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Femmes en bandes dessinées – Frauen in Comics

Verschiedene Comicalben

Fünf Reihen, sechs Frauen

Mit Frankreich hat die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr ein Gastland ausgewählt, das sich geradezu dafür anbietet über Comics zu berichten. Der franko-belgische Raum ist bekannt für seine große Comickultur. Klassiker wie „Asterix“ und „Tim und Struppi“ gehören zur Popkultur wie Disneyfilme und Michael Jackson und sind auch Nicht-ComicleserInnen bekannt. Größen wie Moebius haben Generationen von (Drehbuch-)AutorInnen inspiriert. Widmen möchte ich mich aber nicht den allseits bekannten Figuren. Mein Augenmerk gilt heute den Frauen in französischen Comics. Ich stelle fünf ganz unterschiedliche Charaktere vor – eine davon war allerdings tatsächlich auch gerade auf der großen Leinwand zu sehen. Beginnen möchte ich aber mit

Liou

Sie ist meine Lieblingsfigur in den Comics über den Vampir Ferdinand und seiner schicksalhaften Suche nach der (großen) Liebe. Entsprungen ist diese besondere Frau der Feder von Joann Sfar, der mit seinen Storys über Ferdinand zeigt, wie überaus emotional Vampire sein können. Im Grunde sind die Frauen aber die Stars in den Vampirbüchern.

Liou ist eine „Baumfrau“ und Ferdinand ist unsterblich (mir fällt gerade auf, wie gut hier „unsterblich“ passt 🙂  ) in seine Ex verliebt. Nur hat Liou ihren eigenen Kopf, ist sehr selbstbewusst und sieht sich gerne auch mal in der Nähe anderer Männer. Liou weiß was sie will und lebt es aus. Obwohl sich auf Joann Sfars Seiten eine ganze Menge anderer interessanter und immer auch sehr eigenständiger Frauen gibt (Hexen, Vampirinnen und mehr), ist mir Liou doch die liebste von allen. Ich mag es, wie sie und Ferdinand sich immer mal wieder gegenüberstehen und das dann doch meist in Streits endet. Ich mag ihre leicht sture und bestimmte Art. Was sagt das jetzt über mich? *lach* Im zweiten Band steht zwar Hexe Aspirine auf dem Titel, Liou ist aber trotzdem im Spiel.

Vampir (ISBN 978-3-939080-74-9, 216 Seiten), Aspirine (ISBN 978-3-945034-09-5, 224 Seiten) von Joann Sfar, erschienen im Avant Verlag

Libelle

Ihr Name klingt ungefährlich, die junge Frau schwingt allerdings zielsicher und kraftvoll ihr Schwert. Sie kümmert sich um ihren kleinen Bruder Mücke, der alles andere als ein Kämpfer werden möchte und überrascht in dieser klassischen Fantasywelt die Männer mit ihrem selbstsicheren Auftreten. Arleston und Melanyn haben mit Libelle eine Figur geschaffen, die durchaus häufiger in Fantasygeschichten zu finden ist: das Mädchen, das eigentlich ein Ritter oder Kämpfer werden möchte. Allerdings versteckt sich Libelle nie hinter einer Verkleidung als Junge oder Mann. Sie stellt immerzu das dar, was sie ist – eine starke junge Frau!

Arleston ist in seinen Storys häufig frivol, spielt mit der Erotik. In „Die Geister von Troy“ weicht er davon ab und erzählt eher eine humoristische Fantasy-Geister-Story. Mir hat dieser Mix gut gefallen, obwohl ich ansonsten kein so großer Fan des Autors bin. Hier kann ich auch eine Empfehlung für Comic-Einsteiger geben.

Die Geister von Troy 1: Albumen der Geist (ISBN 978-3-86869-291-4, 56 Seiten) von Arleston & Melany (Szenario), Hérenguel (Zeichnungen), erschienen im Splitter Verlag

Veronique / Laureline

Sie ist die Protagonistin in der klassischen Science Fiction-Comicserie „Valerian & Veronique„. Im französischen Original heißt sie Laureline und ich habe mich schon oft gefragt, warum dieser Name damals nicht ins Deutsche übernommen wurde. 1978 veröffentlichte Carlsen Comics mit „Die Stadt der tausend Planeten“ das erste Album in Deutschland. Im Original entstand die Comicserie sogar bereits in den sechziger Jahren in Frankreich.

