The Fall Band 1 von Jared Muralt =Rezension=

The Fall Band 1 - der Comic liegt auf einem dunkelroten Untergrund
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Es passiert mir immer mal wieder. Ich stöbere durch die Neuerscheinungen im Comicbuchladen und stoße dabei auf ein Cover, das mich sofort anspricht. Das mich so sehr neugierig macht, dass ich einen Blick auf den Klappentext werfe, in den Comic schaue, nachsehe, von wem Story, Zeichnungen und Koloration sind und schließlich auch ein paar Panels lese. Im Falle von The Fall Band 1 war es genau so. Der Künstler war mir unbekannt, das Szenario klang nach etwas, das mir gut gefallen könnte (postapokalyptisch), Farben und Zeichnungen packten mich sofort. Meine Entscheidung stand fest: Ich will diesen Comic lesen!

Die Grippe

In einer Realität, in der Rezession herrscht, eine Weltwirtschaftskrise ausgebrochen ist und in den USA das Kriegsrecht verhängt wurde, lebt Liam mit seiner Frau Maria und den Kindern Sophia und Max. Eine weitreichende Sommergrippe, die fast jeden erwischt hatte, scheint endlich abgeebbt zu sein. Maria, die im örtlichen Krankenhaus arbeitet, war das einzige Mitglied der Familie, das sich nicht angesteckt hatte.

Die Freude darüber, die Sommergrippe endlich abgeschüttelt zu haben, ergreift die Menschen der Stadt jedoch zu früh, denn ein hartnäckiger, offensichtlich resistenter Virenstamm setzt sich durch und breitet sich aus. Dieses Mal kommen die Erkrankten nicht mit dem Schrecken davon. Innerhalb kürzester Zeit eskaliert die Situation. Hunderte. Tausende Menschen sterben. Der Tod ist überall. Gebiete werden unter Quarantäne gestellt. Lebensmittel verknappen, Zonen werden nicht mehr versorgt. Der Überlebenswille drängt den Egoismus der Menschen an die Oberfläche. Wenige Tage reichen, um die gesamte Stadt im Chaos versinken zu lassen.

Und Maria kommt von ihrer Schicht im Krankenhaus nicht nach Hause …

Splashpage zeigt viele kleine Menschen in einer Stadtkulisse, überall Autos, alles ist verstopft. Chaos.

The Fall Band 1, Ausschnitt Seite 16-17

Es geht so schnell bergab. So unfassbar schnell.

Jared Muralts Setting ist in grau-, blau- und rosefarbene Töne getaucht. Mit dieser Farbwahl erschafft er so etwas wie eine zeichnerische Staubschicht, die sich auf die Stadt und die Menschen legt. Das Cover gibt darauf einen perfekten Vorgeschmack. The Fall ist angelegt auf insgesamt sechs Kapitel, von denen die ersten drei im Albenformat in diesem Band versammelt sind. Jedes Kapitel erscheint jedoch im Abstand von je einem halben Jahr zunächst in Heftform, wahlweise in deutscher oder englischer Sprache.

Als Leser_innen bewegen wir uns ganz nah an der Familie durch die von einer Pandämie geprägten Stadt. Es wirkt als wären sie in einer Art unsichtbarer Seifenblase unterwegs, die einen klitzekleinen Teil heiler Welt aufrecht zu erhalten scheint. Ein kleines Gefühl, dass alles in Ordnung ist, umgibt sie dabei. In diese Blase dürfen wir als Leser_innen eintreten, ohne dabei selbst bemerkt zu werden. Die Blicke auf die kleine Gruppe ist somit sehr intim und ruft eine gewisse Art von Normalität hervor, die jedoch umringt ist von Chaos, Tod und Zerfall. Es geht so unfassbar schnell zu Ende mit der Stadt, den Menschen, der Gesellschaft, die Muralt uns zeigt. Würde es tatsächlich so schnell gehen, wenn heute ein solches Szenario eintreten würde? Was passiert, wenn alles außer Kontrolle gerät, die “Normalität” abrutscht?

