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Evolution einer Bildersüchtigen. Ich und die Comics. Teil 2.

DC Vertigo-Alben im Regal

Im Rahmen der Blogparade Ich und die Comics. Wie alles begann. habe ich über die erste Hälfte meines Werdegangs als Comicleserin berichtet: Ich habe nichts ausgelassen. Ich und die Comics. Nun kommt der angekündigte zweite Teil meiner Comicleserinnen-Biographie. Wie ging es weiter nachdem ich die Dino-Comic-Abos aufgegeben hatte?

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Ich gab nicht nur die Abos der Dino-Comics auf, sondern trennte mich auch von den Vorbestellungen aus den USA. Also, die Hefte behielt ich alle – ich habe sie größtenteils heute noch -, aber ich kündigte die Abos. Der regelmäßige Comicstrom ebbte also ab.

Ich arbeitete sehr viel und in meiner Freizeit widmete ich mich vorwiegend anderen Hobbys, so beispielsweise dem Spielen (Pen & Paper-Rollenspiel, Brett- und Kartenspiele) und ich las mehr Bücher als Comics. Als großer Flohmarktfan allerdings, fielen mir immer wieder Comics in die Hände, denen ich ein liebevolles Zuhause gab. Auch habe ich in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends sehr viel über eine Onlineplattform getauscht. Anfangs nur Bücher, Hörbücher und Hörspiele, dann aber auch immer mal wieder Comics, wenn dann mal welche angeboten wurden. So bin ich in den Besitz einiger Carlsen-Tradepaperbacks gekommen, wie „Der Sturz des dunklen Ritters“ und Star Wars.

Tradepaperbacks im Regal, unter anderem Batman Der dunkle Ritter

Und dann kam (der) Sandman(n)

Über die Tauschplattform lernte ich andere ComicleserInnen kennen und eine Frau empfahl mir einen Blick in Neil Gaimans „Sandman“ zu werfen. Ich hatte andere Tauschobjekte bei ihr angefordert und sie legte mir ein dünnes Heft bei, dass die ersten Seiten des ersten „Sandman“-Bands beinhaltete. Es war eine Leseprobe und ich habe sie mittlerweile an jemand anderen weitergegeben. In der Hoffnung, diesen Menschen auch mit dem Gaiman-Virus zu infizieren. Obwohl, das heute kaum noch nötig sein dürfte. Neil Gaiman ist mit seinen Werken mittlerweile sehr präsent und wird viel gelesen, wenn auch hauptsächlich seine Romane im Vordergrund stehen. Mit der aktuellen und grandiosen TV-Serien-Umsetzung seines „American Gods“ wird er sicherlich nochmal einen massiven Schub nach vorne erhalten. Großartig!

Durch „Sandman“ wurde ich zum Neil Gaiman-Fan. Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, wusste ich, dass ich mehr wollte. Mehr Morpheus (Protagonist in Sandman) und unbedingt mehr Gaiman. Da Panini Comics gerade die deutsche Sammelbände herausgebracht hatte (ab 2007), griff ich zu diesen Ausgaben. Sie stehen heute mit einigen anderen DC-Vertigo-Titeln sicher und beschützt in meinem Regal. Inzwischen gibt es auch in meinem Bücherregal einen besonderen Bereich für Neil Gaimans Romane. Er gehört zu meinen liebsten Autoren, ich schätze seine Arbeiten sehr. Zu meinen Favoriten gehören übrigens auch die Comic-Adaptionen einiger seiner Kurzgeschichten, erschienen sind diese auf deutsch ebenfalls bei Panini in der „Neil Gaiman Bibliothek“.

Regalbrett mit viele Tradepaperback-Ausgaben von DC Vertigo (Panini)

Aber bevor ich hier in einen Gaiman-Fan-Artikel abdrifte, gehe ich weiter auf dem Weg meiner Comicleserinnen-Biographie und erzähle von meiner neu gefundenden Leidenschaft: dem Verfassen von Rezensionen.

