Wiedersehen mit Kim Keller
Diese Rezension enthรคlt Informationen รผber vorangegangene Serien aus dem Zyklusย Die Welten von Aldebaran (Aldebaran, Beteulgeuze, Antares, รberlebende). Wer diese noch nicht kennt und aber gerne ungespoilert lesen mรถchte, ist hiermit vorgewarnt. Es ist allerdings nicht zwingend nรถtig, diese jeweils 5-bรคndigen Serien vorab zu lesen. Ein Einstieg in diese faszinierende Welt ist auch mit Rรผckkehr nach Aldebaran mรถglich.
Nach dem Fehlschlag der Antares-Mission kehrt die Mannschaft zurรผck nach Aldebaran. Drei Jahre war Kim Keller nicht auf ihrem Heimatplaneten und sie ist voller Vorfreude nun zusammen mit ihrer Tochter Lynn zurรผckzukommen. Jedoch wartet eine groรe Aufgabe auf Kim. Wenige Tage zuvor ist eine Gruppe Auรerirdischer eingetroffen, um mit der Kolonie in Kontakt zu treten. Ihr Vorgehen allerdings stieร auf Unverstรคndnis bei einem groรen Teil der Bevรถlkerung. Und auch die Regierungsvertreter waren nicht gut auf das distanzierte Auftreten der Tsalterianer zu sprechen, die sich ohne weitere Vorstellung ausschlieรlich an die Regierung wandte. Dabei verhielten sie sich fรผr ihre Verhรคltnisse keineswegs ungewรถhnlich, fรผr die Menschen auf Aldebaran fehlte aber etwas. Irgendetwas, dass sie nahbar gemacht hรคtte.
Hier soll nun Kim in die Bresche springen und eine Brรผcke zwischen dem fremden Volk, dem auch der Vater ihrer Tochter Lynn angehรถrt, und den Bewohnern Aldebarans schlagen. Bei einem รถffentlichen Auftritt, der ein Willkommensgruร fรผr Kim Keller sein soll, zeigt sich das schauderhafte Gesicht einiger Aldebaraner in aller รffentlichkeit. Es kommt zu einem fatalen Zwischenfall, nur Manon Servoz‘ (bekannt aus dem Zyklus รberlebende) blitzschnelles Eingreifen verhindert noch Schlimmeres (was genau passiert, verrate ich hier natรผrlich nicht!).
Hater auf Aldebaran
Leute, die andere hassen,
- weil sie Fremde sind.
- weil sie anders aussehen als gewohnt.
- weil sie eine andere, ungewohnte Sprache sprechen.
- weil deren Kultur andere Umgangsformen mit sich bringt.
- weil sie sich selbst dadurch benachteiligt fรผhlen.
- weil … weil … weil …
Kommt euch sicher bekannt vor. Leider. Wieviel lieber wรผrden wir vermutlich alle in einer Welt leben, in der es diese ekelhaften Diskriminierungen und Hater nicht gibt. Leo bringt den allgegenwรคrtigen Konflikt des Fremdenhasses, des Rassismus nach Aldebaran. Damit tut er (fรผr ihn) nichts wirklich Neues, aber dieses Mal wirkte die Form des Hasses fรผr mich besonders intensiv und stellenweise unertrรคglich. Und genau deshalb bin ich Leo erneut dankbar, dass er diese gesellschaftlichen Probleme auf den Tisch bringt und zu einem zentralen Element in seinen Storys macht.
Manche betrachten mich auch als Verrรคterin an der menschlichen Rasse, da ich es wagte, mit einem Auรerirdischen zu schlafen. Fรผr sie bin ich eine Unreine, die man eliminieren muss. Kim Keller auf Seite 29
Interessant anย Rรผckkehr nach Aldebaran ist auch das Zusammentreffen zweier Hauptfiguren, die eigentlich mit einem Abstand von 100 Jahren geboren sind. Manos Servoz gehรถrte zu den wenigen รberlebenden, die mit dem ersten Kolonieschiff auf dem Weg nach Aldebaran waren, unterwegs aber in eine Quantenanomalie gerieten, und auf einem Planeten notlanden mussten. Selbst von dieser kleinen Gruppe sind am Ende nur wenige รผbrig geblieben. Denn sie waren nur eins von vielen Raumschiffen unterschiedlicher Spezies, die in die Anomalie gerieten. Und die wenigsten waren wirklich harmlos und friedvoll. Aufgrund von nicht steuerbaren Zeitsprรผngen, denen sie auf diesem Planeten ausgesetzt waren, sind Manon und ihr Begleiter Alex schlieรlich nach erfolgreicher „Flucht“ in derselben Zeit auf Aldebaran angekommen wie Kim Keller.