Diesen Gedanken hänge ich noch jetzt beim Schreiben dieser Rezension nach. Und dann fällt mir erneut auf, wie dünn und von kurzer Lebensdauer doch eine Seifenblase eigentlich ist …

The Fall Band 1 begeistert mit einer bedrückenden Story in fast verträumt farbigen Bildern. Ein feiner Strich mit einem Fokus auf die im Mittelpunkt stehenden und authentisch wirkenden Charaktere, das Ganze in Realität ausstrahlenden Stadtkulissen. Kapitel 4 erscheint im November 2018 und ich bleibe dran! Ich werde die Seifenblase nicht freiwillig verlassen.

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The Fall Band 1

Geschrieben und gezeichnet von

Jared Muralt

Genre und Leseprobe

Comic. Postapokalypse.
Eine Leseprobe gibt es beim Verlag Tintenkilby (shop.blackyard.ch)

Noch ein paar Details

2018 erschienen in drei Kapiteln und als Volume bei Tintenkilby, ISBN 978-3-906828-30-5, 64 farbige Seiten, Softcover.

Wer sich den Band kaufen möchte, kann dies in Comicbuchläden tun oder ihn hier online bestellen: blackyard.ch
Dort kann auch ein Abo für die gesamte Reihe geordert werden: Abo für The Fall
Poster gibt es auch noch …

Und … es gibt auch eine App-Version, die im App-Store zur Verfügung steht (APP-OCALYPSE NOW!)

Mehr über den Autor

Wer mehr über Jared Muralt und seine Kunst erfahren möchte, kann auf seine Autoren-Webseite schauen.

Im Podcast

The Fall Band 1 ist meine Empfehlung in Folge 3 unseres Podcasts 3 Frauen. n Comics. Der Comicklatsch

Geeignet auch für Comic-Einsteiger!

Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon völlig unbeeinflusst.

The Fall Band 1 Cover

5 Kommentare

  1. Eine schöne Besprechung eines mir bis eben noch unbekannten Titels! Das Cover hat mich auch sofort angesprochen und was du schreibst sowie der kleine Einblick ins Innere machen mich neugierig auf mehr – dabei bin ich kein sonderlicher Fan postapokalyptischer Stoffe. Aber hier scheint der Fokus auf Dingen zu liegen, die ganz nach meinem Geschmack sind. Die Farbgebung ist traumhaft! Ich mag ja Comics, deren Handlung in Städten oder vor anderen größeren Landschaften angesiedelt ist, die in Gelb-Rosa-Blau-Tönen gehalten sind.

    Wirst du die Fortsetzungen später auch besprechen?

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Kathrin

    PS: Danke für deine zahlreichen Kommentare auf meinem Blog – momentan bin ich viel unterwegs und kaum am Rechner, aber ich hoffe, morgen endlich alle Kommentare beantworten zu können. :)

    • booknapping

      Hallo Kathrin,
      schön, dass dir Comic und mein Text gefallen. Ich mag urbane Settings auch sehr, vielleicht auch ein Grund, weshalb mich schon die Optik gleich angesprochen hat. Ich werde ganz sicher auch über die abschließenden drei Kapitel berichten. Bis zum Ende der Story sind es ja noch gut 1,5 Jahre und ich bin jetzt schon gespannt darauf, wie es weiter geht. Wenn du es gelesen hast (falls du es liest ;-) ) wirst du nachvollziehen können, warum das so ist.

      P. S.: Mach dir keinen Kopf, ich komme auch nur wenig zu allem. Ich könnte auf deiner Seite eh fast jeden Beitrag kommentieren, weil ich deine Texte und die Auswahl so sehr mag. Da kommt vielleicht also noch mehr von mir *gg*.

  2. Das Cover erinnert mich total an Paper Girls – gefällt mir gut! Sicherlich gab es schon einige Szenarien in Filmen etc die bereits eine ähnliche Geschichte erzählen. The Road, Contagion, aber manchmal macht der Stil und die Atmosphäre den Unterschied. Ich denke das merke ich mir mal :D Danke für den Tipp

    • booknapping

      Hi :-)
      Thematisch hat es tatsächlich gar nichts mit den Paper Girls gemeinsam, aber ich kann deine Assoziation trotzdem nachvollziehen. Und ja, die Story an sich ist nicht neu, die Art zu erzählen aber ganz besonders. Ich glaube, einem Film würde es schwer fallen, diese hier gegebene Atmosphäre so einzufangen. Falls du es liest, freue ich mich über deine Meinung.
      Liebe Grüße,
      Sandra

  3. Pingback: [Die Sonntagsleserin] Juli 2018 - Phantásienreisen

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