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Montagsfrage

Montagsfrage: Wie steht ihr zu Kurzgeschichten?

Aufgeschlagenes Buch

Die nächste Runde in der Reihe der Montagsfragen, gestellt von Antonia von Lauter & Leise, steht an. Frage #81 lautet:

Wie steht ihr zu Kurzgeschichten?

Zur Beantwortung der Frage habe ich das Titelbild eines Blogbeitrags herausgefischt, den ich vor gut zwei Jahren veröffentlicht habe. Denn was ihr auf dem Bild seht, ist ein Auszug meiner in einer Anthologie veröffentlichten Science Fiction-Kurzgeschichte (hier geht es zum Beitrag: Nebel. Eine Kurzgeschichte von mir. Science Fiction.). Zwar schreibe ich weiterhin an Storys, habe auch massig Ideen, aber irgendwie passt es zeitlich dann nie so recht, anderes ist wichtiger und so weiter. Ihr kennt das sicher.

Wenn ich also gefragt werde, wie ich zu Kurzgeschichten stehe, kann ich voller Überzeugung antworten: Ich liebe sie! Ich mag dieses Format in Kürze eine Welt, eine Idee, ein Gefühl zu zeichnen und zwar sowohl als Leserin als auch als Schreibende. Kurzgeschichten sind zu Unrecht im deutschen Raum nur sehr wenig präsent. Dabei geben sie mir unglaublich viel. Romane sind oft ausschweifend, erläutern viel und ziehen manches in die Länge, was Kurzgeschichten eben kurz und prägnant in viel weniger Seiten schaffen können. Das Besondere daran ist für mich, dass hier mehr Mitdenken und Kreativität beim Lesenden gefordert ist. Und das mag ich sehr. Ich brauche nicht für alles eine Erklärung und möchte auch in vielen Fällen gar keine. Ich möchte mir mein eigenes Bild verschaffen und ich benötige auch nicht für alle Geschehnisse Auflösungen.

Im Gegenteil, ich mag offene Enden, offene Handlungsstränge. Zumindest, wenn sie bewusst offengelassen wurden. Nicht etwa, weil jemand keine Lust hatte weiterzuschreiben oder weil Buchreihen aus welchen Gründen auch immer, nicht weitergeführt werden.

Und beim Schreiben von Kurzgeschichten geht es mir ebenso. In Schreib-Workshops wurde mir beigebracht, dass ich für einen Roman ausführlich sein soll. Möglichst alles beschreiben, um gute Bilder zu erschaffen. Puh – das fällt mir sehr schwer. Meine Gedanken sind dafür einfach zu schnell, die sind immer schon um die nächste Ecke, während ich noch schreiben soll, wie es an diesem einen Schauplatz gerade ausschaut, was dort passiert. Vielleicht bessert sich das, wenn ich dann doch mal aufs Plotten umsteige.

Auf dem Litcamp Heidelberg habe ich an einer Session mit Grit Richter (Verlegerin Art Skript Phantastik Verlag) teilgenommen. Sie hat etwas sehr wichtiges gesagt, dass ich nicht vergessen habe und ich bin ihr äußerst dankbar dafür! Ich kann nur frei zitieren, was bei mir gedanklich hängen geblieben ist: Auch wenn Kurzgeschichten in Deutschland leider keinen sehr großen Stellenwert haben, sind sie doch eine hervorragende Chance, um sich selbst auszuprobieren, sich mit seinen Texten vorzustellen und sich so Stück für Stück nach vorne zu schreiben. Sollte man irgendwann mal einen Roman schreiben, hat man schon einiges vorzuweisen, an Erfahrung und vielleicht sogar an Veröffentlichungen. Beides kann nur ein Gewinn sein.

Weitere Antworten von Bloggerkolleg*innen auf die 81. Ausgabe der Montagsfrage findet ihr im Blogbeitrag auf Lauter & Leise (Link).

Also, ich mag Shorts, lese gerne Anthologien und schreibe gerne auch was Kurzes.
Wie steht denn ihr zu Kurzgeschichten?