Comics rezensieren und wie ich zu Leo kam

Ich habe schon immer gerne über das geschrieben, was ich gelesen habe, seien es Bücher oder Comics. Dies tat ich hauptsächlich im Großen Literaturforum von Literaturschock. Zwar bin ich in den letzten Jahren dort nur noch sehr wenig unterwegs, aber ich habe mehr als ein Jahrzehnt (seit 2004) dort sehr aktiv verbracht. Für mich übrigens das schönste Literaturforum im Netz und (neben leserunden.de, was zu Literaturschock gehört) auch das einzige an dem ich mich leidenschaftlich und gerne beteiligt habe. Ich habe über die Jahre viele Gleichgesinnte dort getroffen und es sind einige gute Freundschaften daraus entstanden.

2009 kam ich dann in Kontakt mit einer Redakteurin des Online-Portals Media-Mania. Das Portal suchte Redakteure, die Spaß daran hatten, Rezensionen zu diversen Medien zu schreiben und ich war sofort interessiert. Ich sendete eine Proberezension ein und wurde angenommen. Ich habe mich irre gefreut und durfte ab sofort rezensieren, was das Zeug hielt. Später dann auch lektorieren, aber das gehört in eine andere Geschichte.

Über Media-Mania erhielt ich nun wieder Comic-Lesestoff. Ein Comic nach dem anderen zog bei mir ein. Ich lernte neue Serien kennen, traute mich ständig an Neues heran. So las und besprach ich viele Comics, wie auch Bücher. Und stieß dabei unter anderem auf den Künstler Leo. Ich habe eine Vorliebe für Sternenkolonie-Science Fiction. So nenne ich Storys, die von dem Leben von menschlichen Kolonisten auf anderen Planeten erzählen. Davon, wie sie neue Welten besiedeln und wie die oft feindliche Umgebung ihnen Probleme bereitet.

Da schlug Leo voll bei mir ein. Mein Einstieg erfolgte mit der Gesamtausgabe von „Aldebaran“, dem ersten Zyklus in der Reihe „Die Welten von Aldebaran“. Bis heute lechze ich jeder Leo-Neuerscheinung hinterher und bin fast sprachlos gewesen, als ich erfuhr, dass der Splitter Verlag seine Serien auf dem deutschsprachigen Markt fortführen und bereits erschienene überarbeiten würde. Was für eine tolle Nachricht!

Regal mit Comicalben

Ein Comic führte zum anderen oder warum ich Comics liebe

So ging es über einige Jahre, erst 2013 schränkte ich das Schreiben aus gesundheitlichen Gründen massiv ein. Trotzdem las ich weiter Comics, entdeckte immer mal wieder bisher Unbekanntes. Seit einigen Jahren besuchte ich regelmäßig die Leipziger Buchmesse und wurde dort jedes Jahr neu inspiriert. Verlage, wie Reprodukt, der Ja-Ja-Verlag, Avant und natürlich auch die oftmals bekannteren, wie Carlsen, Splitter, Panini Comics, Cross Cult und auch viele andere, die ich hier jetzt nicht genannt habe, beeindruckten mich mit ihren Neuerscheinungen.

Mein erster Reprodukt-Comic war übrigens Im Museum 1: Die Treppe zum Himmel, den ich damals in der Stadtbibliothek gelesen habe und dabei mehrmals lauthals lachen musste. Nur ein Erlebnis in Zusammenhang mit Comics, das ich wohl nicht vergessen werde.

Es wurde weiter mehr und mehr. Ich las Comics (und Bücher) und genoss es. Mir fiel erneut auf, dass die Verbindung von Bild und Text in mir etwas Besonderes auslöst. Farben, Zeichnungen, die Erzählweise – all das erzeugt eine Stimmung und Tiefe, die (für mich) nur Comics transportieren können. Natürlich gibt es auch Romane, die mich begeistern können und mich regelrecht, es heißt „abtauchen“, lassen. Aber Comics erreichen dies auf andere Weise. Sie beschäftigen mehrere meiner Sinne gleichzeitig, das könnte der Grund für die besondere Wirkung sein. Ich liebe einfach die Kombination der verschiedenen Elemente. Ja – ich liebe Comics!

