Höchst inspirierend: Das Fehlen des Flüsterns im Wind von Miriam Schäfer

Buch auf einem Hintergrund mit Regentropfen
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Dies ist eine Buchbesprechung. Ich stelle diesen Satz an den Anfang, da ich mit dieser Rezension meine eigenen Konventionen brechen werde. In den meisten Fällen berichte ich zunächst vom Inhalt, dann folgt meine Meinung und zum Ende hin komme ich meist noch dazu, wen das jeweilige Buch interessieren könnte, für wen es geeignet ist und warum es so ist. Eine solche Struktur erwarte ich (vermutlich unbewusst) auch beim Lesen von Rezensionen. Heute aber mache ich es andersherum, ich rolle das Feld von hinten auf, wie es ein geflügeltes Wort sagt. Lasst euch überraschen.

Diese Sammlung von 21 Kurzgeschichten der Autorin Miriam Schäfer kann jedem etwas geben, der

* gerne anspruchsvolle Phantastik liest.
* es liebt, abzutauchen in düstere, geheimnisvolle, futuristische, emotionsgeladene, märchenhafte, gruselige oder auch geistreiche (im wahrsten Sinne des Wortes) Welten.
* sich beim Lesen von der Autor_in ernst genommen fühlen möchte (es gibt meines Erachtens kaum Schlimmeres, als wenn eine Autor_in stets erklärt, was gerade warum passiert und uns Leser_innen eine gewisse Intelligenz abschreibt).
* eine Inspiration fürs Schreiben sucht (!)
* schöne Sprache schätzt.

Unbedingt drüber reden oder schreiben

Kennt ihr das Gefühl, ein Buch gelesen zu haben und unbedingt danach darüber sprechen, davon berichten zu wollen? Oder … wenn ihr selbst schreibt, so hoch inspiriert seid, euch sofort an eigene Texte setzen wollt? Mir ging es so mit der Anthologie Das Fehlen des Flüsterns im Wind. Und zwar bereits nach wenigen gelesenen Storys. Ich lese sehr gerne Kurzgeschichten und ich mag offene Enden. Ich mag Storys, da sie meist zum Denken anregen, der Fantasie freien Lauf lassen und wenn sie gut sind … mich selbst inspirieren können an meinen eigenen Geschichten weiter zu arbeiten oder sogar neue zu schreiben.

Und bei all diesen Vorlieben trifft Miriam Schäfer ins Schwarze. Nicht mit jeder ihrer 21 Geschichten hat sie dies geschafft – manchen merkt man ihr im Laufe des Schaffens der Autorin, frühes Entstehungsdatum an, aber einige haben mich doch sehr inspiriert, mir selbst (als Autorin) Mut gemacht. Mut, auch einmal einfach drauflos zuschreiben, Mut, auch kurze Texte zuzulassen. Und sie haben mir dabei geholfen, zu sortieren. Soll heißen, meine vielen Ideen nicht in eine oder zwei Kurzgeschichten packen zu wollen, sondern zu akzeptieren, dass ganz viele daraus werden könnten. Also, wenn ihr in einer Schreibflaute seid, greift zu Kurzgeschichten. Miriam Schäfers sind dafür eine exzellente Wahl.

Als Leserin haben mir im Besonderen die hohe sprachliche Qualität und die leichte Düsternis in den Storys zugesagt. Viele der Geschichten beschäftigen sich mit der Zwischenwelt, Geistern, dem Tod (somit natürlich auch dem Leben) und der Liebe. Alles schön geheimnisvoll; rückblickend fällt mir die mittlerweile schon nostalgische TV-Serie “Twilight Zone” als Parallele ein. Ich mag Schauergeschichten ebenso wie Science Fiction sehr und beides kann ich in diesem Buch finden.

Jetzt habe ich so viel davon berichtet, was ich mag. Und meine Hoffnung ist, dass dies euch hilft, einzuordnen, ob diese Anthologie auch etwas ist, dass euch gefallen könnte. Noch ein paar Worte zu meinen persönlichen Favoriten unter den 21:

Dyson – ein beklemmendes futuristisches Szenario, das mich übrigens sofort auf eigene Ideen gebracht hat.
Der Wunsch – nimmt das klassische Thema der unvorhersehbaren und meist in die falsche Richtung laufenden Auswirkungen eines ausgesprochenen Wunsches auf.
Engel – short. urban. fantasy. Diese 3 Worte beschreiben die Story, bei der ich an einen meiner Lieblingsautoren denken musste … Neil Gaiman.
Ein Sommernachtstraum – Feenwelt (ebenfalls ja eine Art Zwischenwelte), ich habe einfach einen Hang zu Fairy-Storys.
Hannah – hat mich emotional berührt und es kommt ein Drache vor.
Morgen – mit knappen drei Seiten eine der kürzesten Geschichten im Buch und für mich aber hochinspirierend und bestätigend im Bild, das sie in mir malt.

“Dort, weit unten, schweben die Bruchstücke dessen, was einmal der Ursprung unseres Lebens gewesen sein soll.
Sie nennen es Erde.”
Das Fehlen des Flüsterns im Wind, S. 164

Wenn ich mir jetzt wünschen darf, dann ist dies ein Roman der Autorin. Wobei … mit Wünschen sollte man ja vorsichtig sein. Was soll’s, ich wage es und wünsche es mir trotzdem.

Das Fehlen des Flüsterns im Wind
… und andere phantastische Kurzgeschichten aus dem Halbdunkel

Geschrieben von

Miriam Schäfer

Genre und Leseprobe

Phantastik. Kurzgeschichten.
Eine Leseprobe steht auf der Webseite des Verlags zur Verfügung: Das Fehlen des Flüsterns im Wind (Leseprobe) beim acabus Verlag

Autorenwebseite

Miriam Schäfer hat eine gut gepflegte Webseite mit Infos zu Lesungen, Publikationen und mehr: https://www.miriamschaefer.com/

Noch ein paar Details

2018 erschienen im acabus Verlag als Papierbuch (Print, 184 Seiten) und eBook

Gelesen …

… immer mal wieder unterwegs im Zug. Aber auch zu Hause im Lesesessel und im Bett.

Eine weitere Rezension findet sich im Blog von:
“Bücher wie Sterne” von Jay (Link)

Buch in einem Buchladen kaufen

Das Fehlen des Flüsterns im Wind Cover zeigt einen Baum in lilabraunen Farben

5 Kommentare

  1. Oh ich hatte es schon befürchtet! Titel und Cover sprechen mich echt an und (war es Insta?) als du es als dein aktuelles Buch zeigtest, hab ich direkt den Klappentext gegoogelt. Nun deine Rezi und es ist ein habenWill-Buch geworden – auf der WuLi war es nach deinem post schon :D

  2. Obwohl normalerweise fantastische Geschichten nicht unbedingt zu meinem “Beuteschema” gehören, hast Du mir mit Deiner erfrischend kurz gehaltenen Besprechung große Lust gemacht, es mit diesen Geschichten mal zu versuchen.
    Danke dafür!

  3. Pingback: Inspirierend?! Phantastisch ^_^ | :: Miriam Schäfer :: (Autorin)

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