10 Comments

  • Avatar
    Emma Zecka
    22. Mai 2020 at 17:24

    Hi Sandra,
    vielen Dank für Deine Eindrücke. Ich hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, dass Du auch eigene Texte schreibst. Ich lese Kurzgeschichten ebenfalls recht gerne. Allerdings habe ich auch immer mal wieder eine Kurzgeschichte beendet, deren Inhalt ich nicht ganz verstanden habe.
    Wer sagt denn, dass Du für einen Roman ausführlicher beschreiben können musst? Manchmal – das klingt jetzt wahrscheinlich etwas plump – liegt in der Kürze ja auch die Würze. Ich habe vor einer Wele mal zwei Romane gelesen (“Was wir dachten, was wir taten” und “Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden”) die beide nicht sehr lang waren, aber viele interessante Gedanken enthielten. Die Titel sind ein tolles Beispiel dafür, dass man nicht immer einen 500 Seiten Roman braucht, um eine Geschichte zu erzählen.
    Vielleicht ist die folgende Aktion ja etwas für Dich: Adriana Popescu hat mit “Drüber schreiben” ein kleines Ringbuch mit Schreibübungen veröffentlicht. Seit letzter Woche lädt sie via Instagram jeden Dienstag um 16 Uhr zum live schreiben ein. Beim ersten Mal gab es eine Übung aus dem Buch, beim zweiten Mal hat sie eine neue Übung vorgestellt.
    Kommende Woche gibt es eine Übung zum Thema Figurenentwicklung.
    viele Grüße
    Emma

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      22. Mai 2020 at 20:23

      Hi Emma,
      danke für die lieben Worte und ganz herzlichen Dank auch für den tollen Tipp zu den Schreibübungen. Das werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Im Grunde muss man sich ja einfach Zeit nehmen fürs Schreiben. Etwas, das ich eben (leider) meist nicht tue.
      Was du sagst über Kurzgeschichten, die man nicht ganz verstanden hat, kann ich so unterschreiben. Kommt bei mir auch immer mal wieder vor. Manchmal will ich vielleicht auch einfach etwas verstehen, das gar nicht verstanden werden kann. Hm – ist das verständlich ausgedrückt? :-D
      Wünsche dir ein schönes Wochenende
      Sandra

      Reply
  • Avatar
    Petrissa
    14. Mai 2020 at 09:27

    Hallo Sandra,

    was für ein schöner Beitrag! Man merkt Deine Begeisterung.
    Mir geht es da allerdings ganz anders. Ich liebe das ausschweifende. Was nicht bedeutet, dass alles tot erklärt werden soll. Der Gedanke kam mir gleich, als ich las, dass sie auf Workshops sagen, man muss alles ganz genau erklären. Denn gerade bei Selfpublisher habe ich es öfter erlebt, dass alles tot erklärt wird. Quais jeder Hemdknopf beschrieben wird. Der Leser will schließlich selbst noch was zu denken haben.
    Ich mag es, wenn Hintergründe erklärt werden, warum der Protagonist die oder jene Eigenschaft entwickelt hat. Aber ich will nicht wissen, was er an hat. Ja, mich interessiert nicht mal die Hautfarbe. Ich weiß, viele schreiben das inzwischen, damit dunkelhäutige sichtbar werden. Dennoch fühlt es sich für mich immer aufgesetzt an.

    Aber das tolle ist ja, es gibt für all unsere Geschmäcker Bücher. ♥
    Einen tollen Tag wünsche ich Dir
    Petrissa

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      15. Mai 2020 at 08:17

      Hi Petrissa,
      danke für deine Gedanken zum Thema! Bezüglich der Ausführlichkeit, die in den empfohlen wurde, ging es eher um die Beschreibung von Handlungen, weniger um Äußerlichkeiten. Mich langweilen solche Beschreibungen von Haarfarben etc. eh, da ich mir kein Bild von den Personen mache, dass dem Beschriebenen entspricht, sondern ich eher ein abstraktes Bild für mich baue, das ich wiederum aus der Wirkung des Textes ziehe. Klingt hoffentlich nicht zu kompliziert, aber hängt damit zusammen, dass ich beim Lesen keine Bilder sehe.