Veronique ist in der Comicserie keinesfalls schmückendes Beiwerk neben dem männlichen Helden Valerian. Auf mich wirkt sie oft wie der klügere Teil des Teams und das zeigt sie auch in dem Sonderband „Die Bewohner des Himmels“. In diesem ist sie diejenige, die das Buch schreibt und die gesamte kreative geistige Arbeit übernimmt. Laureline ist in der Verfilmung von Luc Besson (2017) deutlich jünger als in der Vorlage und kann darin auch nicht wirklich zeigen, was so alles in ihr steckt. Aber dafür gibt es ja zum Glück die Comics und beispielsweise die bei Carlsen erschienene Gesamtausgabe. Es lohnt sich, die wahre Veronique kennenzulernen und sie und ihren Partner Valerian bei ihren Abenteuern als Raum-Zeit-Agenten zu begleiten. Die Künstler Christin und Mézières haben damit den Grundstein für unzählige Science Fiction-Romane und -Filme gelegt. Der klassische pastellig kolorierte Stil der Zeichnungen gefällt mir sowieso.

Veronique und Laureline sind also nur eine Person, damit stelle ich doch nur fünf und nicht sechs Frauen in Comics vor 🙂

Die Bewohner des Himmels. Der Kosmos von Valerian und Veronique (ISBN 3-551-71155-0, 72 Seiten) von Christin / Mézières, erschienen bei Carlsen 1992, Mix aus Comic und illustriertem Buch, leider verlagsvergriffen.

Kim Keller

Die Frauen des aus Brasilien stammenden und in Frankreich lebenden Künstlers Leo liegen mir sehr am Herzen. Und Kim Keller ist für mich die Nummer 1 in seinem Portfolio. In der über mehrere Zyklen laufenden Reihe „Die Welten von Aldebaran“ macht sie eine spannende Entwicklung durch. Ist sie anfangs noch etwas zurückhaltend, zeigt sie doch bald ihre Fähigkeiten bis hin zur Leitung von eigenen Missionen. Kim Keller ist tough, intelligent, stark, manchmal aber auch naiv und leichtsinnig – insgesamt ist Kim ganz einfach echt. Ich mag sie sehr. Sie ist übrigens nur eine der handelnden Figuren in dieser Leo-Reihe, die ich jedem Science Fiction-Fan wärmstens empfehlen kann! Da gibt es noch so einige weitere interessante Personen und sehr viele davon sind Frauen. Auf den Fotos seht ihr die verlagsvergriffene Gesamtausgabe, die bei Epsilon erschienen ist. Glücklicherweise haben alle Leo-Serien im Splitter Verlag ein neues schönes Zuhause gefunden und auch Aldebaran ist jetzt wieder erhältlich (in überarbeiteter Fassung inkl. Neuübersetzung). Empfehlung auch für Comic-Einsteiger.

Aldebaran von Leo jetzt erhältlich vom Splitter Verlag.

Marie

Während Raphael die letzten 20 Jahre größtenteils unspektakulär verbracht hat, scheint Marie ein spannendes Leben hinter sich zu haben. Vor 20 Jahren hatten die beiden eine unvergessene gemeinsame Nacht in Rom und gaben sich ein verhängnisvolles Versprechen: In 20 Jahren, an Raphaels 40. Geburtstag an genau demselben Ort wieder aufeinander zu treffen. In diesem einen Hotelzimmer in Rom. Ich muss zugeben, dass mich Marie in diesem großen Comic-Roman größtenteils aufgrund ihrer faszinierenden Schönheit beeindruckt hat. Diese ist selbstverständlich dem Autor und Zeichner Jim (Téhy) zu verdanken, der es versteht mittels Mimik, Gestik und Haltung seiner Figuren mehr zu erzählen als mancher Autor, manche Autorin mit vielen Worten.