Hardcoveralben Splitter + Carlsen

Die Rückkehr der US-Comics und der Re-launch meines Blogs

Anfang 2016 zog ich aus dem Bremer Speckgürtel nach Hannover. Und hier begann ich wieder mit dem Bestellen von US-Comics. Ich hatte Blut geleckt, es gab einfach zu viele spannende Comics zu entdecken. Immer wieder kaufte ich auf Flohmärkten, Online-Plattformen und auch mal Comicbörsen neues Material. Und ich wollte wieder vorbestellen was ich lese. Wollte wieder jeden Monat den Previews durchblättern. Dieser Katalog listet alle Neuerscheinungen in den USA auf, immer drei Monate im voraus. Hier in Hannover fand ich ein neues Comicbuchladen-Zuhause: Comix Hannover. Hier konnte ich Shortboxen für meine Comics kaufen, die nach dem Umzug dringend neue Kartons und Hüllen benötigten. Hier konnte ich alles bestellen, was lieferbar war. Und hier konnte ich wieder damit beginnen Neuerscheinungen vorzubestellen. So wie damals, als ich mit dem Star Trek-Comic-Abo loslegte. Dass alle dort einfach großartig, hilfsbereit und toll sind, ist natürlich auch ein Grund, weshalb ich mich mit meinen Comic-Einkäufen dort so wohl fühle.

Nicht nur die Comic-Bestellungen wurden sozusagen reaktiviert. Auch startete ich mit meinem Blog neu durch. Anfang 2016 fand ich den neuen Namen Booknapping, das Ergebnis seht ihr ja.

Ich lese weiter Comics. Habe nie richtig aufgehört. Höchstens zwischendurch Pausen gemacht. Aber es zog mich immer wieder zu meinen geliebten „Bildergeschichten“. Inspiration für neue Comics erhalte ich an vielen Stellen. Im Comicbuchladen, in den sozialen Medien, in Blogs, im Previews-Katalog – und ich freue mich über jede Empfehlung und Besprechung. Ohne diese hätte ich nie die genialen Geschichten von Joann Sfar kennengelernt (Simone von Papiergeflüster ist schuld). Oder die minimalistischen Abenteuer von „Mister O“ und „Mister I“ von Lewis Trondheim. Oder die phantastischen Abenteuer der Paper Girls. Oder. Oder. Oder. Die Liste wäre immens lang.

Comic-Shortboxen - noch einiges zu tun

Du liest Comics? Ein Geständnis?

Ich habe darüber nachgedacht, wie meine Umwelt auf meine Leidenschaft für Comics reagiert hat und reagiert. Und so sehr ich auch in meinen Erinnerungen gekramt habe, ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals negative Äußerungen darüber gab. In meiner Kindheit hat sich niemand über die Comics in meiner Nähe gewundert, vielleicht hat es aber auch einfach keiner mitbekommen? Später und bis heute gab und gibt es eher überraschte Reaktionen, nie aber abwertende. Mir war es allerdings auch nie unangenehm, zu sagen, dass ich Comics lese.

Ich bin über 40, eine Frau und lese Comics, sogar welche mit Superhelden. Und ich habe ein Comiczimmer. Etwas, das unter Comiclesern häufig als „Man Cave“ bezeichnet wird, so als hätten Frauen dort keinen Zugang. Oder als müssten Männer sich darin zurückziehen. Blödsinn! Es gibt viele comiclesende Frauen. Und es gibt viele comiclesende Männer, die sich nicht verstecken wollen mit ihrem Hobby. Diese Festlegung auf das männliche Geschlecht ist vermutlich aus Naivität entstanden, vielleicht auch aufgrund von Abwertung des Hobbys, denen diese Comicleser begegnet sind. Ich bleibe beim Comiczimmer. Vielleicht fällt euch ja noch ein neues schöneres Wort ein?

Ich werde damit nicht aufhören. Mit den Comics. Nicht heute. Und nicht morgen. Ich vermute sogar, dass ich damit niemals aufhören werde. Warum auch. Mir fällt keine Begründung ein. Ich mag die manchmal erstaunten Blicke viel zu sehr, wenn jemand herausfindet, was ich „da so lese“. Und ich liebe es, andere mit meiner Vorliebe anzustecken, zu inspirieren oder auch selbst neu inspiriert zu werden. Ich liebe Comics.

