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Comicrezension

Geheimnis der Zeit Gesamtausgabe von Jonker + Heuvel

Sabina ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder, hat einen anspruchsvollen Job in einer IT-Redaktion und an einem mangelt es ihr häufig: Zeit. Ihr Tag ist vollgestopft, sie hetzt durch ihr Leben, versucht alles unter einen Hut zu bekommen. Als der Morgen mal wieder hektisch beginnt, sitzt ausgerechnet auch noch ein unangekündigter Besucher in ihrem Büro. Er stellt sich als Anton von der Werff vor und tischt ihr eine hanebüchene Geschichte auf.

drei Comicpanel

Geheimnis der Zeit, Ausschnitt Seite 15 ©Kult Comics

Abends trifft sie sich mit ihrem engen Freund Marc de Haan und berichtet ihm von der merkwürdigen Begegnung. Dieser ist mit seinen Gedanken aber nur bei Recherchen zu seinem nächsten Buch. In Ägypten verfolgt er den illegalen Handel mit archäologischen Fundstücken. Auch ist er ein Anhänger von Theorien über ganz spezielle Phänomene. Sabina Tromp kann über Marcs Fantastereien jedoch nur den Kopf schütteln.

Dann aber geschehen seltsame Dinge. Marc erlebt einen Traum, in dem er in einem unterirdischen ägyptischen Grablabyrinth gefangen zu sein scheint und der sich doch so unfassbar realistisch angefühlt hat. Und als Sabina mit ihren Kindern ein Museum besucht, trifft sie dort nicht nur erneut auf den seltsamen van der Werff, sondern ihre Tochter entdeckt auch eine Gemeinsamkeit zwischen ihrer Mutter und einer in der Ausstellung präsentierten Mumie.

Sabina trifft den Entschluss sich nun doch an van der Werff zu wenden, vereinbart dazu ein Treffen im Park. Was er dort ihr und dem sie begleitenden Marc de Haan erzählt, lässt sie am Geisteszustand des Mannes zweifeln. Er hat seltsame Theorien über den Verlauf und die Existenz der Zeit und das alles klingt für sie doch sehr nach dem, was ihr lieber Freund Marc ihr immer wieder versucht klar zu machen. Alles völliger Unsinn.

Ab in die Welt der Geheimnisse und Theorien

In diesem schön gestalteten Hardcover hat der Verlag Kult Comics alle vier Ausgaben der Miniserie Geheimnis der Zeit versammelt. Im Vorwort verrät Autor und Zeichner Eric Heuvel (January Jones), dass die damals in der niederländischen Zeitung Algemeen Dagblad erschienene Serie zwar später als Einzelalben erhältlich waren, mittlerweile aber längst vergriffen sind. Mit der vorliegenden deutschen Erstausgabe erhält die Reihe somit nochmals eine Aufwertung und ist endlich in einem Stück in einem Buch lesbar. Tatsächlich ist die Story doch recht komplex und ich kann mir nur schwer vorstellen, wie der fast 200 Seiten überspannende Zusammenhang hergestellt werden kann, wenn einem die Panels nur häppchenweise zur Verfügung stehen.

Das Vorwort, und auch die von dem Autor Frits Jonker verfasste Einleitung, wurden eigens für diese Ausgabe geschrieben. Jonker erzählt dabei auf sechs Seiten in kurzen Kapiteln von den neuen Errungenschaften seit der ersten Veröffentlichung. Überschriften wie “Die Thora / Der Thora-Code”, “Der Ouroboros” und “Die Matrix” lassen erahnen, welche Themen hier berührt werden. Er schreibt von seinem Hang zu diesen absurd klingenden Theorien und vergleicht seine Story mit einer Zeichnung von Escher, in der eine Hand sich selbst zeichnet (Zeichnende Hände, 1948, Link).

Leseprobe

Geheimnis der Zeit, Ausschnitt Seite 23 © Kult Comics

Zum Lesen den Aluhut aufsetzen?

Zugegeben, hat mich das Vorwort und die Einleitung leicht verunsichert, da ich sofort an Verschwörungstheoretiker und Anhänger*innen von abstrusen wissenschaftlich unhaltbaren Hypothesen denken musste. Vor meinem inneren Auge hatte ich den Autoren Aluhüte aufgesetzt. Aber ich wollte wissen, was mich erwartet, außerdem faszinieren mich Escher und ich liebe Matrix, also habe ich mich auf diese Reise durch die Zeit eingelassen. Gut, dass ich es getan habe! Denn das Szenario fühlte sich dann doch eher phantastisch und gar nicht so abgefahren an, wie ich befürchtet hatte. Aluhüte also wieder runter von den Köpfen!

Ein kluger Aufbau der Geschichte sorgte dafür, dass ich immer wieder mal zurückgeblättert habe. Und jetzt nach dem Lesen habe ich mir die ersten Seiten noch einmal angeschaut und sogleich Dinge gesehen, die ich beim ersten Mal überhaupt nicht bemerkt habe. Wirklich geschickt und gut gemacht. Eine zweite Lektüre dürfte noch mehr Überraschungen und Aha-Effekte bieten.

So interessant die Idee und Story ist, sie ist leider auch etwas altbacken aufbereitet. Zeichnungen und die hölzerne Art der Charaktere machen den Eindruck, dass der Comic deutlich vor 2007 erschienen ist (2007 erschien es erstmalig). Richtig gut tut dem Buch die Realität, die zwischen all den Phantastereien durchschimmert. So hat Marc de Haan einen Bauch, der auch sichtbar ist und beim Bücken rutscht ihm wie selbstverständlich die Hose hinten runter. Genau so, wie jeder von uns es schon selbst gesehen oder erlebt hat.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte nochmal an Fahrt auf und vermutlich gewinnt sie, wie erwähnt, beim zweiten Lesen zusätzlich. Getestet habe ich das noch nicht ausgiebig. Insgesamt wurde ich gut und clever unterhalten, außerdem ist die Aufmachung des Bandes als hochwertiges Hardcover ein Highlight. Wer sich für den Comic interessiert, schaut am besten in die unten verlinkte Leseprobe.

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Geheimnis der Zeit – Integral

Geschrieben / Gezeichnet

Frits Jonker – Eric Heuvel

Genre und Leseprobe

Comic. Phantastik. Übernatürliches. Abenteuer.
Eine Leseprobe steht auf der Verlagswebseite zur Verfügung: zur Leseprobe

Noch ein paar Details

2019 erschienen im Verlag Kult Comics, Einzelband, ISBN 978-3-96430-008-9, 200 farbige Seiten, Hardcover, EUR 35

Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon natürlich unbeeinflusst.

Cover zeigt eine Familie, die in einem Museum eine Mumie im Glaskasten betrachtet

Geheimnis der Zeit © Kult Comics

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