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Illustriertes / Jugendbuch / Sachbuch / Biografie

Verborgene Schätze, versunkene Welten von Silke Vry / Martin Haake

Buch auf dem ein Pharao abgebildet ist, darauf Steine, daneben ein glänzendes Artefakt

21 faszinierende Reisen

Mit Jacob Roggeveen die Osterinseln entdecken. Richard Chandler bei seinem Fund des unter vielen Schichten Erde vergrabenen Olympias begleiten. Erfahren, dass es einen “Geheimagenten” gab, der im Auftrag der Londoner Vereinigung African Association, auf der Suche nach kunst- und kulturhistorischen Schätzen war und letztendlich die legendäre Felsenstadt Petra entdeckte. Dies sind Kurzbeschreibungen nur von drei der in Verborgene Schätze, versunkene Welten enthaltenen Entdeckungsreisen durch die Welt der Archäologen und deren Funde.

In 21 Kapiteln verteilt auf gut 150 großformatigen Seiten dürfen wir Lesenden reisen und die Erlebnisse der vorgestellten Archäologen miterleben. Gleich zu Beginn geht die Autorin darauf ein, dass im Buch (fast) ausschließlich Männer portraitiert werden.

“Sie und viele andere arbeiteten erfolgreich als Ausgräberinnen, doch mit einem ihrer Namen ist eine bahnbrechende, vollkommen neue archäologische Entdeckung, ist eine Geschichte verbunden, die sie oder ihre Entdeckung berühmt machte. Oft waren es gerade ihre männlichen Kollegen, die ihnen Steine in den Weg legten. Und so war und blieb auch auf dem Gebiet der Archäologie für Frauen vieles undenkbar.”
Verborgene Schätze, versunkene Welten S. 7

Wieder einmal ein Beispiel für Diskriminierung, die zur Folge hat, dass die weiblichen Vorbilder in dieser Wissenschaft nur rar gesät sind. Genau deshalb ist Gleichberechtigung in allen Disziplinen so wichtig! Aber ich schweife ab, zurück also zum Buch. Und es ist wirklich fabelhaft!

Doppelseite, farbig illustriert mit Darstellung der Steinfiguren auf den Osterinseln

Verborgene Schätze, versunkene Welten S. 18-19

Wissenstransfer zum Festlesen

Autorin Silke Vry hat Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Volkskunde studiert. Außerdem selbst an vielen Ausgrabungen teilgenommen. Und dieser Hintergrund ist sicher daran nicht unschuldig, dass sie uns Lesenden voller Leidenschaft und gut strukturiert von diesen 21 besonderen Errungenschaften in der Archäologie berichtet. Jedes der Kapitel beginnt mit einem einleitenden Absatz, der ein Eintauchen in die jeweilige Szenerie zulässt. Es fühlt sich stets an, wie der Einstieg in einen Reisebericht. Nimmt uns mit auf eine Reise in die Welt des portraitierten Archäologen und dabei immer spannend und voller interessanter Informationen. Erzählung und sachlicher Bericht sind geschickt miteinander verwoben. Ich konnte mich beim Lesen kaum losreißen.

Ach, ein Kapitel geht noch. Oh – da hat ein Kind die erste große Ansammlung von Höhlenmalereien entdeckt? Ich wollte doch eigentlich das Buch weglegen. Und so weiter … 

Es klappte einfach nicht, ich habe immer weiter gelesen, nur wirklich wichtige Dinge und Aufgaben haben geschafft, es mich zur Seite legen zu lassen.

Textauszug, Leseprobe

Verborgene Schätze, versunkene Welten, S. 17

Zu jedem der Kapitel werden wissenswerte Details in Notizzetteloptik präsentiert und kurze “Updates” finden sich exponiert am jeweiligen Seitenrand.

“Wissenschaftler betrachten Heyerdahls Theorie heute als widerlegt: Die ersten Siedler kamen tatsächlich aus dem Westen.”
Vergessene Welten. Kapitel: Das Geheimnis der Steinriesen – Jacob Roggeveen entdeckt die Osterinsel, S. 21

Mit einem Abriss über das “Was bleibt?” gelingt dann das Wiederauftauchen in die Gegenwart und schon ist das nächste Kapitel da und damit der Sprung in die nächste Geschichte. Wieder tritt ein neuer Mensch auf die Bühne, den wir bei seiner Entdeckung meist bis hin zu seinem Tod begleiten könenn. Nach den ersten Kapiteln war mir übrigens klar, dass ich gut daran getan habe, keine Archäologin geworden zu sein. Zumindest nicht zu den Zeiten! Denn so viele sind früh gestorben – Mittelohrentzündung, Ruhr, Malaria. Ohje.

