MENU
Auch für Comic-Einsteiger / Highlights / Podcast

Die lebende Tote – Olivier Vatine + Alberto Varanda

Comic liegt auf alten Büchern

Kapitel 1: Lises Tod

Auf einer zerstörten Erde sind Alex und Martha auf der Suche nach verwertbarem Material, nach Schätzen aus der Vergangenheit. Bücher bringen stets gute Preise auf dem Schwarzmarkt, daher ist ihr aktueller Fund wissenschaftlicher Werke ein Erfolg. Käufer auf dem Mars lechzen geradezu nach diesen alten papiernen Hinterlassenschaften, denn der Rohstoff aus dem sie hergestellt werden, ist nicht mehr verfügbar: Holz.

Leseprobe eine ganze Seite, die einen Turm zeigt

Die lebende Tote, Seite 3

Bei der Bergung der Beute aus einem viele Stockwerke hohen Gebäude kommt es allerdings zu einem schwerwiegenden Unglück. Marthas Tochter Lisa stürzt ungesichert in den Turm, schlägt hart auf dem steinernen Boden auf. Mitglieder des Teams, die in weitere Tiefen des teils mit Wasser gefluteten Turmes getaucht waren können direkt nach dem Sturz beobachten, wie sich einige große Krakenwesen dem leblosen Körper des kleinen Mädchens nähern. Sie scheinen körperlichen Kontakt mit ihm aufzunehmen und befördern es schließlich mit ihren Krakenarmen an die Oberfläche. Lise ist wieder bei ihrer Mutter. Aber Lise ist tot.

Leseprobe

Die lebende Tote, Seite 7

Immer weiter hinab

Die lebende Tote wurde inszeniert von den Comickünstlern Olivier Vatine und Alberto Varanda. Vatine, der mir vor allem durch seine hervorragende Science Fiction-Serie Aquablue bekannt ist, hat mich mit seinem Szenario hier wirklich erwischt. Nachdem das Cover eine cthulhoide Story in einem viktorianisch anmutendem Setting suggerierte, war ich überaus (positiv) überrascht, als Vatine nach nur wenigen Seiten mit seiner Story auf den Mars wechselt. Umso weiter die Story voranschreitet, desto deutlicher wird, wie weit entfernt sie in der Zukunft angesiedelt ist. Und wie stark trotzdem die Anklänge zur klassischen Schauerliteratur des frühen 20. Jahrhunderts sind.

Genial eingewoben sind die Parallelen zu Mary Shelleys Frankenstein. Beispielsweise erinnerte mich der Monolog des mit dem Klonen beauftragten Wissenschaftlers (irgendwie muss Lise ja schließlich wieder „lebendig“ werden) an die Monologe in Shelleys Werk. Die insgesamt bedrückende und geheimnisvolle Stimmung ist ein weiteres Element, das mich diesen Vergleich beim Lesen geradezu spüren ließ. Ich fühlte mich erinnert an mein intensives Leseerlebnis von Frankenstein. Übrigens ein zutiefst beeindruckendes Buch, das mich mit in sein schwarzes Loch gezogen hat. Definitiv nichts für sonnige fröhliche Tage.

Auch in Die lebende Tote dreht sich die Spirale des Schreckens immer weiter. Taten zeigen Wirkung. Es ist nicht überraschend, dass diese Story nicht lustig und fröhlich endet.

Comicleseprobe zeigt den Mars

Die lebende Tote, Seite 10

Varanda hat diese so besondere und eigenständige Story in opulenten Bildern in Szene gesetzt, die wiederum von Vatine in meist gedeckten, der Stimmung angepassten Farben koloriert wurden. Zusammen ergibt das Artwork eine hohe Plastizität, die mich einmal sogar hat versuchen lassen, einen scheinbaren Krümel von einer Seite zu wischen, der sich aber als Teil einer Zeichnung entpuppte. Ein Lob hier auch an das sehr gut lesbare Lettering.

Beeindruckend empfand ich die Wirkung der von Varanda großzügig eingesetzten Schraffuren, die den Bildern eine ganz besondere Textur geben.

Die lebende Tote bietet literarische Unterhaltung auf hohem Niveau, fasziniert durch Schaueratmosphäre, eine atmosphärisch dichte Geschichte und verwebt Genre auf eine Weise, die einfach nur großartig ist.

DIE LEBENDE TOTE

Anzeige

Story und Farben: Olivier Vatine
Zeichnungen: Alberto Varanda
Details: erschienen am 22. Mai 2019 im Splitter Verlag (Link zur Leseprobe) • Einzelband • 72 farbige Seiten • Hardcover • Euro 18 • ISBN 978-3-96219-312-6
Auch für Comic-Einsteiger*innen geeignet!

Rezensionen in anderen Blogs:
Bella’s Wonderworld (LINK)
Buchperlenblog (LINK)

Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst.

Cover in schwarzweiß

Die lebende Tote

7 Comments

  • Avatar
    Michael Kleu
    19. März 2020 at 21:20

    Um den Comic-Laden meiner Stadt durch die Corona-bedingte Schließung zu bringen, habe ich mir dieses Comic jetzt bestelt, weil ich bei Dir und Ariane davon gelesen habe.

    Ich bin sehr gespannt. Das Cover spricht mich jedenfalls sehr an.

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      20. März 2020 at 12:06

      Und ich bin auf deine Meinung gespannt! Leider ist die literarische Vorlage nicht übersetzt, ansonsten würde ich da auch sofort zugreifen. Viel Spaß!
      LG
      Sandra

      Reply
      • Avatar
        Michael Kleu
        27. März 2020 at 18:48

        Eindruck nach dem ersten Lesen:

        Bis zur „Wiederbelebung“ finde ich das Comic grandios. Tolle Bilder, tolle Stimmung. Beim Ende bin ich mir noch nicht so sicher, wie ich es finde.

        In ein paar Tagen werde ich es noch einmal lesen, dann weiß ich mehr.

        Ach, es gibt eine Literaturvorlage? Da muss ich aber mal schauen.

        Reply
        • booknapping
          booknapping
          29. März 2020 at 13:46

          Also ich mag es auch nach der Wiederbelebung sehr :-)
          Die Vorlage ist aber wohl nicht übersetzt, leider.

          LG
          Sandra

          Reply
  • Avatar
    Bella
    22. August 2019 at 09:45

    Hallo Sandra,

    da kann ich dir absolut zustimmen – Ein wirklich großartiges Werk.

    Ich verlinke deine Rezension gleich auch noch bei mir ;)

    Herzliche Grüße
    Bella

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      24. August 2019 at 08:18

      Danke, liebe Bella :-*

      Reply
  • Avatar
    Buchperlenblog
    17. August 2019 at 18:21

    Huhu Sandra!
    Hat mir auch definitiv gefallen die Geschichte mit ihren vielen Anlehnungen an literarische Verwandte. Davon könnt ich gern mehr lesen 😊

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Reply

Hinterlasse mir einen Kommentar

Mit Absenden deines Kommentars akzeptierst du meine Datenschutzbestimmungen.

%d Bloggern gefällt das: