Ich schreibe diesen Beitrag im Rahmen der Blogparade Ich und die Comics. Wie alles begann. Als Dagmar alias GeschichtenAgentin und ich (Sandra alias Booknapping) uns das erste Mal live getroffen haben, war schnell die Idee zu dieser gemeinsamen Blogparade geboren. Die Details und wie ihr mitmachen könnt findet ihr im oben genannten Startbeitrag. Und nun möchte ich euch etwas darüber erzählen, wie die Grundsteine für meine Liebe zu den Comics gelegt wurden und wie sie sich über die vielen Jahre entwickelt hat.

Bonbon-Taschenhefte, Micky Maus und Adelheid – ich will endlich lesen lernen!

Soweit ich mich erinnere, habe ich schon bevor ich lesen konnte, die Nase in Comichefte gesteckt. Das war Anfang der 70er-Jahre und eine meiner liebsten Comicserien waren die Bonbon-Taschenhefte aus dem Bastei Verlag. Ich kannte zugegebenermaßen aber auch keine anderen Comics und da die Bonbon-Hefte günstig waren, habe ich eben diese bekommen.

Comic aus den 70ern, InnenseitenIch habe mir gerne die Bilder angeschaut und mich, so wurde mir erzählt, darüber beschwert, dass ich die Comics nicht selbst lesen konnte – ich musste sie mir vorlesen lassen. Das gefiel mir gar nicht und ich konnte es kaum abwarten lesen zu lernen. Zum Glück war diese Hürde nach der Einschulung schnell aus dem Weg geräumt und ich konnte neben den Bonbonheften, auch endlich die Adelheid-Comics, Micky Maus-Hefte und auch die dicken Lustigen Taschenbücher mit noch mehr Abenteuern von Donald, Goofy und Micky lesen. Letztere waren damals noch alle zwei Seiten abwechselnd schwarzweiß und farbig. Mein Comicspeisezettel hatte sich damit deutlich vergrößert.

Die Lesevielfalt war allerdings weiterhin eingeschränkt, da ich nur das lesen konnte, was mir gekauft wurde und das war nicht all zu viel. Eigenes Taschengeld hatte ich nicht. Ein Lustiges Taschenbuch von Walt Disney gab es aufgrund des hohen Preises nur selten, dafür aber bald jede Woche die neue Micky Maus-Ausgabe. Und wer die Hefte aus den 70er- und auch 80er-Jahren kennt, kann sich bestimmt an die tollen Beilagen erinnern. Von Aufklebern über Bastelbögen bis hin zu ganzen Brettspielen war alles dabei. Oft musste ich über mehrere Hefte sammeln bis ich mit dem Zusammenkleben beginnen konnte. Das hat mir damals sehr viel Spaß gemacht. Auch habe ich fleißig die Micky Maus-Pennys und -Schnipps ausgeschnitten und gesammelt. Zum Dank erhielt ich einen Micky Maus-Wimpel, den ich dann kurze Zeit stolz an meinem Fahrrad spazieren fuhr. Keine Ahnung, was dann damit passierte. Ich hatte all das Basteln und Sammeln schon ganz vergessen, erinnere mich jetzt aber daran, wo ich über meine Biographie als Comic-Leserin nachdenke. Welch schöne Erinnerungen.

Der erste Bibliotheksausweis

Bei uns zu Hause wurde nicht gelesen, es standen gerade mal zwei Bücher im Wohnzimmerschrank. Die einzigen Personen, die mit Freude gelesen haben, waren ich und meine Mutter, wenn sie mir vorlas. Die Liebe zum Lesen und im Speziellen die zu den Comics habe ich mir also nicht im Elternhaus abgeschaut.

