menschen sich zeitgleich auf der am 1. Mai 1893 eröffneten Weltausstellung tummeln. Auch die berühmte Krimischriftstellerin Ariana Wire wird magisch von den Pavillons angezogen und berichtet in einem kurzen Interview in der Chicago Tribune von ihren Eindrücken. Nur kurze Zeit später taucht erneut ein Bericht über Miss Wire in der Zeitung auf, in dem auf das Verschwinden der Frauen in der Stadt eingegangen wird.

«In der Vergangenheit haben mir mehrere Menschen aus Verzweiflung geschrieben», erklärt Ariana Wire. «Nach dem Verschwinden eines Angehörigen baten mich Mütter und Schwestern um Hilfe.» Die Schriftstellerin ließ sich nicht auf solche Anfragen ein, doch nun hat sie nachgegeben.

© Das Horror-hotel, s. 10 / Gauthier wendling / ullmann medien

Wires Voranpreschen hat allerdings Folgen, wie sie selbst deutlich zu spüren bekommt, als sie in einer verschlossenen Kiste zu sich kommt. Der Deckel befindet sich nur 30 Zentimeter über ihr, Kopf und Hals schmerzen, ihre Hände bluten …

Gefangen

© Gauthier Wendling / Ullmann Medien

Ich war noch nie in einem Escape-Room und dies war auch mein erstes Escape-Buch. Allerdings bin ich mit Abenteuerspielbüchern quasi aufgewachsen. Die Klassiker von Ian Livingstone und Steve Jackson (Der Hexenmeister vom flammenden Berg) beispielsweise habe ich mehrfach durchgespielt. Jetzt wollte ich endlich auch einmal aus einem Buch entkommen. Also auf nach Chicago des späten 19. Jahrhunderts und rein in mein erstes Escape-Rätselabenteuer.

Das Vorwort erklärte mir, dass ich als Escape-Buch-Neuling erst einmal die Spielregeln lesen sollte, die sich auf knapp vier Seiten im Anhang befanden. Es galt also jeweils einzelne Abschnitte zu lesen, ich wusste, wo ich anzufangen habe und hatte eine Vorstellung davon, wie ich Gegenstände aufsammle und diese auch miteinander oder mit Türen, Schlössern etc. kombinieren kann. Auch gab es Abschnitte für Gespräche, die ich an einigen Stellen führen konnte. Den Fundstücken ist ein eigener Bereich zugewiesen und auch eine ganze Reihe Ausgänge waren notiert. Nicht zu vergessen ein paar Seiten mit Hinweisen, geordnet nach Kapitel und Bereich. Im vorderen Teil fand ich die jeweiligen Raumbeschreibungen und die eigentliche Story, alle anderen Abschnitte waren in der zweiten Hälfte des Buches. Nach ein paar Schritten war schon klar – das wird ein intensives Hin- und Herblättern. Ich habe mir zwar mit Haftnotizen geholfen, jedoch kann ich das rückblickend nicht als entspanntes Rätselvergnügen bezeichnen – will es ja vielleicht auch gar nicht sein.

Hinzu kommt, dass das Buch sehr fest gebunden ist, sodass es sich recht schwer aufklappen lässt. Dadurch ist es zwar auch sehr stabil, mir aber insgesamt zu steif für das viele nötige Rumblättern.

Das Rätseln

Tipp, da ich es selbst erlebt habe: Besser keine größere Pause zwischen den Escape-Versuchen machen. Ich hatte das Buch zeitweise über eine Woche zur Seite gelegt, was zur Folge hatte, dass ich mich an viele Besonderheiten, die ich mir hätte merken sollen, nicht mehr erinnern konnte. Denn einfach ist das Entkommen aus dem Horror-Hotel nicht. (Sehr) aufmerksames Lesen ist empfehlenswert, die Hinweise sind an vielen Stellen gut versteckt. Andere Rätsel lassen sich wiederum sehr leicht lösen. Dieser Mix kann anstrengend sein, aber schließlich wollen wir bei einem Escape-Buch ja auch gefordert werden.