Nachlesbar ist die Geschichte der รberlebenden in der gleichnamigen Serie: รberlebende (Link). Episode 1 von Rรผckkehr nach Aldebaran beginnt mit einer zweiseitigen Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse in allen einleitend oben genannten Zyklen. Auf zwei Seiten passt nicht viel, aber die wenigen Punkte dรผrften reichen, um einen Einstieg auch all denen zu ermรถglichen, die jetzt nicht alle Alben der Welten von Aldebaran lesen mรถchten (auch wenn ich es unbedingt empfehlen kann) oder auch allen, die ihre Kenntnisse noch einmal auffrischen mรถchten.
Fรผr mich war der in Personalunion von Leo geschaffene Comic wie ein Nachhausekommen. Ich habe mich vor Jahren in die Welten Leos verliebt. Ich mag seine Sternenkolonie-Geschichten und was einigen sauer aufstoรen mag und wie eine Aneinanderreihung von Begegnungen der Menschen mit auรerirdischer Flora, Fauna und Kultur wirkt, ist fรผr mich genau das Salz in der Suppe, der Marshmallow im Kakao. In Rรผckkehrย habe ich genau diese fantasievollen Geschรถpfe und Pflanzen ein wenig vermisst, kommen sie doch nur wenig zum Zuge. Dafรผr habe ich aber ganz viel Umgang mit einer technologisch weit fortgeschrittenen Kultur genieรen dรผrfen.
Und die Story verspricht dank eben dieser auรerirdischen Technologien sehr viel. Ich bin gespannt und jetzt schon fast etwas traurig, dass diese Aldebaran-Reihe die erste sein wird, in der Leo mit seiner Gewohnheit bricht, stets Pentalogien zu schaffen. Dieses Mal gibt es nur eine Trilogie (*mit einem weinenden Auge geschrieben). Zeichnerisch ist Leo nicht das hellste Licht am Sternenhimmel der Comickรผnstler. Aber er hat ein gutes Verstรคndnis von Anatomie, auch wenn die Gesichter seiner Charaktere erst einmal wenig Tiefe bieten.
Ich empfehle immer wieder, sich auf Leos Geschichten einzulassen. Einfach so. Auch wenn einem der Zeichenstil zunรคchst nicht gefรคllt. Ansonsten entgehen einem richtig gute Science Fiction-Storys, die zeitlos sind und nicht vor gesellschaftlichen Problemzonen zurรผckschrecken. Band 2 ist noch nicht angekรผndigt, hoffentlich dauert es nicht zu lange.
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Rรผckkehr nach Aldebaran. Episode 1
Geschrieben – Gezeichnet – Koloriert
Leo
Gefallen kรถnnte euch der Comic
- wenn ihr intelligente Science Fiction mรถgt, egal ob in Roman- oder Comicform
- wenn ihr gerne neue Planeten erforscht
- wenn ihr authentische Protagonistinnen erleben mรถchtet
- wenn euch die Themen Rassismus und Fremdenhass interessieren
Eine Leseprobe gibt es hier beimย Splitter Verlag. Auch die Serien Aldebaran, Betelgeuze, Antares und รberlebende sind dort zu finden.
Noch ein paar Details
Ende Oktober 2018 erschienen bei Splitter, Teil 1 von 3, ISBN 978-3-96219-259-4, 64 farbige Seiten, Hardcover, EUR 15,80
Mehr von Leo hier im Blog auf Booknapping
Antares (Leo, dt.):ย 6
Ferne Welten (dt.): Episode 1 (Leo/Icar),ย Episode 2, Episode 3 (Leo/Icar),ย Episode 4 + 5 (Leo/Icar)
Mermaid Project (dt.): Episode 1, Episode 2, Episode 3
Namibia (dt.): Episode 3, Episode 4, Episode 5
Den Comic habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon natรผrlich unbeeinflusst. Ich bin halt einfach ein Leo-Fan :-D




Ich hatte mir damals aufgrund Deiner Rezension diesen Band geholt, ihn dann aber doch nicht gelesen, um erst einmal mit der Vorgeschichte zu beginnen.
Daher habe ich jetzt endlich Aldebaran I: Die Katastrophe gekauft und gelesen. Das Titelbild sprach mich zunรคchst gar nicht an und auch, als ich einen ersten Blick in das Comic hineinwarf, war ich nicht sonderlich begeistert, sodass ich zunรคchst andere Hefte las. Gestern war es dann aber soweit. Ich habe es gelesen und obwohl mir manche Einzelheit nicht so wirklich gefรคllt – das Aussehen der meisten riesigen Unterseebewohner zum Beispiel – hat es mich insgesamt betrachtet dann doch gefesselt und ich werde gleich Band 2 bestellen.
