Nachdem Cixin Lius Science Fiction Roman Die Drei Sonnen mich im letzten Jahr begeistert hat, wollte ich am liebsten sofort mehr von dem Autor lesen. Da die Reihe, zu der dieser Roman gehört in deutscher Sprache allerdings erst 2018 mit dem zweiten Band fortgesetzt (Der dunkle Wald) wird, habe ich nach anderen Titeln des Autors Ausschau gehalten. So stieß ich auf die Novelle Spiegel.

Auf gut 100 Seiten erzählt sie von dem bisher unbescholtenen Bürger Song Cheng, der in Haft gerät und dort auf einen interessanten und undurchschaubaren Menschen stößt. Dieser scheint über alle Geschehnisse, auch die zukünftigen, Bescheid zu wissen. Als würde alles glasklar vor ihm liegen. Das kann unmöglich mit legalen Dingen zugehen, was genau dahinter steckt bleibt zunächst im Verborgenen. Zunächst …

Totale Transparenz

Diese von Cixin Liu vor seiner Trisolaris-Trilogie geschriebene Novelle spielt ebenfalls in China und lässt einen tiefen Blick in die Gesellschaft und die politischen wie militärischen Strukturen zu. In die Story hineinzukommen ist mir, wie auch schon bei Die drei Sonnen, nicht leicht gefallen. Sollte dies bei den Werken dieses Autors bei mir zur Tradition werden, hoffe ich darauf, dass die darauf folgende Begeisterung es ebenfalls wird. Denn auch die fast an eine Kurzgeschichte erinnernde Novelle Spiegel konnte mich nach den anfänglichen Schwierigkeiten faszinieren.

Lius Profession als Softwareingenieur zeigt sich im Text ebenso deutlich wie sein kritischer Umgang mit den Begebenheiten in China. Vor den wissenschaftlichen Details sollte niemand sofort zurückschrecken, ich empfehle sich darauf einzulassen, auch wenn einem Themen, wie die Quantentheorie und die sich daraus ergebene Quantenmechanik und -effekte nicht unbedingt geläufig sind. Ein paar erklärende Worte bietet der Anhang „Anmerkungen“, der erfreulicherweise in der E-Book-Variante nun auch per Sprungmarken direkt aus dem Text heraus angesprungen werden kann.

Aber das Buch hätte mich nicht faszinieren können, wenn es nicht den Bezug zu unserer heutigen Welt beinhalten würde. Die in den Absätzen und den Abstraktionen lesbare Kritik an der (nicht nur) in China üblichen Überwachung. Wenn es nicht die Gedanken fortspinnen würde, wohin eine komplette Transparenz jeder Person und damit womöglich sogar jeden Denkens (?) uns als menschliche Gesellschaft bringen würde.

Und nach all den vielen physikalischen Details und Theorien ist es doch wieder das „Schicksal“ der Menschheit, die im „dahinter“ liegenden Vordergrund dieser Novelle steht. Eine gute Überbrückung beim Warten auf den zweiten Trisolaris-Band, wenn auch nicht von der Kraft wie Lius mehrfach preisgekrönter Roman Die drei Sonnen.

 

Spiegel

Geschrieben von

Cixin Liu

Genre und Leseprobe

Science Fiction. Dystopie
Eine Leseprobe kann direkt hier aufgerufen werden und steht auch auf der Verlagswebseite zur Verfügung: Spiegel bei Heyne

Übersetzt  …

aus dem Chinesischen von Marc Hermann

Noch ein paar Details

Am 09. Oktober 2017 erschienen im Heyne Verlag, ISBN 978-3-641-21966-6 (eBook)
Taschenbuch (Klappenbroschur): 192 Seiten (inkl. ausführlicher Leseprobe, Anhang und Anmerkungen), ISBN 978-3-453-31912-7

Gelesen …

… unterwegs in der Deutschen Bahn

 

Cover des Romans
Spiegel von Cixin Liu

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