      Einen schönen Tag auch für dich und liebe Grüße
      Sandra

      Reply
  • Avatar
    Christin
    11. Mai 2020 at 18:00

    Hallo,
    Glückwunsch, dass du schon einmal in einer Anthologie drin warst.
    Ich lese immer mal wieder gerne Kurzgeschichten vorrangig im Bereich Fantasy, SciFi oder Zombies. In letzter Zeit habe ich festgestellt, dass ich auch Kurzgeschichten schreiben kann. Ich arbeite auch an einem Roman, aber bis dieser fertig ist, wird es noch dauern. Mit einer Kurzgeschichte ist man wesentlich schneller durch. Allerdings habe ich mich noch nicht getraut, jemanden eine meiner Geschichten zum Lesen zu geben.
    Meinen Beitrag findest du hier https://buchundco.blogspot.com/2020/05/montagsfrage-81.html
    Liebe Grüße Christin

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      11. Mai 2020 at 18:15

      Hi Christin
      und danke dir :-)
      Schau doch einfach mal nach Ausschreibungen und reiche dann eine passende Geschichte ein. Passieren kann eigentlich nichts. Ich drücke dir die Daumen!

      Liebe Grüße
      Sandra

      Reply
  • Avatar
    Jay
    11. Mai 2020 at 17:44

    Hallo Sandra,
    ich finde Kurzgeschichten richtig gut, weil es doch dem Autor (oder der Autorin) einiges abverlangt, wenn auf nur wenigen Seiten eine fesselnde Geschichte entstehen soll. Ich mag die Geschichten aber auch gerne, weil ich dadurch neue Autoren kennenlernen kann. Viele Fantasyautoren schreiben auch hin und wieder Kurzgeschichten aus ihrer Fantasywelt für Anthologien. Da kann man dann recht schön reinlesen und feststellen, ob der Stil eines Autors einem zusagt oder nicht.

    Liebe Grüße
    Jay

    Reply
    • booknapping
      booknapping
      11. Mai 2020 at 18:13

      Hallo Jay,
      ja – eine gute Möglichkeit den Stil kennenzulernen, da hast du absolut recht. Letztens habe ich von einem chinesischen Autor gehört, der ausschließlich Kurzgeschichten schreibt und die sehr faszinierend sein sollen. Ich muss nochmal nach dem Namen suchen, das reizt mich nämlich auch.

      Liebe Grüße
      Sandra

      Reply
      • Avatar
        Mi
        12. Mai 2020 at 08:38

        Du meinst Ted Chiang? Die sind wirklich gut, aber auch sehr.. anspruchsvoll. Ich mag nicht alle, weil sie mir manchmal zu abstrakt oder zu verkopft sind, Aber andere wiederum sind einfach grandios ^_^

        Und .. ja.. Na klar mag ich Kurzgeschichten ;) Aber es müssen auch “Kurzgeschichten” im klassischen Sinne sein. Viele verwechseln Kurzgeschichten mit kurzen Geschichten. Die können natürlich auch schön sein, aber ich kenne wenige, die mich wirklich berühren konnten. Kurzgeschichten .. ich mag es, dass sie eben nicht komplett ausgearbeitet sind und einem so den Raum für eigene Gedanken geben. ^^

        Reply
        • booknapping
          booknapping
          12. Mai 2020 at 09:55

          Ja! Ted Chiang :-D Danke fürs Hirn auffrischen, Mi.
          Wird wieder Zeit, den Wunschzettel zu erweitern *seufz*, aber die Storys darf ich mir wohl wirklich nicht entgehen lassen.
          Danke für deine Gedanken zum Thema und die Erläuterung zur Differenzierung. Mir war gar nicht klar, dass es für kurze Geschichten eben diese andere Bezeichnung gibt. Ich mag auch nur die Kurzgeschichten, so wie du :-*
          Liebe Grüße
          Sandra

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