Die Story ist sehr spannend und ich bin neugierig, wie es wohl weitergehen wird. Schรถn ist die Idee, dass auf dem von der Erde abgeschnittenen Planeten so ein interessanter Technikmischmasch herrscht (Zeppeline, Kutschen ohne Pferde). Das wรผrde man ja eigentlich nicht erwarten, wenn es um einen kolonisierten Planeten des 22. Jh. handelt.
Die hรผbsche Journalistin erinnert mich in ihrer Darstellung an TV-Schรถnheiten der 60er und 70er, was einen netten Nostalgie-Touch hat. Auch die anderen Charaktere sind schรถn gezeichnet. Witzig finde ich, dass ich nach dem Lesen von Band I weiร, wer die rechte Frau auf dem Cover von dem hier von dir besprochenen Band ist ;-) Das ist gut gemacht!
Ohne Deine Besprechung hรคtte ich mir dieses Heft nie im Leben gekauft, bin jetzt aber froh, dass ich es getan habe ;-)
Lieber Michael,
weiรt du, wie sehr es mich freut, wenn ich jemanden dazu bringen konnte, Leo zu lesen? Sehr sehr sehr :-D
Und ja, die Comics sind optisch zu Beginn wirklich problematisch, das kann ich absolut nachvollziehen. Aber das gesamte Aldebaran-Universum ist so klasse. Ich bin gespannt, wie es dir im weiteren Verlauf gefรคllt. Nach den Aldebaran-Bรคnden kommt dann ja Betelgeuze und anschlieรend Antares. Wenn du die 15 durch hast, geht es mit anderen Zyklen weiter. Und natรผrlich mit „Rรผckkehr nach Aldebaran“ :-D
Viel Spaร beim weiteren Entdecken, es lohnt sich!
LG
Sandra
Jetzt habe ich Band 2 „Die Blonde“ gelesen und bleibe bei meinem ursprรผnglichen Statement. Der Zeichenstil ist immer noch nicht so ganz mein Ding – ich gewรถhne mich aber mehr und mehr daran -, wรคhrend mich die Story dennoch total in ihren Bann zieht.
Ich bin gespannt darauf, weshalb die Frau รผber so auรergewรถhnliche Regenerationskrรคfte verfรผgt. Wenn ich raten mรผsste, wรผrde ich vermuten, dass die Biolog_innen ihre DNA irgendwie mit der eines Lebewesens von Aldebaran vermischt haben.
Dann brauche ich jetzt wohl Band 3 ;-)
Jetzt hast du mich eingeholt! :-D Und das bei einem Comic aus einem meiner Lieblingsuniversen: Aldebaran. Eigentlich beginnt es ja alles in Aldebaran … ;-) Vielleicht solltest du doch mal drรผber nachdenken, vorne einzusteigen. Deine Probleme mit den Zeichnungen kann ich nachvollziehen, gemeinsam ergeben Story und Bilder aber etwas genial Gutes, wie ich finde. Falls du auch mal digital lesen magst, schau hier vorbei: https://www.izneo.com/de/europaische-comics/sci-fi/aldebaran-23326 Die Bรคnde kosten je knapp Eur 7, vielleicht ist das eine Alternative?
LG
Sandra
Jetzt habe ich Dich verwirrt ;-)
Ich habe mir „Rรผckkehr nach Aldebaran“ Bd. 1 gekauft, weil ich Deine Rezension gelesen habe. Da ich mir dann dachte, dass es ja irgendwie cleverer ist, am Anfang anzufangen, habe ich mir „Aldebaran I: Die Katastrophe“ gekauft, dessen Fortsetzung „Die Blonde“ ich heute Nachmittag gelesen habe.
Ich lese also schรถn brav alles in der richtigen Reihenfolge ;-)
Ich habe das nur unter diesen neuen Aldebaran-Band geschrieben, weil es hier keine Rezensionen zu den frรผheren Bรคnden gibt.
Ahhh, und ich habe es nicht gemerkt *Augen zuhรคlt*.
Umso begeisterter bin ich, dass dir die Reihe auch so gut gefรคllt! Ja, besonders in diesem ersten Zyklus muss man sich an die Zeichnungen gewรถhnen, da hast du natรผrlich recht!
Viel Spaร weiterhin mit Kim Keller & Co.
Liebe Grรผรe
Sandra
Ooohh das klingt echt toll :)
Danke fรผr den Tipp!
Liebe Grรผรe,
Nicci
Sehr gerne, wie du weiรt. Immer wieder und wieder *gg*.
LG
Sandra