Tradepaperbacks inkl. Paper Girls

Stapelcomics - immer obendrauf

Eine komplette Liste der Rezensionen, die ich für Media Mania schrieb, findet sich übrigens hier: Alle meine Rezensionen bei Media-Mania

Ihr möchtet auch darüber erzählen, wie ihr zur Comicleserin, zum Comicleser wurdet? Schließt euch uns an und berichtet im Rahmen der Blogparade Ich und die Comics. Wie alles begann. Alle Informationen findet ihr in dem verlinkten Startbeitrag. Und wenn ihr kein Blog habt, erzählt einfach in den Kommentaren. Es ist alles möglich. Ich freue mich auf neue Beiträge!

4 Kommentare

  1. kaisuschreibt sagt

    Dass Comics so gut wie nie zu einem Stirnrunzeln führen, hab ich auch schon festgestellt. Ist halt normaler 😛 Aber, dass wohl mehr Männer diese lesen würden, hab ich auch schon gehört… kann ich nach meiner ersten Comic Con letztes Jahr nicht wirklich bestätigen. Da wühlten Frauen und Männer gleichermaßen in den Boxen herum und standen für Autogramme Schlange.

    • booknapping

      Genau! Also wird es allerhöchste Zeit, dass wir darüber informieren. Und uns zeigen. Uns Comicleserinnen! Und dabei natürlich die Comicleser nicht vergessen. Aber solche Vorurteile gehören ausgemerzt. 😀

      Liebe Grüße,
      Sandra

  2. Hallo liebe Sandra,

    WAHNSINN! Deine Comicsammlung ist ja wirklich gigantisch (ist ja auch ein Comic-Zimmer voll!). Ich bin ganz begeistert und muss gestehen: so groß ist meine Comicliebe dann doch (noch) nicht. (aber wer weiß schon, was noch kommen wird).

    Leo wird auf jeden Fall gleich mal von mir unter die Lupe genommen, denn die – wie hast du sie bezeichnet – die „Sternenkolonie-Science Fiction“ finde ich auch ganz arg spannend (und das passt ja zu meinem derzeitigen Sci-Fi-Wahn).

    Richtig cool ist es natürlich auch, dass du für Media-Mania rezensierst.
    Hast du für mich als Anfänger-Comic-Rezensentin ein paar Tipps? Auf was achtest du denn beim Rezensieren von Comics besonders?

    Liebe Grüße, Ramona

    • booknapping

      Liebe Ramona,

      das Comiczimmer ist gleichzeitig mein Büro und unser Gästezimmer, wenn es dann mal fertig ist und es ist recht klein 😀 Da dürfen Gäste dann Comics schmökern, ich weiß nur nicht, ob sie das Zimmer dann überhaupt wieder verlassen 😀 Wenn das Zimmer mal fertig eingeräumt ist und der Parkettschaden beseitigt, der jetzt weiteres Auspacken verhindert, werde ich dem Zimmer mal einen eigenen Beitrag widmen.

      Leo könnte süchtig machen, wenn du auf die Art seiner Geschichten stehst. Seine Protagonistinnen sind stark und selbstbewusst, die Flora und Fauna meist voller phantastischen Ideen, das Szenario voller Kritik an Gesellschaft, Diskriminierung, Politik – ich liebe es! Versuche es doch mal, und lass dich nicht von den auf den ersten Blick „hässlichen“ Zeichnungen abschrecken. Tauche ein und genieße, ich denke, Leo könnte dich gefangen nehmen 🙂 Am besten beginnst du mit „Aldebaran“, der erste Band ist in der Neuauflage diesen Monat bei Splitter erschienen.

      Worauf ich beim Rezensieren von Comics besonders achte? Ich versuche, immer alle Aspekte eines Comics mit einfließen zu lassen und schreibe eher aus der Emotion heraus. Story (Szenario), Zeichnungen (Stil), Farben, manchmal auch Lettering, und Inking – ganz abhängig davon, was mir besonders auffällt. Außerdem natürlich wie gut Story und Artwork zusammenpassen, sich unterstützen. Gibt es vielleicht einen stärkeren Part? Wie gut ist der Comic lesbar, gibt es Werke, mit denen ein Vergleich möglich ist. Es gibt so viele Dinge, die in eine Rezi passen würden, da fällt es mir oft eher schwer, etwas wegzulassen als zu wenig zu schreiben. Ich überlege gerade, ob ein Beitrag darüber wohl interessant für meine LeserInnen wäre …

      Liebe Grüße,
      Sandra

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