Ich glaube, es war in der Mitte des ersten oder zu Beginn des zweiten Schuljahres, als wir mit der gesamten Klasse in die Bibliothek gingen. Wir bekamen alle einen Leihausweis „verpasst“ und ab dem Tage war es komplett um mich geschehen. Ich hatte ein neues alternatives Zuhause. Voller Bücher. Zwei Stockwerke voll. Daran, dass es hier auch Comics geben könnte, dachte ich nicht. Dies war eine Bibliothek, hier gab es Bücher – was sollten Hefte hier zu suchen haben. So ging es los, dass ich zunächst Bücher in Schreibschrift, kurz danach dann auch in Druckschrift auslieh und las. Und dann bekam ich mit, dass es dort auch Comics gab! Aber sie waren anders als die Hefte und Taschenbücher, die ich bis zu dem Zeitpunkt kannte. Es handelte sich um großformatige Comicalben, die in einer Kiste im ersten Stock lagen, gleich in der Nähe des Tisches, an dem fast immer eine Mitarbeiterin saß. Fast so, als wenn sie sie bewachen müsste. Wer weiß, womöglich landete da auch der ein oder andere Band in der Tasche eines Besuchers oder einer Besucherin, ohne dass es auf der Ausleihtheke einen Stempel mit Rückgabedatum bekam.

Nachdem ich den Ausweis der Stadtteilbibliothek in Bremen-Vegesack erhalten hatte, war ich auf jeden Fall regelmäßiger Gast in der Filiale und begann neue Comics kennenzulernen, von denen ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie existieren.

4 Comics der Serien Tim und Struppi, Bonbon Taschenhefte, Isnogud und AsterixAsterix, Isnogud, Rantanplan und Struppi auf dem Radgepäckträger

Ich erinnere mich besonders gut an Asterix, Tim und Struppi, Isnogud, Lucky Luke und Clever & Smart. Die Bibliotheksexemplare waren mit einer dicken Kunststofffolie beklebt, sodass sie eine längere Lebensdauer hatten und dieser Schutz war auch gut gewählt. Denn ich war sicher nicht das einzige Kind, das die ausgeliehenen Comics (und auch Bücher) auf dem Gepäckträger festgeklemmt transportierte. Ihr werdet es ahnen –  ich habe diese Comickiste geliebt! Mein erster Gang war immer der in den Kinder- und Jugendbuchbereich im 1. Stock zu den Comics und nicht selten waren kaum welche da. Denn die Comicalben waren heiß begehrt und rar. Die Ausleihe war daher auch auf zwei Exemplare beschränkt und wenn ich mich nicht irre, durfte man sie nur zwei anstelle der sonst üblichen vier Wochen ausleihen. Clever & Smart waren übrigens immer meine letzte Wahl. Die Alben habe ich nur genommen, wenn keine anderen Comics mehr da waren. Wenn ich ganz viel Glück hatte, erwischte ich direkt zwei Comics, wenn ich mitbekam, dass jemand anderer sie gerade zurück gab. Aber ich war nicht die einzige, die geradezu an der Rückgabetheke auf Comics lauerte und versuchte dabei unauffällig zu bleiben. Schade, dass ich mich dabei nicht beobachten konnte.

Meine Favoriten waren die Asterix- und Isnogud-Comics. Sicher auch aus dem Grund, weil von diesen am ehesten welche verfügbar waren. Tim und Struppi hätte ganz sicher auch zu meinen Lieblingen gezählt, davon habe ich aber nur selten ein Exemplar ergattern können.

4 US-Comics: Star Trek, Star Trek TNG, Star Trek DS9, The Tick Karma Tornado
Die Lücke und wie Elfen, Vulkanier und eine menschengroße Zecke sie wieder geschlossen haben

Irgendwann im fortgeschrittenen Teenageralter habe ich aufgehört, die Bibliothek regelmäßig zu besuchen. Ich kann mich nicht erinnern, ob es plötzlich passierte, mit dem Ende der Schulzeit zusammen fiel oder ob ich einfach immer seltener dorthin ging. Fakt ist, dass ich die Besuche in der Bibliothek schließlich ganz aufgab. Rückblickend fällt es mir schwer das zu rekonstruieren. Aber diese Lücke in meinem Leserleben gab es, sie dauerte jedoch nur wenige Jahre an.

Comic Abenteuer in der Elfenwelt 37 von Bastei vor einer blühen Pflanze, auf dem Cover sind zwei ElfenWieder angefacht wurde meine Leidenschaft mit der Entdeckung, dass ich aktuelle Comics aus den USA bestellen konnte. Der heutige Previews hieß damals noch Advance (FUSSNOTE). Und als ich raus fand, dass es Star Trek-Comicserien gab, abonnierte ich spontan zwei Serien. Das Ganze hatte einen tollen Nebeneffekt – ich verbesserte und festigte meine Englischkenntnisse. Darüber werde ich nochmal an anderer Stelle berichten.

