Alle Artikel in: Comicrezension

Hier findet ihr ausführliche Rezensionen zu Büchern, Heften, Taschenbüchern, Sammelbänden und was es sonst noch alles so gibt – immer aus dem Bereich der Comics.

IKON Titel

IKON von Simon Schwartz =Rezension=

Anastasia Romanowa war eines der fünf Kinder des Zaren und lebte Anfang des 20. Jahrhunderts in einer zunächst aristokratischen Idylle. IKON erzählt vom Leben dieser jungen Zarentochter, das im Jahr 1918 ein gewaltsames und sehr frühes Ende nahm. Ebenso widmet sich IKON dem Lebensweg ihres Jugendfreunds, Gleb Botkin, dem Sohn des Leibarztes der Zarenfamilie. Gleb verehrte die Zarenprinzessin geradezu, schien süchtig nach ihrem “Bild” zu sein. Eine ungleiche Freundschaft, die von Anbetung auf der einen Seite und eher unterhaltendem Wert auf der anderen geprägt war. Nach Hinrichtung der Zarenfamilie und auch seines Vaters im Jahr 1918 verblieb Gleb als einziger Überlebender und übersiedelte in die USA. Dort suchte er sich eine neue “Ikone”, die Göttin Aphrodite und gründete zu deren Ehren eine eigene Kirche, seine eigene Religion. Eines Tages aber taucht Anastasia wieder auf. Eine Pflegerin in einer deutschen “Irrenanstalt” glaubt sie in einer jungen Frau zu erkennen, die nach einem misslungenen Suizid aus dem Wasser gefischt und in die Klinik eingeliefert wurde. Es handelt sich um Franziska Czenstkowski, die fortan als wiedergefundene Zarentochter Anastasia gilt. Etliche Zeit …

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Yoko Tsuno Sammelband 9 hat einen rosa-lila Hintergrund und zeigt Yoko und Khany auf dem Cover

Yoko Tsuno Sammelband 9: Geheimnisse und böser Zauber von Roger Leloup =Rezension=

Jemand hier, der Yoko Tsuno noch nicht kennt? Ich beginne einfach mal mit ein paar Informationen zu der aus Japan stammenden Elektronikexpertin. Anfang der 1970er Jahre erschienen die ersten Abenteuer der Technikerin. Stets war sie eigenständig unterwegs und es stand nie zur Diskussion, dass sie mit ihren Fähigkeiten hinter Männern zurückbleiben könnte. Diskriminierung kennt sie nicht, setzt sich stets für Menschen ein, die Hilfe benötigen – besser noch für Lebewesen, denn nicht immer sind die Hilfesuchenden menschlich – und nicht selten gerät dabei ihr eigenes Leben in Gefahr. Sie kämpft und fliegt, egal ob Flugzeug oder Raumschiff. Sie tüftelt und repariert. Yoko Tsuno ist ein ganz wundervolles Vorbild für alle Generationen. Jeder Comicband kann übrigens auch für sich alleine gelesen werden, es handelt sich stets um abgeschlossene Geschichten. Die einzelnen Bände nehmen zwar Geschehnisse aus vorangegangenen Storys wieder auf, eine Kenntnis dieser ist aber nicht zwingend nötig. Das Bonusmaterial zuerst?! Carlsen bringt neben den neu erscheinenden Alben der Reihe seit 2007 auch die Sammelbände zur Yoko Tsuno-Reihe heraus. In einem Hardcoverband sind jeweils drei Alben …

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Comic Grün 1 neben einer Originalzeichnung in schwarzem Fineliner einer Hybride aus "Mensch" und Pflanze

