CSI trifft SF – Sylvain Neuvel: Giants. Sie sind erwacht

E-Book-Cover und Notizen zum Buch

Dr. Rose Franklin erhält die Leitung über ein Projekt, zu dem sie einen ganz besonderen persönlichen Bezug hat. Als vor knapp 20 Jahren eine riesige metallische Hand gefunden wurde, ist lange mit dem ungewöhnlichen Fund nichts passiert. Nun aber ist es an der Zeit, die Herkunft dieses geradezu monströsen Objektes zu erforschen. Mit rund sieben Metern Länge und einem Gewicht, das viel zu niedrig für die Masse der Hand ist, scheint es nicht von dieser Welt. Außerdem ist da noch das türkise Leuchten, das sich damals, als die kleine Rose plötzlich in ein Loch fiel und von der gigantischen Hand “aufgefangen” wurde, das erste Mal zeigte.

Heute darf sie mit einem Team von Wissenschaftlern und Militärs dem Artefakt auf den Grund gehen. Und es gibt tatsächlich mehr als diese eine Hand – die Suche nach weiteren Teilen beginnt …

Gesprächsprotokolle und News beschleunigen den Takt des Romans

Größtenteils erzählt Sylvain Neuvel seinen Erstlingsroman in Form von Interviews, bei denen der Fragesteller und Erzähler bis zum Ende unbekannt bleibt. Die Kapitel sind kurz, die Erzählweise dadurch schnell und erinnert damit an den rasanten Stil von schnell geschnittenen Crime-Serien. Neuvels Story wird dadurch ebenfalls stark beschleunigt, die Kapitel sind kurz und lassen sich schnell lesen.

Obwohl die Geschichte damit durchgängig zwischen Schauplätzen, Personen und teils sogar Zeiten hin und her springt, können die LeserInnen den Überblick behalten. Nichtsdestotrotz entspricht dieser Stil nicht meinem ganz eigenen Leseverhalten. Zwar gefällt mir die ungewöhnliche Art des Storytellings, jedoch genieße ich in Romanen besonders die ruhigen, manchmal sogar langgezogenen Abschnitte. So könnte ich beispielsweise Wochen mit Frodo und Sam durch Mordor laufen, ohne das großartig etwas passieren müsste. Wenn jemand dann derart schnell erzählt und die Kapitel zudem nur sehr kurz sind, hängt er mich gewissermaßen ab, da mein Interesse langsam, aber stetig schwindet. Dabei ist der Mix aus Wissenschafts-, Polit- und SF-Thriller durchaus einer, der mich begeistern kann. Vielleicht war es aber auch einfach das falsche Buch zur falschen Zeit.

Doch ein Jugendbuch?

Auch wenn die verwendete Sprache, die Art zu erzählen und das Alter der Charaktere nicht zwingend auf ein Jugendbuch hinweist, hatte ich dennoch immer wieder den Eindruck, der Roman könnte ein jugendliches Publikum begeistern. Grund dafür dürften neben den kurzen Abschnitten auch die Idee der Story selbst sein. Auch der angeblich so “böse” Plan einer Person, der am Ende zu Tage kommt, konnte mich leider gar nicht überraschen und auch nicht überzeugen.

Einzig die wenigen Schockmomente und die zum Ende des Buches hin doch langsam entstehende emotionale Bindung zu den Protagonisten haben mich schließlich am Text bleiben lassen.

Und: Mit dem Cliffhanger am Ende ist zudem sicher, dass ich auf jeden Fall auch den nächsten Teil lesen werde! Da ist Slyvain Neuvel nun doch noch eine sehr erfreuliche Überraschung gelungen.

Wer sich nun unsicher ist, ob er/sie den Roman lesen möchte, sollte einen Blick in die Leseprobe werfen und in die ersten Kapitel reinschnuppern. Das lohnt sich auf jeden Fall.

Sylvain Neuvel – Giants. Sie sind erwacht, erschienen am 08.08.2016 im Heyne Verlag, aus dem Amerikanischen übersetzt von Marcel Häußler
Paperback: ISBN 978-3-453-31690-4, 416 Seiten
E-Book (epub): ISBN 978-3-641-16814-8, 282 Seiten
Eine Leseprobe findet sich hier: im Buch blättern.
Das E-Book (ohne DRM) gibt es z. B. beim beam.

Eine weitere Rezension zum Buch findet ihr beispielsweise auf Life for Books.

Cover zeigt ein mechanisches Auge und den Titel

3 Kommentare

  1. kaisuschreibt sagt: Antworten

    Also de Jugendtouch hab ich nicht gesehen, denke aber, dass wohl viele an dem Stil hängen und stecken bleiben werden. Der ist wirklich eigenwillig und auch ich hatte zu knabbern- ABER in Band 2 fand ich den nicht mehr so störend – ganz im Gegenteil das Buch ließ sich erstaunlich gut lesen. wohl auch, weil die Protokolle nicht mehr so abhakt wirken und nicht mehr einen zu großen Teil einnehmen 🙂

    1. Liebe kaisu,

      ich stelle fest, dass mein Leseeindruck oft auch von “äußeren” Faktoren abhängt, wie beispielsweise meiner Stimmung oder auch anderer Lektüre, die ich parallel lese. Neben “Giants. Sie sind erwacht.” habe ich Cixin Lius “Die drei Sonnen” gelesen (wovon ich sehr beeindruckt bin). Ich möchte nicht ausschließen, dass in dem Vergleich, “Giants” auf mich etwas jugendlich gewirkt hat.

      Ich lese momentan Band 2 (“Giants. Zorn der Götter.”) und bin dieses Mal viel intensiver am Buch dran. Es gefällt mir sehr gut! 🙂

      Liebe Grüße,
      Sandra

      1. kaisuschreibt sagt: Antworten

        Das stimmt allerdings. Man vergleicht einfach unbewusst und freut mich, dass dich der zweite Teil schon mehr in den Bann zieht 😀

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