Nicht nur Altbekanntes

Zwar bleiben die Frauen größtenteils auf der Strecke (wie ich oben zum Einstieg berichtet habe), jedoch dürfen dafür viele unbekanntere Forscher, Entdecker und Archäologen auf diese so wunderbar auf Buchseiten bereitete Bühne. Ich interessiere mich schon viele Jahre für Archäologie und doch kannte ich viele der vorgestellten Menschen nicht. Nach nur wenigen Kapiteln wollte ich am liebsten sofort mehr erfahren. Bin auf die letzten Buchseiten zum Quellennachweis gesprungen und habe begonnen, Titel auf meinen Merkzettel zu schreiben. Jede Entdeckergeschichte enthält übrigens auch einen Steckbrief mit den Lebensdaten und einer kurzen Zusammenfassung zu jeder vorgestellten Person.

Leseprobe, Steckbrief von Jacob Roggeveen

Verborgene Schätze, versunkene Welten, S. 21

Einen großen Reiz der Faszination machen auch die Illustrationen des Künstlers Martin Haake aus. In seinen Bildern scheint er mit Materialien zu spielen. Verschiedene Texturen geben den Bildern einen sehr markanten Effekt. Mir gefällt sehr, wie er mit den Möglichkeiten spielt. Seine Illustrationen sind preisgekrönt, ich bin also sicher nicht alleine mit meiner Begeisterung.

Verborgene Welten, versunkene Schätze ist für jüngere Leser*innen konzipiert, aber keineswegs auf diese Zielgruppe festgelegt. Und welches Lob könnte für ein sachkundliches und Wissen versammelndes Werk größer sein, als dass es dazu inspiriert, sich noch intensiver mit den Themen beschäftigen zu wollen? Ein wundervolles und bibliophil gestaltetes Buch, dass lohnt entdeckt zu werden!

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Verborgene Schätze, versunkene Welten. Große Archäologen und ihre Entdeckungen

Geschrieben – Illustriert

Silke Vry – Martin Haake

Genre

Sachbuch. Jugendbuch. Wissen. Illustriertes Buch.

Noch ein paar Details

Im Juli 2017 erschienen im Gerstenberg Verlag, Einzelband, ISBN 978-3-8369-5994-0, 160 farbige Seiten, Hardcover mit Leinenrücken, EUR 24,95

Dieses Buch habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon natürlich unbeeinflusst.

Cover des Buches. Zeigt eine Illustration der Totenmaske eines Pharao

Verborgene Schätze, versunkene Welten © Gerstenberg Verlag

6 Comments

  • Avatar
    Chrissi
    7. Mai 2019 at 23:08

    Guten Abend,

    sieht nach einem mega spannenden Buch aus.
    Leider sagen mir die illustrationen auf den ersten Blick nicht so zu.
    Als Ex-Archäologie-Studentin behalte ich das Buch aber trotzdem mal im Auge.
    Vielleicht bekomme ich es in irgendeiner Buchhandlung mal in die Finger und schau noch mal genauer rein.

    Alles liebe
    Chrissi

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      9. Mai 2019 at 20:35

      Hi Chrissi
      Das ist ein guter Plan, dann kannst du es dir noch einmal live anschauen!
      Liebe Grüße
      Sandra

      Reply
  • Avatar
    Kat
    5. Mai 2019 at 12:23

    Huhu :)
    Was für ein tolles Buch und was für eine tolle Rezension! Ich studiere Ägyptologie und bin jetzt natürlich etwas neugierig auf den ägyptischen Teil :D Das Buch scheint wirklich fabelhaft zu sein und ich werde definitiv mal einen genaueren Blick darauf werfen.
    Danke! :)
    Liebe Grüße & einen schönen Sonntag.
    Kat

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      5. Mai 2019 at 14:07

      Huhu Kat ;-)
      Und danke für die Blumen *freu*. Ich wäre wirklich am liebsten graben gegangen als ich es gelesen habe. Falls du es lesen solltest, interessiert mich deine Meinung brennend!
      Liebe Grüße und auch dir noch einen tollen Tag
      Sandra

      Reply
  • Avatar
    Elisa
    4. Mai 2019 at 13:50

    Wow jetzt hast du mich aber angefixt :D
    Das Buch klingt wirklich toll und ist sofort auf meine Wunschliste gewandert
    Gut, dass die Autorin auf den Sexismus in dem Job eingeht.
    Ist ja leider in vielen Bereichen so, dass die Erfolge von Frauen übergangen wurden.

    LG
    Elisa

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      4. Mai 2019 at 14:55

      Hui, Elisa – das freut mich sehr :-) Ein wirklich schönes Buch und ich habe noch ein hübsches aus der Gerstenberg-Reihe hier (Der Mensch), das werde ich auch bald lesen.
      LG
      Sandra

      Reply

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