Prallgefüllte Welt. Grün Band 1 von Frauke Berger. =Rezension=

Mit der Ankündigung, dass es sich bei Grün um eine “ökologische Fabel” handelt, also eine Story, die in eins meiner Lieblingsgenre, der ökologischen Science Fiction, fällt, hatte mich der Splitter Verlag am Haken. Voller Vorfreude ging es also rein ins Vergnügen und auf die Suche nach dem Grün in Frauke Bergers erster Comicveröffentlichung. Worum geht es in Grün? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Im Normalfalle leite ich meine Rezensionen mit einer selbst verfassten kurzen Inhaltsangabe, einem Teaser ein. Hier aber fällt es mir schwer, daher orientiere ich mich ausnahmsweise am Klappentext und zitiere hier einen Teil: Ein grüner Planet in einem entfernten Winkel der Galaxis kämpft um sein Überleben. Eine mysteriöse Seuche verheert die Länder, die Einwohner hungern, und ganz Völker welken dahin wie Laub und verschwinden. Auf ihren rastlosen Reisen versucht die Nomadin Lis, der Krankheit zu entgehen. Aber die Geschichte des Planeten holt sie unweigerlich ein, und auch ihrer eigenen Vergangenheit kann sie nicht entkommen. Können ihre Verbündeten ihr helfen, alte Bande zu knüpfen und der Verderbnis Einhalt zu gebieten? Ende 1970er Jahre …

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Comic auf einem antiken grünen Lehnstuhl

Geistreich! Professor Bell Bd. 1: Der Mexikaner mit den zwei Köpfen von Joann Sfar

Wie der Klappentext verrät, war Joseph Bell nicht nur Chirurg, Kinder- und Militärarzt, sondern auch der Lehrer und Mentor Arthur Conan Doyles. Dieser wiederum durch den Professor zu seinem Sherlock Holmes inspiriert wurde. Autor Joann Sfar erzählt uns von der Begegnung dieser historischen Person mit einem Klienten namens Pascual Pinon. Pinon leitet ein Irrenhaus, in dem ausschließlich weibliche “Insassen” aufgenommen werden und hat selbst ein dunkles Geheimnis. Ein zweiter kleiner Kopf wächst aus seiner Stirn, weshalb er befürchtet von seiner Angebeteten abgewiesen zu werden, wenn er ihr diese Monstrosität zeigt. Mit dem Wunsch, den Kopf entfernen zu lassen, wendet er sich an Professor Bell. Befreit von dem Parasiten könnte er endlich heiraten. Und glücklich werden. Als Bell nicht gleich zusagt, wendet Pinon Gewalt an und opfert einen Unschuldigen … Geistreiche Schauerliteratur Joann Sfar hat einen unverkennbaren Stil, wer einmal etwas von dem Autor gesehen hat, wird es immer wieder erkennen. Behaupte ich jetzt einfach mal. Ein (auch in der deutschen Übersetzung) stellenweise kritzeliges Lettering, das in anderen seiner Comics auch schon mal nahezu unlesbar sein …

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Comic in einem Weidenkorb, daneben eine kleine weiße Orchidee

Schatten der Shinobi von Runberg und Zhifeng. Dämonisch und überraschend.

Der als Splitter Double erschienene Zweiteiler Schatten der Shinobi nimmt seine Leser_innen mit ins mittelalterliche Japan. Beherrscht wird das Land von der skrupellosen Kaiserin Hiroyo, deren Gegner mit den legendären Shinobi zusammenarbeiten. Diese gelten als starke Kämpfer und heimtückische Mörder. Assassinen. Unermüdlich ist der Trupp auf dem langen Weg zum kaiserlichen Palast. Doch nicht nur die mitreisenden Shinobi scheinen von Geheimnissen umgeben zu sein. Auch die Kaiserin hat deutlich mehr zu bieten als auf den ersten Blick erkennbar ist. Selbst ihre engsten Vertrauten wissen nicht wieviel … Sex und rollende Köpfe Nach den ersten zwanzig Seiten wurde mir klar, dass bis dahin zwar schon viele Personen ihre Köpfe verloren hatten, dies aber bei weitem nicht alle gewesen sein würden. Und ich behielt Recht. Sylvain Runberg hat sich in seinem Szenario nicht zurückgehalten, die Story ist deutlich brutaler und mit mehr Sex gespickt als ich es erwartet hatte. Ein Blick aufs Cover zu dem Zeitpunkt sagte mir, dass ich es allerdings hätte ahnen können, schließlich hält die Kriegerin auf dem Cover bereits zwei abgeschlagene Schädel in ihren Händen. …

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Comic neben einem roten Plüschdrachen

Der erste Spielleiter von D. Kushner/K. Shadmi. Comic-Biographie.