Raphael und Marie sind in ihren Lebensläufen so verschieden wie Feuer und Wasser, was vielleicht genau der zündende Funke zwischen den beiden darstellt. Lernt Marie kennen und auch wenn sie womöglich nicht eure Sympathien erhält, wird sie euch fasznieren – versprochen. Dieser Zweiteiler ist übrigens hervorragend nicht nur für Comic-Einsteiger geeignet, sondern auch für LeserInnen, die eigentlich gar nicht vor hatten, einen Comic zu lesen!

Eine Nacht in Rom (ISBN 978-3-86869-593-9 und 978-3-86869-594-6, je 56 Seiten) von Jim, erschienen im Splitter Verlag

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Aktion „Eine Reise nach Frankreich“ #littripFR17 zur Frankfurter Buchmesse 2017 initiiert von Ramona (Blog: Kielfeder) und Ramona (Blog: El Tragalibros). Eine Zusammenfassung aller Beiträge gibt es ab dem 30.09. in einem Beitrag der beiden.

Logo zeigt Frankreich und den Aktionstitel

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9 Kommentare

  1. Hallo Sandra,
    hach Vampir… Da war ja was. Liou hat dich ja schon lange begeistert.
    Das ist ein wirklich toller Artikel geworden mit unterschiedlichen aber starken/selbstbestimmten Frauen. Offensichtlich muss ich mir nun auch noch Aldebaran zulegen. Ihr macht mich arm 😀
    Liebe Grüße Ariane

    • booknapping

      Danke 😙😊
      Ich kann dir meine Leos auch gerne leihen 😉 Lesen solltest du sie auf jeden Fall. Nach Aldebaran dann 5 x Betelgeuze, gefolgt von 5 x Antares und nicht zu vergessen Die Überlebenden. Soweit Kim Keller. Dann wäre dann aber auch noch Kathy Austin … *lach*

      Liebe Grüße,
      Sandra

  2. Liebe Sandra

    vielen Dank für deinen tollen Überblick zu Frauenfiguren in Comics. Bei Marie bin ich ja persönlich sehr sehr skeptisch. Vielleicht kann ich irgendwo mal reinschnüffeln, denn ein bisschen neugierig bin ich auch bei diesem Comic geworden. Was ich auf jeden Fall weiter ausbauen muss ist Valerian & Veronique (und endlich auch den Film muss ich sehen —-).

    Liebe Grüße
    Ramona

    • booknapping

      Hi Ramona,

      danke für deinen lieben Kommentar 😀
      „Eine Nacht in Rom“ hat bei mir tief gewirkt. Es passiert gar nicht viel, aber die besondere Stimmung und die beeindruckenden Zeichnungen haben für mich einfach ein perfektes Gesamtbild ergeben.
      V&V sind klasse, ich habe selbst ja noch nicht alle Abenteuer gelesen, die Gesamtausgabe steht aber zum Glück sicher in meinem Comiczimmer bereit 😀

      Liebe Grüße,
      Sandra

  3. Ein genialer Artikel, danke für die tollen Tipps! „Vampir“ habe ich mir sofort notiert und auch „Valerian und Veronique“ steht zwar schon lange auf meiner Leseliste, rückt jetzt aber nochmal ein Stück nach oben. 😉

    Liebe Grüße, Katja

    • booknapping

      Hey Katja,
      klasse, dass dir mein Beitrag gefällt und lieben Dank für deinen Kommentar. „Vampir“ ist liebenswert und einfach ganz besonders. Damit wünsche ich dir unsterblich viel Spaß 😉

      Liebe Grüße,
      Sandra

  4. Pingback: El Tragalibros - der Bücherwurm: Blog über Literatur

  5. Was für ein toller Artikel.
    Die beschriebenen Frauen klingen sehr interessant. Besonders Liou und Veronique.
    Mein Wunschzettel wird länger und länger 🙂

    Liebe Grüße
    Elisa

    • booknapping

      Hi Elisa und vielen Dank, denn anderen den Wunschzettel zu verlängern, ist ein ganz tolles Lob 🙂
      Schau doch mal in die Leseproben rein, vielleicht kannst du dann schon entscheiden, welche Frau du als erste näher kennenlernen möchtest.

      Liebe Grüße,
      Sandra

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