Alle Artikel in: Graphic Novels

Comicband vor einem grauen Hintergrund. Cover zeigt Läuferin vor rotem Hintergrund (Laufbahn) und bewaffneten Männern

„Der Traum von Olympia“ von Reinhard Kleist

Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking lief Samia Yusuf Omar als Letzte ins Ziel des 200-Meter-Laufs. Jedoch erhielt sie brandenden Applaus, denn trotz deutlichem Vorsprung ihrer Konkurentinnen hielt sie durch und gab nicht auf. Sie bewies es sich und allen anderen. Sie lief durchs Ziel bei den Olympischen Spielen! Für Somalia. Aufgewachsen in diesem Land, das einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg stand hält, hatte sie diesen Traum stets vor Augen, während sie in einem mit großen Schlaglöchern gesäumten Stadion trainierte und immerzu rannte, obwohl es sich nach Ansicht der islamistischen Bewegung Al-Shabaab nicht schickte, dass Frauen rannten. Mit jedem Herzschlag lebte sie für das Laufen, hoffte darauf als professionelle Leistungssportlerin so viel Geld zu verdienen, dass sie auch ihre Familie unterstützen könnte. Der Traum von Olympia erzählt von dieser willensstarken und von einem Traum getriebenen jungen Frau und ihrem unfassbaren Weg voller Gewalt, Greuel und Erniedrigungen nach Europa. Sie starb 2012 kurz vor Erreichen des italienischen Festlands im Alter von 21 Jahren. Gegen das Vergessen Reinhard Kleist erzählt in schwarz-weiß-grauen Bildern vom Leben in einer sogenannten …

Graphic Novel vor dem Hintergrund eines grauen Sessels

Die Stadt der träumenden Bücher. Teil 1: Buchhaim

Ein Wiedersehen mit dem Lindwurm Hildegunst Auf dem Sterbebett vermacht der 888 Jahre alte Lindwurm Danzelot von Silbendrechsler seinem Dichtpatensohn Hildegunst von Mythenmetz einen ganz besonderen Text. Es sei das kostbarste Manuskript aller Zeiten und absolut einmalig. Leider erliegt Danzelot seiner Grippe und so bleibt dem jungen und noch unerfahrenen Hildegunst nur, sich selbst ein Bild von seinem Erbe zu machen. Als er den Text liest, ist er sich sicher: sein Lehrmeister hatte recht! Nur wer hat diese erfüllenden Seiten verfasst? Ist der Autor ebenfalls ein Lindwurm? Wo lebt er? Hildegunst sieht nur einen Weg, um dieses Rätsel zu lösen. Er muss nach Buchhaim! In die Stadt der Bücher unter dem das legendäre Bücherlabyrinth liegt. Wenn jemand diese Worte geschrieben hat, dann MUSS er in Buchhaim zu finden sein. Wo sonst? … (Nicht nur) für Buchliebhaber Vor ein paar Monaten las ich davon, dass es eine Comicadaption eines meiner Lieblingsbücher geben sollte: „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers. Sofort landete die Graphic Novel, die in zwei Teilen erscheinen sollte, auf meiner Wunschliste. Dass die …

Cover des Comics, daneben eine schwarze Lesebrille und ein Brillenetui in rot mit weißen Punkten. Alles auf rotem Hintergrund

Daytripper von Fábio Moon und Gabriel Bá

Es muss raus … Kennt ihr das, wenn eine Geschichte euch so beeindruckt, so viel in euch hinterlässt, dass ihr sofort und gleich etwas dazu schreiben müsst? Dass es raus muss, die Emotionen, die Leseerlebnisse und vielleicht auch das Gefühl, jetzt und gleich herausschrei(b)en zu müssen, wie tief berührt ihr seid? Ich habe gerade „Daytripper“ beendet. Und genau dieses „Es muss raus …“-Gefühl spüre ich tief in mir. Meine Erkältung und die damit verbundene benötigte Ruhe ist zugleich ein Luxus und erlaubt es mir diesen Text sofort zu schreiben. Berechtigt … ist jedes Lob, das ich bisher über diesen Comic gehört und gelesen habe. Auch jede Lobeshymne, die auf und im Vorwort des Buches abgedruckt ist, ist passend und mitnichten übertrieben. Mein erstes Wort nach dem Zuschlagen des Bandes war „Wow!“. Fábio Moon und Gabriel Bá haben mit „Daytripper“ ein Meisterwerk geschaffen, für dessen Beschreibung mir fast alle Worte fehlen. Ihre Kapitel, die das Leben (oder auch mögliche Leben?) des Brás de Oliva Domingos wiedergeben sind stets eine Ode an genau das: Das Leben. An die …

Verschiedene Comicalben

Femmes en bandes dessinées – Frauen in Comics

Fünf Reihen, sechs Frauen Mit Frankreich hat die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr ein Gastland ausgewählt, das sich geradezu dafür anbietet über Comics zu berichten. Der franko-belgische Raum ist bekannt für seine große Comickultur. Klassiker wie „Asterix“ und „Tim und Struppi“ gehören zur Popkultur wie Disneyfilme und Michael Jackson und sind auch Nicht-ComicleserInnen bekannt. Größen wie Moebius haben Generationen von (Drehbuch-)AutorInnen inspiriert. Widmen möchte ich mich aber nicht den allseits bekannten Figuren. Mein Augenmerk gilt heute den Frauen in französischen Comics. Ich stelle fünf ganz unterschiedliche Charaktere vor – eine davon war allerdings tatsächlich auch gerade auf der großen Leinwand zu sehen. Beginnen möchte ich aber mit

Ein Denkmal für Widerständler – „kleiner vogel rot“ von Veronika Mischitz und Christopher Bünte

Gestern, am 25. März 2017, bin ich von der Leipziger Buchmesse zurückgekehrt und saß abends erschöpft und in trauter Zweisamkeit vor dem TV. In der Tagesschau wurden Bilder über polizeiliche Festnahmen von friedlich demonstrierenden Menschen in Minsk gezeigt. Der 25. März ist „Der Tag der Freiheit“ im diktatorisch regierten Weißrussland und, so lautete die Meldung, die Behörden die Demonstrationen nicht genehmigt hatte, schritt die Polizei ein. Menschen wurden mit Schlagstöcken zu Boden geknüppelt. Ältere Menschen wurden in gepanzerte Transporter gezogen. Es war gruselig anzusehen und bereitete uns eine Gänsehaut. Doch die Bilder zeigten auch, dass die Demonstranten sich nicht einschüchtern ließen. Beispielsweise waren Frauen zu sehen, die das Abführen von (womöglich ihren) Männern mit bloßen Händen zu verhindern suchten.

Melvile – Die Geschichte von Samuel Beauclair

Der Mai ist rum und der Garten und das Drumherum haben viel Zeit in Anspruch genommen. Gelesen habe ich natürlich auch, nur noch nicht hier drüber geschrieben. Ein echtes Highlight war Romain Renards „Melvile“, erschienen im Splitter Verlag. Der Comic erzählt die Geschichte eines Autors mit einer Schreibblockade, den es in das Haus seines Vaters zieht. Mehr in meiner Rezension, aber nicht so viel, dass ich zuviel von der Story verraten würde. Melvile ist übrigens ein multimediales Erlebnis!