Gary Gygax! In Rollenspielerkreisen ist dieser Name ebenso bekannt wie der Ulrich Kiesows (Schöpfer von “Das Schwarze Auge” kurz DSA, dem ersten “echten” deutschsprachigen Rollenspielsystem). Als Erfinder des Pen & Paper-Rollenspiels Dungeons & Dragons ist Gary Gygax in die Geschichte eingegangen.  Ich selbst habe über zwei Jahrzehnte Pen & Paper gespielt, größtenteils DSA, viele Jahre davon mit einem einzigen Charakter, in einer festen Gruppe. Im Dungeons & Dragons-Universum habe ich mich nie inmitten einer Rollenspielgruppe bewegt, trotzdem trat sofort (gelbes) Leuchten in meine Augen, als ich von der Gygax-Biographie in Comicform erfuhr. Einmal Rollenspielerin, immer Rollenspielerin. David Kushner lieferte das Szenario für Der erste Spielleiter. Gary Gygax und die Erschaffung von D&D, Koren Shadmi durfte es illustrieren. Über ein Kickstarter-Projekt, initiert vom Verlag Feder & Schwert, fand die Übersetzung ins Deutsche seinen Weg zu uns. Produziert wurde dann ein sehr hochwertiges Hardcover mit Lesebändchen und 144 Hochglanzcomicseiten. In ausschließlich schwarz-weißen Panels erzählen die Autoren Gary Gygax’ ganz persönliche Geschichte, begleiten ihn von der Geburt an. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung seiner Spielsysteme, den zugrunde liegenden …

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Comic neben einem PixelArt-Bild, dass Hochhäuser zeigt

Das Hochhaus von Katharina Greve. 102 Etagen Begeisterung.

Schon mal in einem Hochhaus gewohnt? Selbst wenn die Antwort “Nein” ist, hat doch jede_r schon einmal darüber nachgedacht, was die Menschen in den einzelnen Wohnungen eigentlich so treiben. Was sie dort, hinter verschlossenen Türen tun. Wer sie sind. Vielleicht auch, wie sie eingerichtet sind, welche Farbe ihre Küche hat. Und – worüber sie sich unterhalten. Womit sie ihre Zeit verbringen. Katharina Greve erlaubt uns in ihrem Comic Das Hochhaus einen Blick in all die kleinen Wohneinheiten ihres Gebäudes. Hinein in die insgesamt 102 Etagen und damit mitten in den Alltag der Bewohner_innen. Womit vertreiben sich die drei in Etage 69 die Zeit und wo ist die fehlende Maja? Welche Bewohner besuchen andere häufig, welche meiden sich. Wer ist neidisch, wer mag Kitsch. Wie sind die politischen Ansichten von Herrn … im … OG? Liebevoller Blick in die Etagen Das Hochhaus ist in Etagen-Episoden als Webcomic entstanden und im Avant Verlag auch als Buchausgabe erschienen. Als ich den Band das erste Mal sah, wollte ich sofort den Wolkenkratzer erkunden. Die Voyeurin in mir war hellwach. Und da …

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Comic liegt in einem großen geflochtenen Korb

Gilgamesch von Jens Harder. Eine Rezension.

Das Gilgamesch-Epos gilt als eine der ältesten niedergeschriebenen Geschichten und bildet somit quasi den Grundstein auch für die heutige Literatur. Auf elf Steintafeln erzählt es vom König Gilgamesch, dem despotischen Herrscher Uruks, eine zwölfte Tafel scheint eine losgelöste Geschichte zu beinhalten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zunächst Fragmente, später dann auch weitere Teile der Tafeln gefunden. Uruk galt als eine der größten Städte in der Zeit Gilgameschs, fast 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Unweit von Babylon lag die mit 50.000 bis 80.000 Einwohnern für die damalige Zeit riesige “Machtzentrale” und trägt heute den Namen Warka (Irak). Seit Studienzeiten hegte Autor Jens Harder eine Faszination für das Epos des Gilgamesch und nahm sich vor eine Comicadaption der Odyssee des Despoten umzusetzen. Ende 2017 war es soweit und nun liegt sie in Form dieses 144 Seiten starken Hardcovers vor. Dem 127 Seiten umfassenden Comicteil des Buches, schließen sich ausführliche und überaus spannende Nachbemerkungen des Autors an, in denen er über die Entstehungsgeschichte des Buches berichtet. Auch davon, wie verstörend es sein kann, in der antiken Welt der Sumerer unterwegs …

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