Nichtsdestotrotz bin ich an zwei Stellen massiv stecken geblieben. Hätte ich nicht Hilfe von jemandem bekommen, die die Story selbst sehr gut kannte (Grüße an Kerstin an dieser Stelle, ohne dich wäre ich verhungert!), hätte ich in diesen Situationen einfach aufgegeben. Selbst die Hinweise im Anhang konnten mir nicht helfen. Als ich die Lösung wusste, war ich enttäuscht, denn sie war nicht wirklich eingängig. Insgesamt sträubt sich der gesamte Aufbau etwas, ich musste manchmal cheaten, um weiterzukommen, wurde einmal erschossen (und musste einen zweiten Anlauf nehmen) und war unzufrieden mit den sehr unterschiedlich großen Fonts auf den Seiten. So sind die Zeitungsartikel in sehr kleiner Schrift und die normalen Texte dann wieder in sehr großer Schrift abgedruckt.

Interessante Story und Perspektivwechsel

Überraschend war, dass die Story und auch die Location einen realen historischen Hintergrund hat, die ich hier nicht verraten möchte, damit alle unbeeinflusst an die Rätsel gehen können. Aufgrund der Thematik empfiehlt sich dieses Escape-Book übrigens für erwachsene oder mindestens jugendliche Leser*innen. Spannend war außerdem der Perspektivwechsel, mit dem man zu Beginn gar nicht rechnet.

Das abschließende Kapitel 4 gibt nach dem langen Rätselraten dann richtig Gas und hat mich dann doch auf recht schnellem Weg aus dem Horror-Hotel entkommen lassen. Zum Glück bin ich lebendig rausgekommen …

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DAS HORROR-HOTEL
Gauthier Wendling
David Chapoulet (Innen-Illustrationen)
übersetzt aus dem Französischen von Birgit Irgang
erschienen 2019 im Verlag Ullmann Medien
240 Seiten, Softcover, über 40 schwarz-weiß Illustrationen
ISBN 978-3-7415-2395-3
9,99 Euro
© Gauthier Wendling / Ullmann Medien

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4 Comments

  • Avatar
    Miss Booleana
    23. Juni 2020 at 21:09

    Ui, sehr cool. Auch wenn das Konzept deiner Besprechung nach an einigen Stellen noch etwas hinkt, finde ich Spielbücher auch total cool. Und der Escape Room Boom (Reim vollkommen beabsichtigt) kommt der Sache ja durchaus zugute … vielleicht gibt es ein Revival!? Ich habe letztes Weihnachten selber eins gemacht, das aber nicht so eine schöne Spurensuche beinhaltet.
    Ich bin gerade etwas abhängig von solchen Escape Brettspielen … vielleicht versuche ich es auch mal wieder mit einem Buch ;)

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      26. Juni 2020 at 23:24

      Hi :-)
      Escape Brettspiele habe ich noch nie getestet. Spielst du sie zu zweit oder auch allein?
      LG
      Sandra

      Reply
  • Avatar
    Nenatie
    9. Juni 2020 at 12:43

    Hallo Sandra,
    diese Escape-Bücher boomen grade sehr. Ich würde auch mal gerne eines spielen aber kann mich nicht entscheiden wo ich anfangen soll. Mit diesem Buch dann erstmal nicht, klingt nicht gerade nach spannenden Rätselstunden!

    LG

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      12. Juni 2020 at 08:12

      Hi :-)
      Ich glaube ja, dass die Bücher auf jede Person anders wirken. Und die Story in diesem war auch wirklich gut, jedoch waren dann auch ein paar Nachteile, wie du ja gelesen hast :-)
      Vielleicht ist eines der anderen Escape-Bücher was für dich. Ich habe auch noch nicht ganz aufgegeben und werde bald mein drittes Escape-Abenteuer starten.

      LG
      Sandra

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