Nach und nach kamen weitere US-Serien hinzu, wie „The Tick“ (meine allerliebste Zecke und Superheld!) und „Babylon 5“. Außerdem entdeckte ich die deutsche Übersetzung von „Elfquest“: „Abenteuer in der Elfenwelt“. Die Alben erschienen damals im Bastei Verlag und waren im Zeitschriftenhandel erhältlich. Nachdem ich einen Band der Reihe auf einem Flohmarkt entdeckt und gelesen hatte, habe ich die Comics dann regelmäßig frisch bei Erscheinen am Kiosk oder im Bahnhofsbuchhandel gekauft. Alle bereits erschienenen Ausgaben kamen nach und nach durch Einkäufe im Comicladen und auf Flohmärkten zu mir. Die Alben habe ich heute noch und Elfquest gehört seitdem zu meinen Lieblingscomicserien. Die Sammlung hat sich inzwischen übrigens vervielfacht …

Die Renaissance der deutschen Superheldencomics – meine Dino-Heldenphase

Zwar war ich schon lange Fan von Superhelden und zwar größtenteils derer aus dem DC-Universum. Trotzdem hatte ich mit den Comics nie viel Kontakt. Die einzige Ausnahme war hier meine geliebte Zecke „The Tick“.

Links Batman Adventures Heft 1 mit Batman und Poison Ivy, rechts JLA 1Nachdem es einige Jahre in Deutschland so gut wie keine Superheldencomichefte mehr gab, startete Dino Entertainment 1995 die Serie „Batman Adventures“. Das war der Zeitpunkt an dem ich erstmalig in die Comic-Version des DC-Universums einstieg. Drauf gekommen bin ich durch die zeitgleich im TV ausgestrahlte gleichnamige Serie. „Batman Adventures“ machte mir so viel Spaß, dass ich die Comicserie abonnierte. Und es sollte nicht bei dem einen Heft-Abo bleiben. Hinzu kamen die Serien „Batman“, „Superman“, „Lobo“, „JLA“, „Marvel/DC-Crossover“, „Simpsons“, „Futurama“ und „Pinky & Brain“. Die meisten davon habe ich heute noch, nur von wenigen Heften habe ich mich getrennt. Nach ein paar Jahren hatte ich die deutschen Ausgaben aber über und kündigte alle Abos.

Evolution einer Bildersüchtigen

Ich habe jetzt schon einiges aus meinem Leben als Comic-Leserin erzählt und bin trotzdem gerade mal beim Jahrtausendwechsel angekommen. Ich bin selbst überrascht, wie viel ich da so „durchgemacht“ habe und es macht mir riesig Spaß, mich an all die Leseerlebnisse zu erinnern.

Dass es vor knapp 20 Jahren nicht plötzlich aus war mit den Comics und mir, ist kein Geheimnis. Es kam noch so einiges danach. Ein Comic, ein Film, ein Buch, eine Serie ergab den nächsten Band. Eine Rezension im Internet oder einem Magazin, ein Tipp in meinem Herzensforum auf literaturschock.de oder ein Gespräch unter Sammlern weckte das Interesse an einer neuen Serie. So ging es weiter bis heute. Darüber möchte ich aber im zweiten Teil meiner Biographie als Comic-Leserin (Evolution einer Bildersüchtigen. Ich und die Comics. Teil 2.) mehr erzählen. Auch werde ich dann die Frage beantworten, was meine Umwelt von meiner Comicliebhaberei hielt und hält. Ich würde mich freuen, wenn ihr Lust habt dran zu bleiben.

Bücherregal voller Comics

Und nun bin ich gespannt auf eure Berichte im Rahmen dieser Blogparade und darauf Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unseren Biographien zu entdecken. Nehmt eure Nase für einige Zeilen aus den bebilderten Geschichten, die wir alle so gerne haben und erinnert euch an die Anfänge.

Hier geht es zu Dagmars Beitrag in unserer gemeinsamen Blogparade: Ich und die Comics. Und wie uns die Mangas in die Quere kamen.

Logo der Blogparade auf türkisem Grund in einer Sprechblase

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